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zieleinlauf001.jpgAufs Ganze?  Aufs Ganze!  Mein ganz persönliches Resümee

Im Oktober 2006 – kurz nach der Meldeeröffnung zum 35. Rennsteiglauf – habe ich mir genau diese Frage gestellt: Sollte ich  (48 Jahre und nicht mit der idealen Läuferfigur versehen) den Versuch wagen, den Rennsteigmarathon zu absolvieren? Kann ich – als ganz normaler Mensch, der erst seit 2 Jahre läuft- so etwas schaffen?  Bisher kamen Marathonläufer für mich irgendwie von einem anderen Stern.... Immerhin hatte ich ja eigentlich schon eine sehenswerte Karriere als „Couchpotatoe“ hinter mir. Meine sportlichen Interessen beschränkten sich auf die Sportübetragungen im Fernsehen.  Nur einmal hat mich meine absolute Unsportlichkeit ziemlich gewurmt – als meine Kollegen gemeinsam beim Corporate Chase Challenge Lauf – dem größten Firmenlauf  Deutschlands -  in Frankfurt antraten und gemeinsam 5,6km  liefen. Unvorstellbar für mich, so etwas zu schaffen. Um wenigstens dabeisein zu können, habe ich mich als „Gepäckträger“ engagieren zu lassen und habe meinen Kollegen die Sporttaschen vom Start zum Ziel getragen – nicht ohne Zwischenstopp in einem kleinen Weinlokal. Wir hatten auch unseren Spass. Trotzdem hatte ich so ein ganz klein wenig ein schlechtes Gewissen, als unsere laufenden Kollegen im Ziel eintrafen. Ob ich es vielleicht doch mal versuche....???????????  Irgendwie hielt dieser Vorsatz nicht so wirklich lange an, und so kam es, daß ich im nächsten Jahr ziemlich froh war,  daß der Firmenlauf ausgerechnet in die Zeit meines Urlaubes fiel. (was meine schlechtes Gewissen aber nicht unbedingt beruhigt hat) So habe ich  nach dem Urlaub wenigstens beschlossen, mich im Fitnessstudio anzumelden – man kanns ja mal probieren! An einen meiner ersten Tage dort habe ich dann ziemlich ehrfurchtsvoll eine nicht gerade schlanke Dame beobachtet, wie sie 1 Stunde (eine ganze lange Stunde!!!) auf dem Crosstrainer gelaufen ist. Wie schafft die das?  Das schaffe ich nie! Aber ganz blamieren wollte ich mich auch nicht und hab`s dann wenigstens versucht.... So kam ich auf den Crosstrainer und habe plötzlich gemerkt, daß das gar nicht so schlimm ist. Und es hat auch gar nicht so lange gedauert, bis ich da eine ganze Sunde geschafft habe. Am faszinierendsten fand ich die Anzeiger der verbrauchten Kalorien und im Geiste habe ich mir schon vorgestellt, was ich mir so als Äquivalent mal genehmigen könnte... Immerhin habe ich Zeit meines Lebens immer mit meinem Gewicht gekämpft! Irgendwann hat mich unser Trainer mal von der Trainingsfläche eingesammelt und mit zum Spinning genommen. Mein Glück war eigentlich nur die Tatsache, daß ich schlecht nein sagen kann. Von alleine wäre ich nie auf die Idee zu kommen, mich auf ein Spinningrad zu setzen.  Ich habe die erste Stunde überstanden, bin ohne Unterbrechung gefahren und es hat riesen Spass gemacht! Seit dem war ich Stammgast beim Spinning – 2x wöchentlich und es entwickelte sich so eine Art Ehrgeiz,  den Widerstand immer mehr zu erhöhen. Und irgendwann kam dann wieder der Gedanke an den Firmenlauf. Ob ich es doch mal probiere, die 5,6km zu schaffen? Nach Crosstrainer und Spinning ist es vielleicht doch nicht mehr ganz so schwer? Da steht auch ein Laufband im Fitnessstudio!  