Overblog Folge diesem Blog
Edit page Administration Create my blog

Seiten

Rennsteig-Supermarathon 2008

...mein erster Ultra!!

Es ist der 20.Mai 2008, ich sitze vor dem Haus auf der Terrasse und rauche meine "Fat Lady“, eine „Romeo Y Julieta“, Habana – Cuba.
Eigentlich ist es die „Jahresendzigarre“ aus 2007 - die ich mir nicht wie gewohnt gönnen konnte. Nicht, weil das Jahr nicht gut war – ich hatte Angina. So lag sie also bis zum nächsten Höhepunkt, etwas ganz Besonderem... Jetzt ist es soweit.
Ich bin, zusammen mit meinem Mann Ecki, am Samstag, den 17.5.08 den ersten Ultra gelaufen und MIT WÜRDE ANGEKOMMEN.
                                                                                             Foto: Waldemar Cierpinski und ich


Wie es dazu kam


Nach wie vor ziehen "die langen Kanten" Tausende Läufer in den Bann. Auch uns. Es ist ja eine Entwicklung:
Erst läuft man überhaupt, dann mal 10km im Wettkampf, einen Halbmarathon, Marathon... nach 10
Marathonläufen, davon 5 am Rennsteig, war ich soweit.
Nicht nur die Herausforderung eines Ultramarathon zog uns zunehmend in den Bann. Wir haben ja durchaus einen Riesenrespekt vor einer solchen Strecke, gerade auch vor dieser über 72,7 km und ca. 1490 Höhenmetern (aufwärts) sowie 973 Höhenmetern abwärts sehr anspruchsvollen Strecke. Hier geht es gleich vom Start erst mal ca. 700m auf den Inselsberg hoch (km 25) – da kann man schon erahnen, was die übrigen 48km (mehr als ein Marathon) noch abverlangen.
Erst mal oben, läuft man auf dem Rennsteig - Wanderweg nach Schmiedefeld über etliche Gipfel. Das ist schon zermürbend, dieses Auf und Ab. Aber schon der Marathon zeigt es, die Mitläufer, die herrliche,   abwechslungsreiche Landschaft und die einmalige Verpflegung nebst den superfreundlichen Thüringern, die einen umsorgen, lassen Leistungen zu, die man sich selbst vielleicht nicht zutraut...
Und am Ziel winkt natürlich die legendäre Party im Festzelt in Schmiedefeld, die im letzten Jahr aber auch alle zuvor in uns geweckten Erwartungen (und Befürchtungen) erfüllte.

Die Entscheidung

Dieses Mal sollte es der Supermarathon sein. Wir sind also nicht nach Neuhaus gefahren, um unsere
Marathonanmeldungen einzulösen. Wir fuhren nach Eisenach, um uns umzumelden und die Startnummern für den Supermarathon zu holen. Neben den Startnummern gab es auch gleich das Finisher - Shirt (eigentlich bin ich abergläubig und hole das immer danach. Dieses Mal war’s im Nachhinein doch sorum gut, denn die kleinen Größen gab’s im Ziel nicht mehr).

Ich bin in diesem Jahr bisher ca. 900 km gelaufen, schon deutlich mehr als sonst (+200km), aber doch zunächst auf einen Marathon ausgerichtet. Ein Doppeldreißiger war auch dabei, bei dem mir der erste Lauf schwerer fiel als der letzte – das macht Mut. Ich fühlte mich also angemessen gewappnet. Die Wettervorhersage passte, es tat nichts (mehr) weh (als sonst), also, wann wenn nicht jetzt? Doch wer konnte schon wissen, wie es sich wirklich
anfühlt?? Jetzt weiß ich es.

