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Veröffentlicht von Petra

Seit 4 Jahren verbringe ich das erste Wochenende im Juli in Fröttstädt. Der Thüringen Ultra übt eine Faszination aus, der man (oder Frau) sich nur sehr schwer entziehen kann.

Nach meiner ersten Teilnahme in einer 4x25km Staffel und einem Jahr später in einer 2x50km Staffel, musste ich im letzten Jahr bei meinem ersten 100km Versuch der Hitze Tribut zollen und nach km 69 das Handtuch werfen. Seitdem trage ich diese offene Rechnung in mir.

Aber in meine diesjährige Laufplanung passte ein 100km Lauf am 2. Juli eigentlich nicht hinein. Deshalb beschloss ich schweren Herzens, wieder in einer 2er Staffel zu laufen und hatte auch mit Ramona eine wunderbare Staffelpartnerin gefunden.

Je näher der TU rückte, umso mehr setzte sich in mir der Wunsch fest, es doch mit den 100km zu versuchen… Als dann Ramona von ihren Fußproblemen berichtete und es für sie schwer bzw. unvernünftig wurde, 50km zu laufen, meldeten wir am Vorabend kurzerhand die Staffel in einen Einzelstart um. Plötzlich hielt ich eine rote Startnummer in der Hand und ich wusste, dass ich am nächsten Tag noch eine Stunde früher aufstehen musste.

Nach dem obligatorischen Nudelessen verabschiedeten wir uns von Ramona und fuhren zu unserer Radbegleiterin Angela und ihren Mann Axel, die uns an diesem Wochenende mit ihrer Gastfreundschaft verwöhnten.  

Wir hatten uns so viel zu erzählen und die Nacht wurde sehr kurz…  2:45Uhr klingelte der Wecker und nach einem kleinen Frühstück fuhr uns Axel zum Start. Dort trafen wir auf viele Freunde und Bekannte. Alle freuten sich auf diesen Lauf.

Am Start

Der Wetter sah nicht unbedingt vielversprechend aus – aber wenigsten würde es keine Hitzeschlacht geben. Im Gegenteil, ich zog sogar ein langes Shirt an.

Punkt 4 ertönte das Startsignal. Ich wollte mich gerade über die Startlinie begeben, da hörte ich, wie meine Startnummer aufgerufen wurde. Ooops – ich hatte in der Aufregung total vergessen, meinen Zeitchip abzuholen… Aber die rührigen Veranstalter standen für solche Schlafmützen wie mich am Start und reichten mir den vergessenen Chip. Nun konnte also auch ich loslaufen.

Es war ein erhebendes Gefühl entlang der brennenden Säulen zu laufen.  100km – ein neuer Versuch!

es ist dunkel...

Neben meiner Radbegleiterin Angela begleitete mich Ramona auf den ersten 24km außer Konkurrenz zu Fuß. So war sie wenigstens nicht ganz umsonst angereist und konnte das Flair dieses wunderschönen Laufes ein wenig mit uns genießen.  An dieser Stelle möchte ich dir, liebe Ramona gute Besserung wünschen – ich drücke die ganz fest die Daumen, das bald alles wieder in Ordnung kommt mit deiner Ferse!

Bis zur Ruhlaer Skihütte, an dem die  Staffeln zum ersten Mal wechseln, verging die Zeit wie im Flug. Wir quatschten über Gott und die Welt, trafen viele Bekannte wie z.B. Stefan mit seiner Laufbegleiterin und  Melanie von den „Runningfreaks“. Wir beide sind uns im Verlauf der Strecke noch ganz oft begegnet, worüber ich mich immer sehr gefreut habe.

 

Nach der Ruhlaer Skihütte lief ich allein weiter – bestens umsorgt von Angela, die mir quasi jeden Wunsch von den Augen ablas. Ich war glücklich, dass ich sie hatte. So brauchte ich mir keine Sorgen machen – weder um ein zusätzliches Getränk, noch eine wärmende Jacke, ein Tempotaschentuch oder was auch immer ich gerade gebraucht habe. Etwa bei km 32 überholte mich Silke, die wieder mit ihrer „Familienstaffel“ unterwegs war und wie ich später erfuhr, eine tollen 2. Platz belegte.

