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Veröffentlicht von Petra

Wow - war das ein gigantisches Ereignis! Mit 10 Läufern, 2 Radfahrern und mehreren Autobegleitern in knapp 16 Stunden über den kompletten Rennsteig zu rennen - das ist schon der blanke Wahnsinn. Das Ganze mal 200 (soviele Staffeln waren dabei) - da kann man sich vorstellen, was auf den engen und kurvenreichen Straßen im Thüringer Wald los war. Von beschaulicher Ruhe war an diesem Tag nicht viel zu spüren und ich glaube, die Bewohner werden froh sein, daß alles wieder vorbei ist...

Aber der Reihe nach.

Bereits am Freitag Abend trafen wir uns mit unserer Startläuferin Nora und Angela, die unsere Staffel, das ForumTeam Rennsteiglauf, bis zum Grenzadler begleiten wollte. Axel hat die beiden quer durch Thüringen gefahren, während Rainer und ich direkt aus Österreich anreisten.

Da Rainer und ich etwas früher da waren, holten wir beide die Startunterlagen ab und suchten einen kleinen Stein aus der Selbitz. Dies ist eine alte Wandertradition. Wanderer, die den kompletten Rennsteig erwandern, nehmen einen Stein mit, um diesen am anderen Ende des Rennsteiges wieder zu versenken.

Das Steinchen

Dieser Tradition folgend würden auch wir - nachdem wir das Steinchen über den ganzen Rennsteig getragen haben, dieses  in Hörschel in die Werra werfen.

Bald kamen nun auch Axel, Nora und Angela.

Der Vorabend

 

Wir machten uns einen schönen Abend, auch wenn wir wußten, das es eine kurze Nacht werden würde. Immerhin starten die Frauen- und die Mixstaffeln bereits 5.00Uhr, während die Männer bis 6.00Uhr Zeit hatten.

Bereits 3:30Uhr quälten wir uns aus dem Bett, genossen ein kleines Frühstück und fuhren zum Start. Noch war es dunkel, aber es würde nicht mehr lang dauern, bis es hell wurde. Sogar die Temperatur war einigermaßen angenehm. Dem Wetterbericht zu Folge hätte ich es viel kälter erwartet.

Kurz vorm Abenteuer

 

Am Start trafen wir bereits viele Bekannte von anderen Staffeln. Die Zeit verging wie im Fluge und pünktlich 5:00Uhr ertönte das Startsignal.

1Start.jpg

 Leider war Nora ein wenig verdeckt, aber unser Rennsteig-Grün war trotzdem nicht zu übersehen.

1Nora-am-start.jpg

Kurz hinter dem Start war bereist die erste Motivation in Kreide auf Asphalt zu lesen:

Motivation

Während Nora unterwegs war und die vielen Höhenmeter hinauf auf den Rennsteig erlief, fuhren wir mit dem Auto nach Grumbach. Wir hatten unser Auto gut positioniert, so daß wir schnell herauskamen.

Vor uns fuhr ein VW, der den Weg offensichtlich kannte und fuhren ihm nach. Hinter uns die Autoschlange wurde immer länger, jedenfalls bis Lobenstein. Dort bog der VW ab - wir hinterher. Ein weiterer Blick in den Rückspiegel verriet mir, daß die Autoschlange hinter uns wohl einen anderen Weg bevorzugt hatte. Na, hoffentlcih wußte der VW Fahrer, was er tat...

Er wußte es und führte uns auf dem kürzesten Weg zur Wechselstelle. Dort oben erwartete uns eine Temperatur, die mich erschauern lies. Boah ey, war das kalt! Sollte ich nun mit oder ohne langes Shirt laufen? Nach einigem Hin und Her entschied ich mich letztendlich doch fürs kurze Shirt und ein Paar Armlinge.

Wir gingen zur Wechselstelle, wo wir gegen 6:50Uhr Nora erwarteten. Aber was war das? Bereits 6:30Uhr bog Angela mit dem Rad um die Ecke und signalisierte uns, daß Nora gleich kommen würde. Wie ein Wiesel muß sie den Berg hochgelaufen sein!

