Artikel teilen! Regenschlacht in Troisdorf: Seit Tagen verfolge ich den Wetterbericht für Troisdorf. Es entwickelt sich – vom „leicht ...
Seit Tagen verfolge ich den Wetterbericht für Troisdorf. Es entwickelt sich – vom „leichten“ zum „mäßigen“ Regen. Keine Ahnung, was mäßiger Regen im meteorologischen Sinne bedeutet. Für mich bedeutet „mäßig“ halt nicht „übermäßig“… :D Es wird schon nicht so schlimm werden. Von Unwetterwarnungen im Ruhrgebiert bekomme ich schon gar nichts mehr mit. Die hätten mich ohnehin nicht aufhalten können. Ich war mit Stievi verabredet. Gemeinsam fuhren wir in aller Herrgottsfrühe los. Auf den Straßen war alles trocken. Jedenfalls für kurze Zeit. Kaum hatten wir das Rhein Main gebiet hinter uns gelassen, fing es an zu regnen und es hörte auch nicht wieder auf.
Dank Navi fanden wir recht schnell das Aggerstadion in Troisdorf. Das Abenteuer 6 Stundenlauf konnte für mich beginnen. Es war erst mein zweiter 6 Stundenlauf und ich hatte mir das ganz große Ziel gesetzt, wenigsten einmal 50km in dieser Zeit zu schaffen. In Rodgau wäre die 6 Stundengrenze viel zu weit weg gewesen und im Lahntal hat der orkanartige Sturm mein Ziel buchstäblich weggefegt. Nun also ein neuer Versuch. Ich fühlte mich gut, war mir aber nicht sicher, ob ich 2 Wochen nach dem Frankfurt Marathon schon wieder in der Lage war, ein für mich ziemlich ehrgeiziges Ziel in Angriff zu nehmen.
Ankunft in Troisdorf
Als wir in Troisdorf ankommen, tröpfelt es nur noch ein wenig und es ist ziemlich warm. Eigentlich ein schönes Wetter für einen 6 Stundenlauf. Besser als Hitze.
Wir trinken noch einen Kaffee, holen unsere Startunterlagen, ich entscheide mich endgültig, was ich anziehe und dann gehen wir auch schon zum Start. 10 Minuten haben wir noch Zeit. Der Regen wird stärker. Ich habe eine Folie dabei, weil ich Angst hatte, bereits vorm Start auszukühlen. Wenn ich einmal losgelaufen bin, stört mich der Regen überhaupt nicht mehr.
10.00Uhr Start
Pünktlich 10:00Uhr liefen wir los. Zunächst eine kleine Minirunde bis zum Stadion – genau 644m lang. Dies wurde u.a. gemacht, damit eine 50km Zeit am Ende der Stadionrunde gemessen werden konnte. Für mich bedeutet dies auch eine ganz einfache Rechnung: Minirunde + 18 große Runden =50km.
Ich blendete von vorherein alle anderen Rechnungen aus. 18 Runden – das galt es zu schaffen.
Der erste Einlauf ins Stadion vermittelte bereits ein Gefühl der guten Stimmung, die uns erwartete. Über den Lautsprecher lief coole Musik, die nach den Wünschen der Teilnehmer zusammengestellt wurde. Der Stadionsprecher hielt alle Läufer und Besucher auf dem Laufenden.
Nach der Stadionrunde ging es hinaus auf dem Damm - ein schönes Trailstück, von dort ins Wohngebiet und wieder zurück zum Stadion. Kurz vorm Stadion war ein zu durchlaufendes Verpflegungszelt aufgebaut – eine absolut tolle Idee. Die Verpflegung lies keine Wünsche offen und das Team war überaus nett und freundlich – so wie alle Helfer an der Strecke.
11:00 Uhr – es regnet immer noch
1 Stunde bin ich nun schon gelaufen. Es geht mir gut und ich liege gut in der Zeit. So um die 18min pro Runde. Wenn ich das durchhalte, habe ich in der 2. Hälfte ein kleines Zeitpolster. Das Feld hat sich inzwischen kräftig durchmischt und ich frage mich, wie der Stadionsprecher da die Übersicht behält. Meist laufe ich allein, Stevie habe ich gleich nach dem Start aus den Augen verloren. Ab und zumal findet sich eine partielle Begleitung und ein paar nette Gespräche unterwegs.
12:00 Uhr – es regnet immer noch
2 Stunden sind gelaufen. Es geht mir immer noch gut. Ich bin in der 7. Runde und habe mein Zeitpolster leicht ausgebaut. Im Verpflegungszelt habe ich noch eine 2. Regenjacke deponiert. Aber der Wind ist relativ warm und ich friere nicht. Meine Brille gebe ich im Zelt ab, die hat mir vor lauter Regentropfen die Sicht vernebelt. Ich laufe also ohne weiter, aber das ist nicht so schlimm.
Auf dem Damm steht eine unermüdliche Helferin, die versucht, die schlimmsten Pfützen abzuziehen. Später wird sie einsehen, dass es keinen Zweck hat.
Der Regen entwickelt sich zum Starkregen. Es wird so heftig, dass man sich vorkommt wie unter der Dusche. Alles an mir ist nass. Kurz überlege ich, ob ich beim nächsten Durchlaufen des Verpflegungszeltes die andere Jacke überziehen sollte, verwerfe diesen Gedanke n aber. Wer weiß, was noch kommt.