Der Tag - Vor dem Start        

Der Start in Eisenach um 6 Uhr ist ja schon die erste Herausforderung für den Biorhythmus. Aufstehen um 2 Uhr (nach gefühltem Nicht-Geschlafen-Haben, vielleicht war’s mal ne halbe Stunde). Frau Bohn verwöhnt uns um 2:15 Uhr mit einem Superfrühstück, aufgebackene Brötchen und Müsli mit extra gerösteten Walnüssen... Der Bus fährt um 2:55 Uhr, wir sind mit die erste Station nach Schleusingen. Da heißt es pünktlich sein, sonst ... (na lieber nicht).
Alles dabei? Startnummer, Chip, die richtigen Sachen? Was zieht man an? Regnet es? Vorhersage:
durchwachsen, bis 14°, ab Mittag 90% Regenwahrscheinlichkeit. Na, da bin ich noch auf der Piste, also Nummer sicher: langärmeliges Unterhemd von Helly Hansen (kann man zur Not ausziehen und um den Bauch knoten), drüber kurzes Radhemd (hat Reißverschluss und hinten eine Tasche für Hygienezeugs und MP3_Player) und ne kurze Hose. Die ausgelatschten Asics mit Einlagen und die Falke-Socken hatte ich schon vorher ausgewählt.
Und ganz wichtig, die gelbgrüne Buffmütze. Dazu die Fettsalbe und Vipratox zum Einschmieren. Im Vorgriff aufs Ergebnis: Super ausgewählt, nicht geschwitzt, nicht gefroren, keine Blasen, nur bissel wund vom BH (dass der reibt, wusste ich bisher nicht, ist auch schon langgedient...) Eine neue Uhr musste ich am Freitag in Eisenach noch erwerben, meine alte Polaruhr hat am Donnerstag bei der Regenwanderung den Geist aufgegeben...
ZumGlück gab im Radladen noch was Einfaches, klar, hier hatten sich auch andere schon eingedeckt...
Nun saßen wir im Bus zusammen mit den Kämpen von Borussia Friedrichsfelde, alten Bekannten. In
Schmiedefeld wurde der Bus gefüllt, dann ging es Nonstop nach Eisenach (unterwegs standen 4 große Hirsche an der Straße!!), wo wir fast als Erste gegen 5 Uhr eintrafen. Man kann sich also gut auch am Starttag ummelden. Andererseits, das tolle italienische Eiscafe in Eisenach ist schon einen Besuch wert...

In Eisenach

Der Markt füllte sich schnell mit Ultras. Wir haben am Rande sitzend ganz entspannt Läufer geguckt. Es war, im Vergleich zu anderen Läufen, überhaupt sehr relaxt, ohne viel Tamtam und Getöse.
Im Vorfeld wurden wir noch von spiridon interviewt und fotografiert. Der fragte so gezielt – sieht man uns den Erstling sooo deutlich an?

Es geht los

Es ging pünktlich 6 Uhr bei schönem Wetter los, ohne singen, schunkeln (das spart man sich für Abends...) und ohne Hektik und Stress. Das gefiel mir, dieses Losgerase bei anderen Läufen, auch beim Marathon, erstaunt mich doch immer wieder. Das bringt nur Einbrüche mit sich, ich halte mich da sehr zurück...aber hier passte es einfach.
Zuerst passiert man die Fußgängerzone (und das Eiscafe) und verlässt dann bald durch das Nicolaitor die Stadt.
Es waren sogar schon Zuschauer da, die die Läufer anfeuerten.


Am Witzigsten war die Gruppe mit dem Ortsausgangsschild. Es wurde auch noch in Eisenach darauf hingewiesen, dass jetzt umkehren blöd wäre... na ja, Humor sollte man haben, das hilft unterwegs und überhaupt.







Auf dem Inselsberg habe ich meine erste persönliche Marke gesetzt. Bis dahin locker angehen und oben sehen, wies so ist... Wie gesagt, 25 km und 700 Höhenmeter sind je kein Spaziergang.
Aber bis dorthin waren es noch 3:10 h...Erst mal ging es ganz gemächlich über Feldwege mit herrlichen Blicken in der frühen Morgenstunde.