Wir liefen jetzt über den Mommelsteinradweg weiter nach Floh Seligental.  Eine wunderschöne Strecke, die wir beide in vollen Zügen genossen. Immer wieder schweiften meine Blicke nach links und rechts, um die Schönheit des Thüringer Waldes in mir aufzusaugen, den Wald zu „riechen“.

Das Feld hatte sich bereits sehr weit auseinandergezogen, so dass wir manchmal ganz allein waren.

Besonders genieße ich immer wieder dieses wunderschöne Stück hinunter zum Sportplatz nach Floh Seligental – einer ehemaligen und nun stillgelegten Bahnstrecke. Immer wieder stelle ich mir vor, wie schön früher diese Bahnfahrt gewesen sein muss. Durch ein enges Tal, links und rechts Berge, später über eine Brücke, dann ein kleiner Tunnel… Ich liebe diese Strecke und merke gar nicht, wie km für km in meinen Beinen verschwindet.

Floh Seligental

Wir biegen nach links ein zum Sportplatz und ich weiß, dass ich die Hälfte geschafft habe. Es geht mir gut und Angela und ich wir freuen uns, unser Team zu sehn:  Axel, Rainer und Ramona erwarten uns, eine Tasche steht für mich bereit, falls ich Wäsche oder Schuhe wechseln will. Aber ich entschließe mich, alles so zulassen, wie es ist.

Halbzeit

 

Wir stärken uns an der Verpflegungsstelle und schon geht es weiter. Auf den nächsten Kilometern  geht es steil und stetig bergauf. Im letzten Jahr hat mir dieser Aufstieg das Genick gebrochen…

Aber in diesem Jahr war alles anders. Es war nicht so heiß – im Gegenteil, an manchen Stellen fröstelte ich sogar ein wenig. Wir gingen zügig den Berg hinauf. An manchen Stellen konnte ich sogar ohne Probleme laufen und schneller als gedacht, waren wir oben. Nun kam ein ständiges  Auf und Ab – berghoch ging ich und bergab lief ich. Ich weiß nicht mehr genau wann, aber so ungefähr bei km 73 merkte ich zum ersten Mal, dass es mir schwerer fiel, wieder anzulaufen.

Aber das gehört wahrscheinlich dazu – und ein bisschen Kampf darf, kann,  soll, muss sein. In Friedrichroada war wieder ein Treffpunkt ausgemacht. Da mir inzwischen ziemlich kalt war, fuhr Angela vor, um mir eine Jacke zu holen. Auch Ramona kam mir entgegengelaufen und gab mir erst mal ihre Jacke, bis Angela zurück war. Was für ein Team! Ich war den beiden so dankbar!

 

Friedrichroda

 

Aber die Kälte hatte auch einen Vorteil: Ich musste schneller laufen, damit mir wieder warm wurde – und es ging! Der Wille kann Berge versetzen!

Trotzdem war ich sehr froh, als ich endlich meine warme Jacke anhatte.

Noch 21km lagen vor mir -  nur noch ein Halbmarathon! Klingt nicht viel – ist es aber, wenn man schon 79km in den Füßen hat. Nun wurde es von Schritt zu Schritt schwerer, aber ich schaffte es – auch dank Angelas Motivationskünsten und diverser "Kunst" am Wegesrand – immer wieder in den Laufschritt zu verfallen. 

 

km 79

 

 

Der vom Höhenprofil schwierigste Teil lag nun hinter uns. Es ging tendenziell bergab, ich konnte es laufen und Angela rollen lassen. Angela hatte bei diesen Wegverhältnissen  Schwerstarbeit zu leisten. Oft war es matschig und glitschig – für einen Radfahrer war es vermutlich noch schwerer den Berg hochzukommen, als für den Läufer… Umso höher ist Angelas Leistung einzuschätzen.