Ich hatte nicht mal mehr Zeit, mich etwas warm zulaufen. Also hieß es: Nora begrüßen, Chip einscannen, Steinchen übernehmen und einen Kaltstart hinlegen!

1Nora-in-Grumbach.jpg

 

Während Nora glücklich im Ziel war, lief ich in Richtung Schildwiese, unserem nächsten Wechselpunkt. Bereits kurz nach meinem Start war Angela bei mir. Es war toll, daß wir eine Radbegleitung hatten. Sie hatte notfalls ein Jacke und auch etwas zu trinken von mir in ihrem Rucksack. Die Jacke allerdings erwies sich sehr schnell als unnötig. Trotz der Kälte war mir sehr schnell sehr warm... Ich wollte es Nora gleich tun und ebenfalls eine gute Zeit für unsere Staffel rauslaufen. Meine geplante Zeit  betrug 2h8min - die wollte ich unbedingt schaffen und vielleicht sogar ein ganz klein wenig unterbieten.

Gleich nach dem Wechsel ging es steil bergab und ich spürte, daß meine Muskeln nicht richtig warm waren. Ich hoffte, daß dieses elendig lange Gefälle endlich aufhören würde. Ja, ich freue mich sogar richtig auf einen Anstieg, der dann auch bald kam. Und was für einer! Aber schließlich sind wir ja auf dem Rennsteig, da gibts nun mal Berge...

Nach dem nächsten Ort liefen wir auf einem Feldweg und ich sah mehr zufällig den Wegweiser, der uns auf einen kleinen Waldweg führte. Vor mir die Läufer liefen aber gerade aus weiter. Ich war ziemlich verunsichert, aber ich entschloß mich doch, dem Schild und nicht den Läufern zu folgen, was sich hinterher auch als richtig erwies. Vor mir lag ein wunderschöner Singletrail. Es ging über Stock und Stein. Die Vöglein begleiteten mich mit ihrem Gesang. Weit und breit kein Läufer zu sehen. Aber Angela war bei mir und bestätigte mir auch, daß wir richtig sind.

Leider kamen dann auch ein paar Wegstücke entlang der Straße, die mir nicht so gut gefielen.

Inzwischen überholten uns die ersten Männerstaffeln und so sahen wir zumindestens einige der späteren Sieger und Platzierten. Aber uns ging es ja ums Dabeisein und darum, unsere Staffel erfolgreich ins Ziel zu bekommen. Auch wenn klar war, daß wir es wohl nicht ohne den Notstart am Grenzadler schaffen würden.

Plötzlich überholte mich ein Läufer, der mir zurief, daß es nur noch 1,5km bis zur Wechselstelle sind. Ich war total überrascht. Damit hatte ich noch gar nicht gerechnet. Angela  fuhr vor, um meine Ankunft anzukündigen.

Die letzten 500m flog ich einfach nur noch, zumindestens hatte ich das Gefühl. Ich übergab Vroni nach genau 2 Stunden den Chip und hatte damit nochmals 8 min von unserer Planzeit rausgeholt. Ich war total glücklich!

Petra beim Start zur 2. Etappe

 

Nun war also Vroni unterwegs und wir fuhren weiter nach Neuhaus. Diesmal fuhr Karsten vor uns, sein Navi zeigte uns den Weg. In Neuhaus mußten wir uns erstmal in einer Tankstelle was zu essen besorgen, da wir alle schon kurz vorm verhungern waren...

Kaum waren wir fertig, klingelte auch schon mein Handy und Angela kündigte Vronis Ankunft an. War sie etwa geflogen?

An der Wechselstelle mußten wir dann aber doch noch einige Minuten warten, bis sie kam. Hier wartete Holger auf seinen Einsatz.

1Holger.jpg

 

Rainer versorgte wie an jeder Wechselstelle unsere Angela, die eine Wahnsinnsleistung auf dem Rad vollbrachte. Hier trifft sie gerade auf ihren 4. Läufer Holger.

1Holger-und-Angela.jpg

 

Kurz nach Angela kam auch schon Vroni um die Ecke und übergab Chip und Steinchen an Holger. Sie hatte nochmals 5min zur Planzeit rausgelaufen. Glücklicher kann eine Lächeln nicht sein, oder?