Bergauf – der erste Teil

Die erste Getränkestelle Waldsportplatz bei 6,9 km und ca. 120 Höhenmetern. Gut, bis hierher kein Problem, alle hotten so vor sich hin und versuchen, Tempo und Rhythmus zu finden. Aber das dauert noch etwas, bis ich soweit bin.
Einen Lauf, der mit einem 25km langen Anstieg beginnt, mache ich ja nicht so oft, genau genommen, bisher noch gar nicht.
Erst mal beginnt es mit allgemeinen in-die-Büsche –schlagen (unglaublich, wie viele Läufer hier dauernd in den Büschen sind... zum Glück gibt’s ja genug Büsche & Bäume) ... Auch ich war in der Zeit 3x im Busch und 4x musste ich Steinchen aus den Schuhen kippen.
Kurz danach kam schon km 7,4, endlich sind wir an der Hohen Sonne auf dem Rennsteig. Inzwischen hatte ich meinen Rhythmus gefunden. Am km 12,6 war die nächsten Getränkestelle, Ascherbrück, hier schon bei 530m Höhe. Alles im grünen Bereich. Immer schön trinken und zunächst begnüge ich mich mit Wasser. Die Kohlensäure stört etwas, aber man kann den Becher ja erst mal schütteln. Es gibt Tee, Cola und irgendwas Gesundes biologisch-isotonisches...schmeckt jedenfalls gut.
Inzwischen hatte ich auch einen Ultra-Abschnittsbegleiter, den Mann in Blau, dessen Kumpel wegen Angina kurzfristig absagen musste. Witzig, er kommt aus der gleichen Berliner Ecke und trainiert auf den selben Strecken (Wuhletal, Wuhlheide), die Welt ist doch ein Dorf. Jetzt haben wir mal bewusst nach einer Höhenangabe gesucht und sind bei 645 Höhenmetern fündig geworden. Nun sind wir auch schon 16km gelaufen, geht doch – oder??
Dann fing es an zu regnen, mann und wie! So war das nicht geplant!! Meinen MP3-Player sicherte ich zuungunsten meiner Taschentücher erst mal in der Plastikhülle der Tempos. Es hat auch eine gefühlte Stunde richtig gegossen, aber dann, als aber auch alles total durch war, hörte es auf.
Und schon kam die Verpflegungsstelle Glasbachwiese bei 17,7km, hier nahm ich den ersten Becher des berühmten Schleims. Schon bald taucht das Schild 20km auf, ich hatte noch nicht damit gerechnet und freute mich laut darüber. Einige Mitläufer zogen mich gleich runter mit dem Hinweis, dass die Schilder nicht so ernst genommen werden müssen, manchmal stimmt`s auch nicht.
Irgendwie waren die folgenden 5 km auch viel länger als die vorher... Dazwischen kam der Dreiherrenstein bei 20,6km und 720 Höhenmetern mit Wasser und Teeversorgung. Ich habe jedes Mal getrunken, und das war sicher nicht falsch. Ich trinke sowieso oft, wenn auch immer recht wenig. Inzwischen wurden meine Finger dick. Das passiert mir oft, auch beim Wandern. Ich mag das nicht, aber was kann man dagegen tun?
Meine neue Uhr habe ich auch nicht mehr verstanden, im Nachhinein zeigte sich, dass im Stoppuhrmodus die Stunden ganz winzig angezeigt werden. Ich sah nur Minuten und Sekunden und konnte mit der 4stelligen Zahl nichts anfangen. Da habe ich auf den Zeitmodus umgestellt und von 6 Uhr Startzeit rückgerechnet. Nun fehlen mir die Zwischenzeiten, aber egal.
Jetzt ging es richtig hoch auf den Oberen Beerberg. Die Anstiege nahmen wir von Anfang an nur im Schritt, Wenige liefen hoch. Die waren auch nicht wesentlich schneller.
Zwischendurch habe ich 2x versucht, ohne das Unterziehshirt zu laufen (ich habe mich im Laufen umgezogen!!), aber das war zu kalt. So bin ich bis ins Ziel mit Unterhemd gelaufen, das war genau die richtige Kleidung. Ein Hoch auf den Zwiebellook. Auf dem Oberen Beerbberg packte mich erneut ein dringendes Bedürfnis und wie schon bei dem ersten Buschbesuch tat sich hinter meinem Sichtschutz eine phantastische Aussicht nach Norden auf. Manchmal lohnen Abstecher. Vielleicht gingen die Läufer deshalb so oft in die Büsche?
Endlich oben!! Erste Etappe geschafft. Vom Inselsberg ging es dann supersteil abwärts auf ca. 720m. Das war das erste Mal wirklich Gift für die Beine... Aber sonst, alles easy. An der Grenzwiese (26,8km) wurde wieder Schleim aufgefüllt und natürlich getrunken.

Bergab – bergauf , der zweite Teil


Mein nächstes Ziel war jetzt die Ebertswiese (37,4 km), die „Halbzeit“. Bis dahin sollte es ja gehen, das kannte ich auch schon vom Marathon. Wie das Laufgefühl danach wird – man wird es sehen. Meinen Laufabschnittsbegleiter habe ich ziehen lassen, an den Anstiegen war er einfach schneller.
Am Possenröder Kreuz (33,6km /710 Höhenmeter) kamen die Wanderer auf die Strecke. Das war einerseits abwechslungsreicher, andererseits etwas eng. Negative Erfahrungen mit Wandererpulks, die den Weg verstellen, habe ich nicht, es wurde immer eine Gasse freigegeben, wenn Läufer kamen. Anstrengender war schon der Läufer, der sich von einer MTB-Fahrerin begleiten ließ – das störte den Läuferfluss gerade in engen Stellen deutlich mehr und war auch unzulässig und unfair.