Kilometer für Kilometer ging es weiter – nun über freies Feld und Wiesen. Eine wunderschöne Strecke und ich konnte sie immer noch genießen. Auch wenn die Beine schwerer und schwerer wurden und ich nun doch die eine oder andere Gehpause einlegen musste.

An der letzten Verpflegungsstelle wurde wir mit Cheerleadern und lauter Musik begrüßt – es war ein erhebendes Gefühl. Nur noch 5 „wönzige“ Kilometerchen war ich von meinem Traum entfern!  Und es war erst 17:30Uhr – das Ziel war bis 22:00Uhr geöffnet. Ich hatte alle Zeit der Welt, um diesen Lauf nach Hause zu bringen.

Angela fuhr nun vor zum Ziel. Sie brachte das Rad zu Axel und zog sich die Laufschuhe an. Den letzten Kilometer wollte ich mit ihr laufen, gemeinsam mit ihr den Zielstrich überqueren. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen.

 

Angela im Ziel

 

Noch 4km, noch 3, noch 2…. Von weitem sah ich Angelas Jacke und jetzt wusste ich: Es ist bald geschafft. Noch ein gemeinsamer Kilometer – Fröttstädt  wir kommen!

In mir stieg eine unbändige Freude auf. Eigentlich wollte ich mir Zeit lassen, aber Angela hat es doch tatsächlich geschafft, mich auf den letzten Metern nochmal zu einer absoluten Höchstleistung und einem Schlussspurt zu motivieren.

Die letzten Meter waren einfach nur noch Freude, Freude, Freude…  Mir kamen die Tränen, ich konnte und wollte sie nicht aufhalten. Im Ziel standen Ramona, Axel und Rainer und freuten sich mit mir.

Geschafft!!!

 

glücklich im Ziel

 

Freude pur 2

 

Ich habe es geschafft – ich bin 100km am Stück gelaufen und habe dafür 14:12:xx gebraucht. Was für eine Zeit! Auch wenn mir diese unwichtig war. Für mich war nur eins wichtig: Ich bin ins Ziel gekommen und ich konnte mich hinterher noch halbwegs kultiviert bewegen. Ich bin an meine Grenze gegangen, ohne diese überschritten zu haben.

Leider war es nun so kalt geworden, dass wir uns schnellstmöglich auf den Heimweg begaben und ich nicht mehr viel von der Atmosphäre mitbekommen habe.

Am nächsten Morgen hat uns Angela ihre Lieblingsstrecke gezeigt – 5 wunderschöne Kilometer in und um Friedrichroda herum. Es ist mir schwer gefallen, loszulaufen, aber nach diesen 5km war mir wieder mal klar,  warum ich eine Täglichläuferin bin.

Wir liesen das Wochenende mit einem tollen, gemütlichen Frühstück ausklingen, bevor wir uns wieder auf den Weg machten.

An dieser Stelle möchte ich all meinen Freunden, ja allen Läufer/innen gratulieren, die  - auf welcher Strecke auch immer – ihr Bestes gegeben haben. Ich möchte mich ganz herzlich bei meiner Radbegleiterin Angela bedanken, bei Ramona für die ersten 24km, bei Axel für seine „Fahrdienste“ und seine Kochkünste, bei meinem Mann Rainer fürs „Dasein“ und das tolle Geschenk im Ziel!

Ein ganz herzliches Dankeschön auch an das Team vom Lauffeuer Fröttstädt  für die tolle Organisation und die Rundum-Betreuung. Was ihr das macht, ist einfach Spitzenklasse!

Weiter Bilder findet ihr hier!

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Täglichläufer 07/12/2011 13:07


Ich hänge mit meiner Antwort ein wenig hinterher, aber was lange währt... ;) Liebe Petra, ich gratuliere Dir herzlich zu dieser grandiosen Leistung und spreche Dir hiermit meinen tiefen Respekt
aus. Wie ich erst bei Steffen schrieb, ich bin eigentlich nicht befugt, hier zu antworten, weil nur jene das wirklich würdigen können, die ähnliches erreicht haben. Von daher, ehrfürchtiges
Schweigen. :) Alles Gute und liebe Grüße, Marcus


Petra 07/13/2011 22:42



Hi liebe Marcus,


du brauchst nicht erhfürchtig zu schweigen... Ich freue mich einfach, dass du dich mit mir freust. Es ist nicht die
Leistung an sich, es ist die Freude, die sich mit einem solchen Lauf verbindet. Wenn ich an diesen Lauf zurückdenke, werde ich immer an einen wunderschönen Naturlauf mit einer wunderbaen
Begleitung denken - an meine Freunde, die an diesen Tag bei mir waren.