Das hat immerhin den Vorteil, daß man jederzeit „zu Hause“ ist, wenn  man nicht mehr kann und man blamiert sich nicht, weil eigentlich keiner mitkriegt, wenn man „aufgibt“.  Und es hat noch einen Vorteil: Man sieht genau, wie weit man gelaufen ist. Also, lange Rede kurzer Sinn: Nach vielem Zögern und jeder Menge (heute weiß ich: unbegründeter) Angst, habe ich mich auf eben dieses Laufband gestellt und bin so lange darauf  rumgelaufen, bis ich irgendwann einmal 5,6km (=Länge des Firmenlaufes  ) am Stück geschafft habe. Von diesem Moment habe ich gewußt: Du schaffst das, Du schaffst diesen Lauf, Du brauchst nicht mehr den Gepäckträger zu spielen! Und wenige Wochen später habe ich es dann auch tatsächlich geschafft! Ich bin mit einer solchen Euphorie ins Ziel gekommen, daß ich wußte: Das ist mein Sport – das werde ich auch in Zukunft nicht wieder aufgeben. So kam es, daß ich im gleichen Jahr auch noch 10km am Stück geschafft habe – bei einem kleinen Laufwettbewerb. Ich  bin zwar so ziemlich als Letzte ins Ziel gekommen, aber das war mir egal. An diesem Tag entstand der Wunsch, herauszufinden, zu was ein ein so – jahrelang unsportlicher Mensch wie ich - mit 48 Jahren noch leisten kann. Vielleicht so gar einen Halbmarathon?  Oder gar ein Ganzer? „Mutig“ und voller Selbstvertrauen meldete ich mich für den ein halbes Jahr später stattfinden 34. Rennsteiglauf - Marathon an. Als Thüringer kannte ich diesen Lauf und wußte, daß man viel Zeit bis zum Zielschluß hat – was mir bei meinen doch recht langsamen Lauftempo sehr entgegen kam. Alles andere erschien mir nach wie vor nicht schaffbar. Also begann ich ich regelmäßig zu trainieren und habe meine Trainingsläufe immer weiter ausgedehnt – bis irgendwann die Knie gestreikt haben und ich kaum noch ohne Schmerzen laufen konnten. Wollte ich zuviel auf einmal? Hatte ich die falschen Schuhe? Weil ich meinen Wunsch nach der Teilnahme am Rennsteiglauf nicht aufgeben wollte, habe ich mich dann schweren Herzens entschlossen, doch erstmal den Halben zu laufen. Ich glaube, ich bin nach diesem 21km im absoluten Endorphinrausch ins Ziel gelaufen, ich war so happy, daß ich es – sogar ohne Gehpausen- geschafft hatte und auch die Knie durchgehalten haben. An diesem Tag habe ich aber auch die vielen Marathonläufer im Ziel bewundert und es kamen wieder die Zweifel auf, ob ich das schaffen kann.....
Ohne es mir zu diesem Zeitpunkt selbst eingestehen zu wollen, war mir eigentlich klar, daß ich wenigstens 1x im Leben einen Marathon laufen will. Es war auch schon klar, daß es dann der Rennsteiglauf sein wird. Mir war aber auch klar, daß ich das nicht ohne professionelle Hilfe schaffen würde. Nach mehren vergeblichen Versuchen, Lauftreffs zu finden, die z.B. auch Läufe im ganz langsamen Bereich machen und bei denen man sich nicht schämen muß, wenn man keine Spitzenzeiten läuft, bin ich irgendwann auf der Website der Aktion Auf`s Ganze gelandet und war begeistert. Die komplexe Herangehensweise hat mich beeindruckt und ich hatte sofort das Gefühl, daß ich hier Unterstützung bekomme – auch wenn von mir keine Spitzenzeiten erwartet werden können. So beschloß ich, mich an dieser Aktion zu beteiligen, um nach meinen Halbmarathon 2006 ein Jahr später einen Ganzen zu schaffen und gesund und lächelnd nach 43,5km ins Ziel zu laufen.