1Vroni-im-Ziel.jpg

 

Mittlerweile lagen wir fast eine halbe Stunde vor unserem Plan. Ob wir vielleicht doch den Notstart am Grenzadler verhindern konnten? Dort werden alle Staffeln gestartet, die bis 16.00 Uhr noch nicht angekommen sind und die Zeiten werden dann addiert. Vielleicht war das Unmögliche ja doch möglich?

Holger hatte die längste Etappe von uns zu laufen, aber er ist ein guter Läufer, der seine Etappe sicher laufen würde. Sein Etappenziel war die Triniusbaude, wenige Kilometer hinter Masserberg und der berüchtigten Hohle, einem sehr schwer zu laufenden, abschüssigen und mit Wurzeln bestückten Trail.

Diese Hohle kenne ich bisher nur von "oben". Heute standen wir hier unten und warteten auf Holger. Immer wieder fiel mir der Spruch ein: Durch diese hohle Gasse muß er kommen...

Hohle bei Masserberg

Hier an der Triniusbaude trafen wir auf Martin und Jörg, die die nächsten beiden Etappen laufen würden. Martin war kurzfristig zu uns gestoßen um die erkrankte Katrin würdig zu vertreten.

Teffen mit Jörg und Martin an der Triniusbaude

 

Er war sehr aufgeregt und hat sich riesig gefreut, in unserem Team dabei sein zu können.

Auch Holger hatte wiederum einige Minuten herausgelaufen und schickte Martin mit Chip und Steinchen auf den Weg.

Holger im Ziel

Martin am Start

 

Wir fuhren parallel mit dem Auto nach Allzunah, dem nächsten Etappenziel. Unterwegs trafen wir Martin noch einmal und konnten ihm zujubeln. Sein Ziel war es, seine Etappe in 1h45min zu laufen. Wir hatten also wieder ein bischen Zeit, um was zu essen. Aber irgendwie drängelte mich meine innere Uhr nach draussen. Dort trafen wir wieder auf Jörg.

Angela kam schon um die Ecke und wurde von Rainer wieder gut versorgt. Jörg war startklar zur 6. Etappe.

Angela kämpft

 

Wir  trauten unseren Augen kaum, daß Martin schon kam! Er hatte nochmal 22min heraugelaufen! Und er war so glücklich!

Martin im Ziel

 

14.01Uhr haben wir gewechselt und Jörg hat sich verabschiedet mit den Worten: Ich tue alles, um den Notstart zu verhindern! Das bedeutete für ihn, daß er auf seiner schwierigen Etappe richtig Tempo macht, obwohl er erst vor einer Woche in Biel die 100km gelaufen ist. Aber es war schaffbar und eine solche Mannschaftsleistung verleiht bekanntlich Flügel.

Wir fuhren weiter zum Grenzadler um das Team "Notstart" zu begrüßen. Wir freuten uns riesig auf Elke, Jens, Ecki und Sonja zu treffen, die gemeinsam die 4 letzten Etappen bewältigen würden.

Wir waren sehr froh, daß Rainer auch die Autobegleitung an die 4 übergeben konnte, da es doch ziemlich anstrengend war und sich die kurze Nacht langsam bemerkbar machte.

 

Treffen mit der Notstarttruppe am Grenzadler

 

Sicherheitshalber gab ich Elke das "Notsteinchen", wobei ich aber insgeheim immer stärker hoffte, daß wir es nicht brauchen.

Und wir brauchten es tatsächlich nicht! Jörg kam 15:45Uhr nacheiner grandiosen Laufleistung an die Wechselstelle und schickte Elke auf den Weg.

1Jorg-und-Elke.jpg

 

Jens, Ecki und Sonja fuhren nun zur nächsten Wechselstelle. Sie hatten mit  Kalle noch für 2 Etappen eine Radbegleitung.

Auch Jörg und Martin verabschiedeten sich nun. Wir nahmen erstmal unsere Heldin des Tages Angela in Empfang. Sie hatte 6 Läufer auf mehr als 100km bergauf bergab über Stock und Stein begleitet. Das ist eine Riesenleistung, die unseren allerhöchsten Respekt verdient und die unserer Staffel sehr geholfen hat.