Hab vielen Dank für Deinen Kommentar!


Viele liebe Grüße


Petra



Tuemmli 07/08/2011 21:01



Hallo Petra,


 


Glückwunsch das es endlich funktioniert hat bei dir, da können jetzt noch längere Kanten kommen. Nachdem ich dich bei ca. km 20 überholt hab, war ich mir noch nicht sicher ob es nicht etwas zu
kühl und windig für die Hunderter ist, aber du hatest dich bis dahin schon deutlich vom letzten Läufer absetzten können, so das es dieses Jahr bei dir klappen kann.


Bei mir lief es dieses mal wirklich locker(das kühle Wetter finde Ich einfach toll) und endlich hatte ich eine ausgewogene starke Staffel.


P.S. Petra habt ihr noch Fotos von mir vom Vortag?


 


Laufende Grüße


Tümmli 



Petra 07/13/2011 22:26



Hi Tümmli,


erstmal herzlichen Glückwunsch euch beiden zum Sieg in der Männerstaffel! Einfach klasse!


Ich habe ein schönes Foto von euch vom Vorabend - finde aber leider deine Mailadresse nicht mehr. Kannst du mir diese bitte mal zukommen lassen? (über persönliche Nachricht auf overblog)


Ja, bei mir lief der TU super - und die Zeit war für mich fantastisch. Ich hätte noch fast 4 Stunden bis zum Zielschluß  Zeit gehabt, es lief einfach gut. (und das bis zum Schluß)


Viele Grüße


Petra


 



Angela 07/07/2011 21:46



He, der Bericht ist ja da- und ich habe den glatt verschlafen. Diesmal wars nicht Afrika, es war saukalt.  Hast Du dich gut in Oberhof erholt? Ich denke Zermatt kann Dich gar nicht stressen.
In der Zwischenzeit habe ich mich auch wieder aufgewärmt.  In dieser Woche jedenfalls bin ich mit großer Freude gelaufen. Und sehr viel. Also Du siehst- die Motivation war durchaus
gegenseitig. Der Traum ist zwar für mich noch sehr weit weg, diesen Lauf auch mal zu wuppen, aber Marathon klappt ja auch schon. Da schaun mer mal gespannt aufs nächste Jahr. Oder ins
übernächste.


liebe Grüße an Euch zwei von Angela


 



Petra 07/13/2011 22:19



Liebe Angela,


wer weiß - vielleicht laufen wir den TU irgendwann mal zusammen? 2013 vielleicht?


Soviel Freude, die du beim Sport hast - die muß sich einfach auszahlen.


Ich drück dich aus der Ferne und freue mich auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen!


Wir haben uns in Oberhof gut erholt - so richtig schön relaxt, so dass Zermatt auch super lief. Aber da kommt mein Bericht später...


Viele liebe Grüße


Petra



Martin 07/07/2011 09:54



Ausziehen das Finishershirt ????? Nee niemals :-)



Petra 07/13/2011 22:16



Erstmal kriegen... Dann ziehe ich es auch nicht wieder aus!


Liebe Grüße


Petra



Kerstin 07/06/2011 13:32



Hallo Petra, Glückwunsch zu deinem tollen Lauf und gute Erholung. Werd mir doch überlegen nächstes Jahr dort zu starten, dein Bericht liest sich so gut. LG Kerstin



Petra 07/06/2011 18:18



Vielen Dank, liebe Kerstin! Überlege einfach nicht lange - tu es! Dieser Lauf ist es wert!


Viele liebe Grüße


Petra