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Veröffentlicht von Petra

Noch einmal wollte ich in diesem Jahr einen Halb - oder ganzen Marathon laufen. Nachdem ich kurzzeitig zwischen Troisdorf und dem Zeiler Wald geschwankt hatte, entschied ich mich doch für den landschaftlich wunderschönen Lauf im Zeiler Wald. Ein anspruchsvoller Rundkurs erwartete mich, der 1 bzw. 2x durchlaufen werden mußte. Insgesamt mußte eine Höhendifferenz pro Runde von 420m überwunden werden.

Da mein Mann - ständiger Begleiter und "Privatcoach" - mich leider nicht begleiten konnte mußte ich diesmal ganz allein nach Zeil am Main fahren. Das war zwar sehr schade, aber ich freute mich trotzdem auf den Lauf und wollte ihn einfach nur genießen.

Die Abholung der Startunterlagen verlief etwas hektisch. Keiner wußte so genau, wo der Bus zum Start abfuhr und wie es so genau abläuft hier... Gut, daß ich rechtzeitig hier war. Und trotzdem wurde die Zeit bis zum Start noch knapp. Etwas gestresst stand ich dann 1 Minute vor 10:00Uhr an der Starlinie.

  Da wir aber noch auf den letzten Läuferbus warten mußten, verzögerte sich alles ein wenig. Aber nach etwa 5 Minuten ging es endlich los. Und wie es los ging! Gleich auf den ersten 2 1/2 Kilometern mußten etwa 150 Höhenmeter überwunden werden. Ich fühlte mich aber frisch und voller Tatendrang, so daß mir dieser Berg nichts ausmachte. Im Gegenteil - so kam ich wenigstens nicht in Versuchung zu schnell loszulaufen.

Um mich herum waren lauter gutgelaunte Läufer. Viele waren hier, um einfach nochmal einen schönen Naturmarathon zu genießen.

Ich hatte mich noch nicht entschieden, ob ich die Runde ein - oder zweimal durchlaufen wollte. Das wollte ich unterwegs entscheiden - je nachdem, wie es mir ging. Das hätte ich vielleicht nicht tun sollen - denn schon nach wenigen Kilometern begann das "Kopfkino". Mir tat das linke Schienbein weh. Auweia, sagte ich mir - da ist aber deifinitiv nach einer Runde Schluß. Nur wenig später waren die Schmerzen wie weggeblasen.

Als ich mich den letzten großen Berg der ersten Runde hochquälte, entschied ich so für mich, nach der ersten Runde doch aufzuhören und noch ein paar Runden im Hallenbad zu schwimmen und zu relaxen... Oder sollte ich doch weiterlaufen? Eienerseits war es ein verlockender Gedanke, aber andererseits....

Irgendwann verlor ich unterwegs einen meiner Handschuhe. Vielleicht war das Grund, mich auf die 2. Runde zu begeben?

Sei es wie es sei.  Kurz vor Kilometer 21 trennte sich der Weg. Nach links für die, die weiterlaufen und nach rechts für die, die ins Ziel laufen wollen.

In genau diesem Moment gab es kein Zögern mehr für mich. Ich lief einfach nach links - wohlwissend, daß ich nochmal 21km und 420Höhenmeter vor mir hatte - -und: Ich freute mich darauf!

Allerdings hatte ich keine Lust, den mir verbliebenen Handschuh über die Runde zu tragen. Ich legte ihn also auf einen Stein - in der Hoffnung, ihn später genauso wie das dazugehörige Stück unterwegs wieder zufinden...

Ein zweites mal lief ich nun den Berg hinauf. Diesmal war es schon schwerer, aber irgendwann hatte ich es geschafft. "Wo es hinauf geht, geht es auch wieder hinunter"  stand auf einem der zahlreichen Plakate am Wegesrand. Jeds Einzelne zauberte in mir ein Lächeln hervor. Als es steil berghoch ging, kamen Sprüche wie "Ich bin der Berg. Los, pack mich!" oder "Keine Gnade für die Wade" - als es bergab ging waren die Sprüche alle mit einem Smilie versehen. Leider kann ich mich nicht an alle Sprüch erinnern - aber einer gefiel mir besonders gut: Sinngemäß stand auf dem Plakat: Egal ob Laufen oder Walken - hauptsache Bewegen und Genießen! Und genau das wollte ich heute tun.

Dieser herrliche Wald hier! Es war ein Hochgenuß für Körper und Seele, hier zu laufen. Wieder kam ein Schild: "Lächle und gleich geht es besser" war da zu lesen. Ich lächelte und gleich ging es mir besser. In genau diesem Moment durchbrach die Sonne erstmalig die dicken Nebelschwaden und schimmerte durch die Bäume. Das Laub raschelte unter meinen Füßen - ich genoß jeden Meter und fragte mich immer wieder, wieso ich überhaupt die Idee hatte, vielleicht nur eine Runde laufen zu wollen...

