Saturday, 16. october 2010 6 16 /10 /Okt. /2010 13:26
- Community: Sport
veröffentlicht in: Laufen und Geniessen

Es ist Samstag morgen. Ich habe frei. Schon mit dem Gedanken an meinen Lauf wache ich auf. Ich denke an den Film Sister Act 2. Dort sagte Whoopi Goldberg als Schwester Marie Clarance zu einer ihrer Schülerinnen:

"Wenn du in der Nacht vom Singen träumst, am Morgen aufwachst und an nichts anderes denkst als ans Singen - dann bist du eine Sängerin".

Trifft das nicht irgendwie auch auf das Laufen zu? Ich schlafe ein mit dem Gedanken an den neuen Tag, an meinen Lauf und die Vorfreude darauf.

Heute wollte ich in den  2km entfernten Nachbarort laufen, weil ich dort etwas zu erledigen hatte. Allerdings sollten es nicht wirklich nur 2km werden, etwas weiter durfte es schon sein.

Also nahm ich die erste Abzweigung in die falsche Richtung. Kurz darauf verlies ich den Weg an der Nidda und lief hinein in die herbstliche Wetterau. War das schön hier! Überall bunte Blätter, glasklare Luft und aus den sanften Hügeln eine wunderschöne Fernsicht weithin ins Land.

Die Wege über die Felder waren bereits vom Regen aufgeweicht, die Erntefahrzeuge hatten ihre tiefe Spuren hinterlassen. Bereits nach wenigen Kilometern war das restliche Weis auf meinen Laufschuhen einer dicken Schlammschicht gewichen und meine Waden konnte man vor lauter Schlamm kaum noch erkennen. Die Schuhe wurden immer schwerer, so daß ich eine Zwangspause einlegen mußte, um wenigstens den groben Dreck abzumachen.

Aber all das störte mich überhaupt nicht. Wieder hatte ich die Möglichkeit zu wählen: direkter Weg oder noch eine Schleife einbauen?

Ich entschied mich für die Schleife. Direkter Weg ist doch öde...

Vorbei am Nonnenhof ging es wieder zur Nidda. Hier war wenigstens der Weg schlammfrei. Die Luft war so klar, daß ich jetzt  bis nach Frankfurt blicken und die Skyline bewundern konnte. Ich lief also in Richtung Frankfurt - immer noch in die entgegengesetzte Richtung meines eigentlichen Ziels.

Die nächste Abzweigung aber mußte ich nehmen, eine weitere Schleife würde mich doch zu weit wegführen.

Mittlerweile schoben sich die Wolken über mir bedrohlich zusammen. Die Sonne war verschwunden. Aber egal, ein paar Regentropfen schaden nicht - im Gegenteil, es war schön, die Tropfen im Gesicht zu spüren.

Nun mußte ich nochmal ein paar Hügel "erklimmen".  Es ist ein genußvolles Laufen hier, schön und abwechslungsreich. Mittlerweile laufe ich ganz von allein, meine Gedanken schweifen ganz weit weg. So merke ich fast gar nicht, daß ich plötzlich vor meinem Ziel stehe und 16km in den Beinen habe: Glücklich, zufrieden  und voller Endorphine!

von Petra
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