Um das gesund zu schaffen, habe ich mich vorher untersuchen lassen. Ich denke, daß ist wichtig, gerade, wenn man schon 48 Jahre ist.(aber nicht nur dann) Die im Rahmen der Aktion auf `s  Ganze angebotene Untersuchung ist finanziell überschaubar und  ich würde jedem, der sich dieser Herausforderung stellt, empfehlen, diese Untersuchung machen zu lassen. Und auch meine  Knieprobleme waren mit den richtigen Laufschuhen  beseitigt.
Der 2. Schritt war die Frage, wie ich es schaffe, überhaupt und dann noch lächelnd ins Ziel zu kommen. Also habe ich mir erstmal auf vielen Internetseiten ganz viele Trainigspläne runtergeladen – ebenso viele Varianten lagen dann auf meinen Tisch und ich als Laie sollte dann entscheiden, nach welchen ich trainiere? ( Heute weiß ich, daß ich wahrscheinlich bei fast keinen lächelnd ins Ziel gekommen wäre, weil ich wohl schon vor dem Marathon platt gewesen wäre)
Also habe ich mich entschlossen, mir von Martin vom Laufladen Erfurt im Rahmen der Aktion Auf`s Ganze einen auf meine Möglichkeiten zugeschnittenen persönlichen Trainingsplan erstellen zu lassen. Und der sah ganz anders aus, als alle Pläne, die ich mir runtergeladen hatte. Er war genau auf mein Ziel – gesund ankommen- zugeschnitten. Nach diesem Plan habe ich dann im Dezember – also ein halbes Jahr vor dem Rennsteiglauf – begonnen, zu trainieren.  Manchmal erschien es mir viel zu wenig, was ich mache oder ich hatte das Gefühl, viel zu langsam in dem mir vorgegebenen Pulsbereich zu trainieren. Aber ich habe Martin vertraut – er ist ausgebildeter Trainer und er weiß genau, was er in den Trainingsplan schreibt – auch wenn ich - zumindestens am Anfang- nicht alles verstanden habe. So konnte ich zum Beispiel nicht verstehen, wie man seine Geschwindigkeit verbessern kann, wenn man immer im untersten Pulsbereich trainiert. Aber Martin hat mir jederzeit meine Fragen beantwortet und ggf. meine Bedenken zerstreut. Heute bin ich happy, wenn ich mit ebendiesen Puls schon um Einiges schneller bin, als noch vor einem Jahr.
 Ja und dann war es bald soweit und die gemeinsamen langen Trainingsläufe standen auf dem Plan... Jetzt ging es mit  bis zu 32km in die höheren Umfänge, die für mich – jeder einzeln gesehen – eine neue Herausforderung waren. Natürlich beschäftigte mich am meisten die Frage, ob ich überhaupt teilnehme. Die Angst, allein hinterher zulaufen, war allgegenwärtig und ich wollte auch nicht, daß andere aus Rücksicht auf mich extra langsam laufen sollten. Aber Frank und Martin vom Laufladen haben mir diese Angst genommen, so daß ich mich auf die letzten Trainingsläufe bedingungslos freuen konnte. Ich wußte, hier bin ich gut aufgehoben und hier macht es Spass zu laufen. Die Trainingsläufe waren super organisiert und es herrschte eine gute Stimmung. Und damit stieg auch die Vorfreude auf das eigentliche Ereignis ... der Rennsteigmarathon!
Aber vorher mußte ich noch die letzten beiden Wochen vor dem Marathon überstehen – aber eigentlich war das für meinen Mann und meine Freunde eine noch viel schlimmere Zeit. Ich glaube, ich bin mit meiner Vorfreude, aber auch mit meinen Zweifeln und der Angst, ich könnte kurz vorher noch krank werden, meiner Umwelt ziemlich auf die Nerven gegangen....