 

Angela hats geschafft

 

Für Angela war hier geplanterweise Schluß, auch wenn sie gern noch weiter gefahren wäre.

Nora, Rainer und ich - wir fuhren jetzt ins Ziel nach Hörschel, um gemeinsam mit allen unsere  Schlußläuferin Sonja in Empfang zu nehmen. Bei jedem Wechsel erhielten wir von Elke eine Nachricht, so daß wir immer auf dem Laufenden waren. Wie nicht anders zu erwarten, übertrafen sich Elke, Jens, Ecki und Sonja selbst und liefen ebenfalls hervorragende Zeiten.

Zwischendurch genehmigten wir uns schonmal ein Plastebecher mit Sekt, auch wenn wir noch nicht im Ziel waren.

Gegen 20.30Uhr gingen wir zum Zielbereich- Ecki, Jens und Elke waren inzwischen auch schon eingetroffen, auch Holger und Vroni, Rainer und Karsten waren schon da. Leider konnten Jörg, Martin und Angela abends nicht mehr dabei sein, aber in Gedanken waren sie bei uns.

Warten auf Sonja

 

Kurz vor Sonjas Ankunft fing es plötzlich heftig an zu regnen. Ausgerechnet jetzt! Wir suchten uns ein trockenes Plätzchen und hielten Ausschau nach Sonja.

Warten auf Sonja2

Welch eine Freude, als sie - weit vor der geplanten Zeit - den Zielberg heruntersürmte! Die letzten Meter unserer Staffel legten wir gemeinsam zurück, gemeinsam überquerten wir die Ziellinie und genossen unseren Erfolg. Wir sind im Ziel! Es war einfach nur noch Freude pur.

Wir kommen

 

Sonja verteilte die Medaillen und im strömenden Regen versenkten wir das Steinchen im Wasser.

 

Sonja verteilt Medaillen

 

Stein versenkt

 

Trotz des Regens fanden wir noch die Muße zu einem Gruppenfoto:

 

Te

 

Nach diesem grandiosen Laufereignis kam nun natürlich der Teil 2 - die Party danach, auf der wir wieder richtig gut waren....

Hier noch ein paar Impressionen:

Party3

 

Party4

Party1

Weitere Bilder findet ihr hier.

Kommentiere diesen Post

Petra 06/26/2010 18:25



Vielen Dank, liebe Kornelia!


Du hast recht - ich erlebe durch das Laufen so viel, habe so viele Menschen kennen gelernt und neue Freunde gefunden. Mein Leben ist dadurch um Vieles reicher geworden. Ich wünsche dir ebenfalls
noch viele schöne Lauferlebnisse.


Viele liebe Grüße


Petra



Kornelia 06/26/2010 13:07



Hallo Petra,


vielen Dank für diesen schönen Bericht. Es macht immer wieder Spaß zu lesen, was Du alles so mit Deiner Lauferei erlebst.


Ich wünsche Dir auch weiterhin ganz viel Spaß dabei.


Liebe Grüße


Kornelia



Petra 06/24/2010 21:52



Liebe Marianne,


vielen Dank für deine Glückwünsche! Für diesen Erfolg hat sich die ganze Organisationsarbeit mehr als gelohnt. Mittlerweile machen wie das zum dritten Mal, da haben wir schon ein bischen
Erfahrung. Das macht es schon ein wenig einfacher. Aber aufregend ist es trotzdem jedes mal aufs Neue.


Viele liebe Grüße


Petra



Marianne 06/24/2010 06:41



Was für ein toller Bericht! Herzlichen Glückwunsch dir und deiner Staffel, das habt ihr richtig gut gemacht. Eine gute Organisation scheint jedenfalls viel auszumachen.


Viele liebe Grüße


Marianne



Petra 06/23/2010 23:08



Es ist noch ein ganzes Jahr Zeit - wer weiß, was bis dahin noch alles passiert. Ich warte erst mal ab, bis die Termine feststehen und dann "schaun mer mal!


Liebe Grüße


Petra