Die Welt ist ein Dorf – überall Bekannte

Unter den Wanderern waren unsere Bekannten aus Hellersdorf, die die Herberge mit uns teilten. Ein fröhliches Hallo und ein schönes Foto von mir... und große Hochachtung vor Rüdiger, der mit seinem genagelten Fuß die 35km gewandert ist.












Etwas später traf ich Norbert, den „Hönower“ mit der Unionfahne. Einem Hallo folgte ein netter Schwatz und die Verabredung im Festzelt. Im Übrigen war es ja von hier auch nur noch weniger als ein Marathon bis ins Ziel... Schildkröte war auch mit von der Partie – so trifft man sich und lernt sich kennen. Eine Hönower Schildkröte hatte ich vorher schon überholt, wie sich später herausstellte, war es Höschi. Nun kenne ich die Fori- Typen auch vom Angesicht.

Die Hälfte ist geschafft


Und schon kündigt sich die Ebertswiese (37,4km/ 700 Höhenmeter) an, Halbzeit. Der Schleim genügte meinem Magen nicht mehr, der knurrt mittlerweile beharrlich. Schildkröte gab mir auch den Tipp, unterwegs was Festes zu essen. Das war Neuland für mich, vom Marathon kenne ich das ja nicht. Aber meinem robusten Magen vertrauend, griff ich zum Wiener Würstchen (neben Schleim, Zitrone mit Salz und diversen Getränken). Ich habe es langsam gekaut und nicht geschlungen, es blieb drin, verhinderte das weitere Zusammenschlagen der Magenwände und es hat mich nicht belastet. Das mit der Zitrone und dem Salz war ein Tipp, den ich mal gelesen
hatte. Mein Fuß krampfte inzwischen und so hab ich dieses Wundermittel probiert. Neben meiner Bestellung beim Universum (kennt einer H.P.Kerkelings „Ich bin dann mal weg“?) hat es mich vor Krämpfen bewahrt.
Dann nehmen wir mal die zweite der nicht mehr gleichgroßen Hälften in Angriff. Alles Paletti, es kann losgehen. Es wird spannend, wie wird es nach 45km? Mein nächstens Ziel sind die 54,7km m Grenzadler, der Entscheidungsstelle über Aussteigen oder Weitermachen.
Angenehm ist jedenfalls die häufige Frequenz der Verpflegungsstellen, immer eine kleine Etappe geschafft und das nächste Nahziel in Reichweite.
Nach der Neuen Ausspanne (40,8km) ging es richtig hoch auf die Schmalkalder Loibe (860 Höhenmeter). Das war echt ein heftiger Anstieg, den ich zunächst noch mit dem Futter und den Getränken beschäftigt, hochwanderte. Dann ging es wieder leicht bergab. Inzwischen war der Marathon geschafft und es kamen ja nur noch 30km bis zum Ziel.

Der Weg nach dem Marathon

Am Gustav-Freitag-Stein wurde schnell was getrunken und weiter ging’s. Und dann ging es auch schon bergab zum Grenzadler (54,7km/820m). Hier war großes Tamtam und das Ziel der Wanderer. Zelte, Masseure, jegliche Art von Speis und Trank, Musik (aber kein Tanz)...
Ich bin NICHT ausgestiegen. Das war auch nie meine Absicht und es lief ja GUT! Keine Blasen, keine Krämpfe, keine harten Muskeln (außer im linken Bizeps!!), mental noch gut motiviert und ich hatte meinen energieoptimalen Rhythmus bei ca. 8km/h gefunden, die Beine liefen und liefen. Unterhaltsam war’s ja auch mit den vielen netten Läufern, also, auf, auf.
Die 18km schaffe ich doch, das ist ja nicht mal ein Halber!
Inzwischen waren 6:34h vergangen, sogar eine Zeit unter 9h war noch möglich!

Bergauf und Bergab, der dritte Teil


Aber erst mal waren noch 6km anstrengendes Profil bergauf zu laufen, bis auf den Großen Beerberg, dem höchsten Punkt der Strecke. Von da an geht es nur noch bergab (weitestgehend). Zunächst ging es über einen Hügel und eine Brücke zum Rondell (56,8km/800m), wo es wieder Getränke gab. Ich blieb inzwischen bei Wasser, geschüttelt – nicht gerührt.

