Diese zweite Runde war für mich die Schönste überhaupt. Klar wurden die Beine etwas schwerer - aber die Kilometer flogen einfach so dahin. Kaum hatte ich ein Kilomterschild passiert, war auch schon das nächste da. Nur wenige Male bin ich kurz gegangen - als es doch ein bisserl zu steil wurde.

Mein Handschuh fand ich leider nicht - vielleicht hatte ihn ja jemand gefunden und "eingesammelt"

Ab und zumal schaute ich auf die Uhr - immer noch war eine Zeit unter 5 Stunden für mich drin. Das wäre der blanke Wahnsinn! Noch nie habe ich es bei einem solchen Profil geschafft, auch nur ansatzweise in diese Region zukommen. In mir erwachte plötzlich der Ehrgeiz - der mich immer mehr beflügelte. Ich rannte auf den letzten Kilometern so schnell ich konnte. Ich war über mich selbst erstaunt, zu was meine Beine da noch in der Lage waren.

Den letzten Kilometer ging es bergab. Jetzt lies ich es einfach nur noch rollen - meine Beine liefen von ganz allein. Irgendwie hatte ich mich in einen richtigen Rausch reingelaufen. Nach 4:48:23 überlief ich mit einem glücklichen Lächeln das Ziel. Ich war sowas von happy! Das ich sowas mal schaffen könnte, habe ich nie für möglich gehalten. Ich habe ja nichtmal zielgerichtet dafür trainiert - ich bin einfach nur gelaufen, und zwar täglich...

 

So langsam konnte ich mich wieder fassen und ich ging ins Zelt um meine Sachen zu holen. Meine Handschuhe hatte ich gedanklich abgeschrieben - ich hatte ja notfalls noch ein zweites Paar vom "Kaffeeröster" dabei. Im Zelt fragte mich ein Läufer - ob das mein Handschuh wäre. Erstaunt blickte ich mich um - direkt unter meiner Tasche lag da so ein "Kaffeeröster" - Exemplar, das mir vermutlich aus der Tasche gefallen war. Verwundert ob meiner "Schusseligkeit"  steckte ich es schnell ein...

Nach einer wohltuenden Dusche und einem Berg Nudeln fuhr ich überglücklich nach Hause. Als ich zu Hause meine Tasche auspackte, hielt ich auf einmal 3 Stück "Kaffeeröster"- Handschuhe in der Hand - zwei Linke und einen Rechten.

Vermutlich werde ich nie herausfinden, wer dieses Zeil jetzt sucht...

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Täglichläufer 11/26/2011 12:40

Das glaube ich Dir sofort. Nichts gegen Nachtläufe oder Läufe im Dunkeln - sie besitzen ihren ganz eigenen Reiz, den man nur lieben kann. Aber Läufe bei Tag sind eben doch "anders". Genieße sie!
Ich wünsche Dir ein wunderbares Wochenende, liebe Grüße Marcus

Petra 11/25/2011 21:33


Vielen, vielen Dank, lieber Marcus! Nun ist schon wieder eine Woche vergangen - die Zeit rennt wirklich...


Ich freue mich riesig aufs Wochenende - und auf wunderbare Läufe bei Tageslicht! ;)


Viele liebe Grüße und auch für dich ein wunderbares Wochenende!


Petra

Täglichläufer 11/20/2011 18:09

Immer diese Höhenmeter! Die machen das Laufen viel zu anstrengend. ;)Wenn auch verspätet, so gratuliere ich Dir, liebe Petra. Wobei das nun auch schon wieder ein paar Tage her ist - die Zeit rennt
eben. Sogar täglich. Ich wünsche Dir eine angenehme, schöne neue Woche, liebe Grüße Marcus

Petra 11/14/2011 21:15



Danke, liebe Ika! Ich freue mich, daß dir mein Bericht gefallen hat!


Auch dir ein ganz herzliches Dankeschön, lieber Frank! Ich hoffe auch ganz sehr, daß wir nächstes Jahr zusammen im Harz laufen werden. Bis jetzt síeht es gut aus!


Vielen Dank, liebe Kornelia, für deine Glückwünsche. Es scheint uns wirklich ähnlich ergangen zu sein. Und dabei
ist es egal, wie weit jeder von uns gelaufen ist....


Ich wünsche euch allen eine tolle Woche!


Viele liebe Grüße


Petra



Kornelia 11/14/2011 16:57



Liebe Petra,


herzlichen Glückwunsch zum wieder einmal erfolgreichen Marathon-Finish. Dir scheint es bei diesem Lauf ja ähnlich ergangen zu sein, wie mir am WE. Allerdings bist Du viel, viel weiter gelaufen.
Schön, dass es immer wieder so gut läuft bei Dir.


Liebe Grüße


Kornelia