13:00Uhr – der Platzregen ist vorbei und es regnet wieder normal
Ich bin wieder auf dem Damm, der nun fast nur noch aus riesigen Wasserlachen und Matsch besteht. Ich tapse – wie fast alle – mittendurch. Alles andere hat eh keinen Zweck mehr. Die nette Dame, die versucht hat, das Wasser abzuziehen, hat die Erfolglosigkeit des Unterfangens eingesehen und ihre Tätigkeit eingestellt. Auch das Stadion und die Strassen im Wohngebiet stehen mittlerweile unter Wasser. Irgendwie stört mich der Regen aber überhaupt nicht. Mein Gesicht ist voller Regentropfen und ich schwitze nicht so stark.
Ich liege immer noch in der Zeit, habe ein Polster von 15 Minuten. Na gut, die können schnell weg sein…
14:00Uhr – der Regen hat etwas nachgelassen
4 Stunden habe ich inzwischen in den Beinen, die fast automatisch einen Schritt vor den anderen setzen. Langsam beginnt es schwerer zu werden. Ich habe das Gefühl, dass es auf der Runde etwas leerer geworden ist. Die Helfer an der Strecke harren eisern aus. Ich beneide sie heute nicht um diesen Job. Da haben wir es besser. Wir dürfen laufen, den Regen geniessen und wir frieren nicht. Noch etwas mehr als 5 Runden. Mein Polster ist um eine Minute geschrumpft, was aber nicht beängstigend ist.
15:00 Uhr – der Regen wird wieder stärker
Den Regen merke ich kaum noch, es fällt mir eigentlich nur auf, wenn ich durch das Verpflegungszelt laufe. Die ganze Zeit habe ich den Regen als meinen Freund betrachtet . Mit Freude betrachtete ich die dreckigen Waden der mich überholenden Läufer… Meine sehen nicht besser aus…
Noch 2 ½ Runden. Die Schritte werden schwerer und am Verpflegungszelt gehe ich ein paar Meter. Auf dem Damm versinke ich im tiefen Schlamm, es geht nur noch schwer vorwärts.
Nur noch eine Runde. Mein Ziel liegt in greifbarer Nähe. Selbst wenn ich gehen würde, würde ich es schaffen. Aber es ist eine Laufveranstaltung und ich laufe weiter. Nur auf dem Damm gehe ich ein paar Schritte. Im Verpflegungszelt ziehe ich jetzt meine deponierte Jacke an und lasse mir meine Brille zurückgeben. Noch einmal geht es ins Stadion, einmal über die Matte. Genau in diesem Moment habe ich mein Ziel erreicht und 50km erlaufen.
Ich überlege einen Moment, ob ich nicht einfach aufhören sollte. Aber es ist ein 6 Stundenlauf und ich habe noch knapp 10min Zeit! Nein, aufhören auf keinen Fall. Ich lief also nochmal hinaus auf den Damm, versank im tiefen Schlamm. Ein Helfer, der schon bereit war zur Restmetervermessung spornte mich an und meinte, bis zur nächsten 250m Marke sollte ich es noch schaffen. Aber es waren noch 4min! Plötzlich rannte ich nochmal los, hatte bald die 250m und peilte die nächste Marke an. Genau 1m nach dieser ertönte das Signal. Es war vorbei! Wie auf Kommando blieben alle stehen.
16:00 Uhr - es regnet immer noch
Wir gratulierten uns gegenseitig. Jeder war froh, es geschafft zu haben. Wie es nicht anders zu erwarten war, befand ich mich nach diesen 6 Stunden natürlich genau am weitesten entfernten Punkt. Es dauerte aber nicht lange, bis unsere Restmeter vermessen waren. Wir hatten sogar das große Glück, dass wir mit dem Auto zum Stadion zurückgefahren wurden.
Da ich noch auf Stevie und den Autoschlüssel warten musste, wurde mir jetzt doch ziemlich kalt. Aber da kam er auch schon und ich zog mir eine dicke Jacke über. Die anschließende Dusche war eine Wohltat. Meine Hände waren kurz davor, zu Schwimmflügeln zu werden.
Danach genoss ich einfach nur noch die tolle Atmosphäre. Normalerweise sind die meisten schon in Aufbruchsstimmung, wenn ich ins Ziel komme. Das ist bei einem Stundenlauf anders, da sind alle gleichzeitig im Ziel.
Ganz besonders überrascht war ich, als ich auch noch zu Siegerehrung gerufen wurde. Ich hatte doch tatsächlich Platz 2 in meiner AK belegt – und das trotz der Tatsache, dass es nicht nur 2 Starter waren.
Wir saßen noch eine ganze Weile zusammen und führten viele interessante Gespräche. Ich konnte wieder viele nette Läufer kennenlernen.
Trotz – oder vielleicht gerade wegen des Dauerregens – war es eine tolle Veranstaltung, liebevoll organisiert und durchgeführt. Vielleicht kam mir heute meine Täglichläuferphilosophie zu Gute – Laufen bei jedem Wetter, allen Widrigkeiten stellen, Regen, Wind, Sturm als Freund sehen, einfach alles positiv annehmen, was die Natur bietet.
Somit war dieser Lauf für mich persönlich ein wunderschöner Regenlauf mit einem für mich tollen Ergebnis.
Neueste Kommentare