Aber ich habe zu diesem Zeitpunkt nicht einen Moment mehr daran gezweifelt, daß ich es nicht schaffen könnte. Notfalls wäre ich gehend ins Ziel gekommen, aber angekommen wäre ich auf jeden Fall.
Mein persönliches Ziel war aber mittlerweile nicht mehr nur anzukommen, sondern gemeinsam mit Frank nach 5h30min. Gemeinsam mit ihm und Martel bin ich bei fast allen Trainingsläufen gelaufen und angekommen. Vielleicht klappt das auch beim Marathon?
Nach einer schlaflosen Nacht war es am 19.Mai 2007 dann endlich soweit. Was ging mir da nicht alles durch den Kopf – man könnte ja verschlafen, im Stau  stecken oder die anderen „Auf `s Ganze“- Läufer am Start nicht finden oder......
Es gab aber keines dieser Horrorszenarien und so kam es, daß auch ich pünktlich um 9.ooUhr meinem ersten Marthon startete. Ich hatte ein gutes Gefühl und war sehr froh, mich nicht allein dieser Herausforderung stellen zu müssen. Frank hat es hervorragend verstanden, uns unterwegs immer wieder auzumuntern und zu motivieren, so daß ich es zumindestens bis kurz nach Neustadt geschafft habe, in der 5:30er Gruppe zu bleiben. Aber nach km 30 hat mich das getroffen, wovor ich mich immer insgeheim gefürchtet hatte: Ich bekam heftige Muskelkrämpfe und mußte abreissen lassen. In diesem Moment habe ich gedacht, daß alles aus ist und ich wirklich aufgeben muß. Es war mir nicht mal mehr möglich, zu gehen, geschweige denn zu laufen. (Das war ja mein Notfallplan, wenn es nicht anders geht, ins Ziel zu gehen) Aber irgendwann liessen die Krämpfe nach und ich konnte zumindestens wieder – wenn auch langsam-gehen. Meine Zielzeit hatte ich aufgegeben, aber nicht das Ankommen. Jetzt kam wirklich der Moment, an dem es galt, die Zähne zusammen zu beißen und den „Mann mit dem Hammer“ zu besiegen. Aber auch jetzt war ich nicht allein – Martel und Brigitte, mit denen ich die Trainingsläufe zusammen gelaufen bin, haben mich eingeholt und so aufgebaut, daß ich mich sogar getraut habe, wieder zu laufen – und es ging! Die Krämpfe kamen bis zum Schluß nicht wieder, wir haben gemeinsam den letzten Schlußanstieg geschafft und sind lächelnd ins Ziel gelaufen! Die Zeit war mir jetzt so egal – wichtig war nur noch: Ich hab´s geschafft! Ich bin einen Marathon gelaufen! Ich hab`s tatsächlich geschafft! Ich weiß nicht mehr, was mir in diesem Moment so alles durch den Kopf schoß: Ich war einfach nur glücklich und Martin, Frank, seinem ganzen Laufladenteam, Martina und Brigitte  so unendlich dankbar. Mir ist etwas gelungen, von dem ich noch vor kurzem niemals  zu träumen gewagt hätte...
Aber Marathon – Laufen ist noch mehr als das Glücksgefühl am Ziel: Ich habe unendlich viel Selbstvertrauen und ein völlig neues Lebensgefühl bekommen, was sich nicht nur aufs Laufen  auswirkt sondern sich in jedem Lebensbereich positiv bemerkbar macht. Nicht zuletzt habe ich viele Gleichgesinnte kennengelernt und neue Freunde gewonnen.
Ein Leben als Couchpotatoe? Nicht mehr denkbar! Von vielen meiner Bekannten höre ich immer wieder: Das ist nichts für mich, das würde ich nie schaffen, ich kann nicht laufen usw. usf.  Diese Argumente kommen mir bekannt vor – es waren meine eigenen ....