Rondell                                                                                                            etwa km 61

Dann kam der Anstieg auf den Beerberg. Kurz vor dem Gipfel konnten wir uns an der Suhler Ausspanne bei km 60,2/910 m noch einmal mit Getränken stärken, ehe wir den letzten Anstieg nahmen. Die 974m höchster Punkt waren kurz danach erreicht. Dieser Punkt war bis auf das Schild aber eher unspektakulär, kein Panorama oder so. Wo ist Blänkners Aussicht?
Ich sehe auf die Uhr  und liebäugele weiter mit den 9 Stunden...
Von da an ging’s bergab. Und wie es bergab ging! Das tat meine armen Oberschenkeln nun aber doch weh, die wurden langsam aber sicher fest. Bergab ist eh nicht so mein Ding, das geht ganz schön an die Substanz, zumal wenn die Kräfte nachlassen und das mit dem Abfedern nicht mehr so klappt...
Ich sehnte jetzt allmählich das Ziel herbei. Obwohl, dass ich überhaupt so weit kommt ohne größere Probleme, habe ich mir anfänglich nicht wirklich vorstellen können. Also, wer weiß, was noch möglich ist?
Nach der Schmücke (64km) ging es von 910m auf 810m runter und zuvor gab es jedoch noch mal was zu essen. Darauf habe ich erstmalig nicht mehr zugegriffen – aber ich hatte ja noch mein Powergel für die letzten Meter.
Das sollte an der letzten Getränkestelle für den Endspurt sorgen.
Bis zum Kreuzwegegetränkepunkt (km 68,2/810m) wurde es vorübergehend nochmals etwas flacher und nun kam die Wunderwaffe nebst Wasser (2 Becher) zum Einsatz.

Ziel, ich komme!

Das letzte Stück, es waren so 8:10 h vergangen und immer noch die 9h in Reichweite. Liebes Universum, lass jetzt bloß nichts mehr passieren! Es kam ein sehr steiles Stück (auahaua, meine Beine), da hieß es Zähne zusammenbeißen! Auf der anschließenden flacheren Strecke begann das Gel seine Wirkung zu entfalten, es lief wieder flüssiger. Wo war der verdammt km 70? Das muss so an dem Lift gewesen sein – aber das Schild war nicht da.
Man sah nun langsam die ersten Häuser – zu hören wie beim Marathon ist nichts. Andere Windrichtung. Ich lief an der Waldkante entlang, es zog sich hin...
Dann endlich, Kilometer 71!! 710 Höhenmeter. Jetzt war es nicht mehr weit und die Zeit: 8:43h. Also, flinke Füße und Powerriegel, hilf!
Jetzt noch einen Bogen passieren, für die letzten 700m wurde ich nochmals angefeuert. Das Ziel kam in Hörweite, dann in Sichtweite Ich hatte plötzlich wieder eine Kraft, unglaublich. Ich flog geradezu ins Ziel! Plötzlich konnte ich meine Mütze schwenken und jubeln und lachen und ich hatte eine Riesenkloß im Hals, ich schluchzte und lachte und heulte zugleich. Die totale  Endorphinüberschwemmung.
An der Seite stand Ecki (der hat es doch tatsächlich mit nur 600 Trainingskilometern auf Anhieb in 7:30 h geschafft, grandios) und winkte und ich winkte zurück, die Daumen und Mundwinkel oben. Bei 8:55 h blieb für mich die Zeit stehen. Achtstundenfünfundfünfzigminuten – Wahnsinn. So lange am Stück gelaufen und 72km geschafft, ich war Happy.







        
                                                  







     
Zieleinlauf                                                                                                              meine Mitläufer, hier etwa km 11

Im Ziel trafen kurz nach mir 3 Mitläufer ein, der kahle Mann im roten Hemd und zwei andere, die seit km 7 dauernd um mich rum waren. Wir haben uns abgeklatscht, dann fiel ich Ecki um den Hals.






Tja, was soll ich sagen – es stimmte alles, was ich bisher über den Supermarathon hörte: er ist hart, ein herrlicher Landschaftslauf, er ist nicht schlimmer als der Marathon - nur länger, und Supermarathonis sind die Größten.
Das Virus hat mich infiziert.










Jetzt kommt die Party!!
















Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren: