Saturday, 14. may 2011 6 14 /05 /Mai /2011 21:50

veröffentlicht in: Natur und Umwelt

Meinen heutigen Lauf schiebe ich immer weiter nach hinten... Erst gegen 17:00Uhr kann ich endlich aufbrechen. Inzwischen haben sich die Wolken zusammengezogen, der Wind wird immer stärker und kälter. Regen liegt in der Luft. Lang ersehnt - nicht nur von mir.

Die ersten Tropfen. Sie berühren kaum die trockene Erde. Gierig verschlingt sie jeden Tropfen. Ich laufe los. Spüre die nassen Tropfen auf meiner Haut. Wow, was für ein Gefühl! Ich atme die feuchte Luft ein und genieße den Duft. Unter mir stöhnt der trockene Weg, die wenigen Tropfen vermögen kaum das Defizit des Wassers ausgleichen. Obwohl wir erst Mai haben, sind die Wiesen ausgetrocknet und die Gräser braun. Selbst die Brennesseln wachsen nur langsam. Ohne Wasser - kein Leben!

Ich laufe entlang der Nidda. Wie lang ist es her, als hier das Wasser alle Felder überflutete? Nichts ist davon mehr zu merken. Das Wasser hat einen historischen Tiefstand erreicht. Meine kleine Insel hat sich zur Halbinsel entwickelt und ich könnte sie trockenen Fußes erreichen.

Der gelbe Raps sieht zwar schön aus, aber viele Seitentriebe hängen kraftlos hinab. Ohne Wasser kein Leben. Jeden Pflanze dürstet so sehr nach Wasser, die ihr der ausgetrocknete Boden z.Z. nicht geben kann.

Ich laufe weiter - entlang eines Maisfeldes. Die kleinen Pflänzchen sind kaum gewachsen. Auch ihnen fehlt das Wasser.

Inzwischen hat es bereits wieder aufgehört zu regnen, auch das nahende Gewitter hat sich wieder verzogen. Es war nur einen Tropfen auf den heißen Stein. Die Wege sind nach wie vor staubig. Die Hoffnung auf morgen. Nach mehr Regen. Wasser ist Leben.

Was geht es mich an -  höre ich einige Menschen fragen. Ich kaufe mein Wasser im Supermarkt - da ist immer genügend da. Besser noch - ich kaufe Cola, Fanta, Red Bull und wie das ganze Zeugen so heißt. Wasser ist so profan. Wir Menschen trinken was "Besseres", Wasser schmeckt doch nicht. Ist nicht auch für den Menschen das Wasser ein grundlegendes Lebenselyxier?

Würden wir etwa unsere Pflanzen mit Cola gießen? Oder dem Hund Fanta vorsetzen? Vermutlich würde der verächtlich die Nase rümpfen oder die Fanta keines Blickes würdigen. Er hat ja auch noch einen natürlichen Instinkt, der ihm sagt: Das Zeug tut mir nicht gut, das saufe ich nicht!

Unser Körper besteht zu ca aus 50% Wasser. Für jede einzelne Funktion unseres Körpers ist es lebensnotwendig. Nach wenigen Tagen ohne zu trinken würde der Mensch sterben. Aber braucht der Mensch Cola?Fanta? Oder gar irgendwelches aufputschends Bonbonwasser? Ohne dieses Zeug könnte der Mensch sehr wohl leben...

Meine Gedanken sind wieder in der Pflanzenwelt. Der Regen hat isich komplett verzogen. Es war so wenig, daß er nicht in den Boden eingedrungen ist, den Durst der Pflanzen nicht gestillt hat. Wenn sie nicht wachsen können, werden wir dies im Verlaufe des Jahres merken. Das Angebot an frischen Früchten, Gemüse und allen Nahrungspflanzen wird geringer ausfallen, die Preise steigen.

Wie abhängig sind wir vom Kreislauf der Natur. Sie allein entscheidet über das Wohl und Wehe der Menschen. Der Kreislauf des Wassers sollte uns heilig sein. Wir sollten das Wasser wieder als etwas sehen, was es ist: Wasser ist Leben! Es ist ein so hohes Gut der Natur, tausendmal mehr wert als jeder Euro, jeder Dollar, jeder Cent. Der Mensch kann kein Geld essen und auch nicht trinken.

Mittlerweile bin ich auf dem Weg nach Hause. Der Weg entlang der Nidda ist jetzt kein Naturweg mehr, er wurde asphaltiert. Damit hier auch Skater fahren können. Wieder ein Stück Natur weg. Am Ortsrand soll ein neues Baugebiet ausgewiesen werden. Auch hier wird wieder ein Stück Natur sterben und damit auch wieder ein Stück des Wasserkreislaufes. Und das nicht nur in meinem Wohnort - überall wird der Natur Tag für Tag ihre Grundlage entzogen. Richten wir uns selbst zu Grunde?

Ich höre eure Gegenargumente: Trockenperioden hat es immer gegeben und wird es immer geben. Ebenso hat es immer wasserreiche Perioden gegeben. Ja. Aber die Extreme nehmen immer mehr zu. Auf der einen Seite werden riesige Ländereien überschwemmt, auf der anderen Seite stöhnen die Menschen unter der Trockenheit.

Wann werden die Menschen endlich vernünftig? Wann lassen wir endlich wieder der Natur ihren Raum?

Ich bin wieder zu Hause. Nachdenklich. Hoffend darauf, daß der Regen morgen wiederkommt und die Natur sich erholen kann. Wasser ist Leben.

von Petra
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Kommentare

Hallo Petra,

ein nachdenklicher Text heute.

Bei uns hat es während es Avon Frauenlaufs geregnet, ich habe es richtig genossen.

Ja, ich stimme Dir zu, wir brauchen all die Getränke wie Cola, Fanta usw. gar nicht. Die machen auch nur unnütz dick. ;-)

Ich trinke am liebsten Wasser. 

Hoffen wir mal, dass es morgen wieder etwas Regen hat.

Liebe Grüße

Erika

Kommentarnr1 gepostet von Ika am 14.05.2011 um 23h08

Liebe Erika,

ja, das hoffe ich auch! Laut Wetterbericht soll er ja kommen.

Manchmal frage ich mich, was die Menschen bewogen hat. sowas wie Cola und Co zu erfinden. Das zeigt eigentlich, wie weit sich der Mensch schon  von der Natur wegbewegt hat.Das ist schon ziemlich erschreckend.

Viele liebe Grüße

Petra

 

 

 

Kommentarnr2 gepostet von Petra am 14.05.2011 um 23h46

Du hast natürlich vollkommen recht mit Deinem Beitrag - und ich habe keineswegs vor, hier einen Kommentar mit Gegenargumenten zu verfassen. Sondern ich wollte nur schnell los werden, dass es hier in Bremen gerade in Strömen regnet - und ich jetzt dennoch motiviert bin, die Laufschuhe zu schnüren! Also: Danke für Deine Anregungen :-)

 

Schöne Grüße und einen schönen Sonntag,

Eddy

Kommentarnr3 gepostet von Eddy am 15.05.2011 um 07h29
Ein schöner Artikel, liebe Petra, vielen Dank dafür. Das Kernthema habe ich mir bei mir auch immer wieder thematisiert. Deine Fragen am Ende sind sehr einfach zu beantworten. Vernunft und Mensch schließt sich absolut aus. Wir sind die dümmste Spezies, die die Natur je hervor gebracht hat. Damit ist alles gesagt. Ja, ein wenig Regen oder etwas mehr wäre wirklich wichtig. Leider können wir uns das nicht aussuchen. Ich wünsche Dir einen herrlichen Sonntag, liebe Grüße Marcus
Kommentarnr4 gepostet von Täglichläufer am 15.05.2011 um 08h38

Lieber Eddy,

und bei uns sieht es immer noch tocken aus - kein Regen is Sicht! Ich hoffe, du hattest heute einen wunderbaren Regenlauf, den du richtig genießen konntest!

Ich wünsche dir ebenfalls noch einen tollen Sonntag!

 

Lieber Marcus,

im Grunde genommen hast du recht - allerdings habe ich mich bisher immer gescheut, es so direkt auch zu formulieren. Wahrscheinlich, weil es so vernichtend ist, dieses Urteil über unsere eigene Spezies. Aber im tiefsten Innern muß ich zugeben, daß es stimmt.

Hoffentlich bist du heute in den Genuß eines tollen Regenlaufes gekommen!

Viele liebe Grüße

Petra

 

 

Lieber M

Kommentarnr5 gepostet von Petra am 15.05.2011 um 15h55

Liebe Petra, ein guter Artikel. Heute hatten wir beim Laufen auch Regen. Obwohl es dabei wieder kühler war, empfand ich den Regen als sehr angenehm. Auch bei uns war er nur kurz, ich hoffe aber, dass es bald länger regnen wird. Wir den richtigen guten alten Landregen. Gibts den überhaupt noch. Alles, was passiert, geschieht irgendwie katastrophenartig. Das ist erschreckend. Und du hast recht, wir Menschen sind die Ursache dafür! Wir verändern die Natur, d.h. wir zerstören sie kontinuierlich. Die Formulierung von Marcus ist sehr negativ und deprimierend, aber es stimmt wohl. Ist die Frage, wie weit geht der Mensch mit seiner Selbst-Zerstörungswut noch? Das Schlimme daran ist, dass es die meisten Menschen gar nicht interessiert. "Was geht es mich an...es ist eh schon alles im Eimer.... ich kann daran nichts ändern...."

Nichtsdestotrotz wünsche ich euch noch einen schönen Restsonntag!

Liebe Grüße

Ramona

Kommentarnr6 gepostet von Ramona am 15.05.2011 um 18h03

Hallo Petra,

auch hier ist Regen eher Mangelware. Das bißchen Regen, was heute hier runter kam, reichte noch nicht einmal für eine Pfütze. Ja, die Natur dürstet nach Wasser, ganz stark.

Man kann fast hinsehen, wo man will. Überall fast, wo der Mensch am Werke ist, stößt man auf Unvernunft und bekommt das Gefühl, dass er gar nicht merkt, wie sehr er seinen eigenen Ast immer mehr ansägt. Viel zu wenige denken darüber nach.

Ich wünsche Dir trotz allem noch einen schönen Restsonntag!

Liebe Grüße

Kornelia

Kommentarnr7 gepostet von Kornelia am 15.05.2011 um 18h46

Liebe Ramona,

genau - das ist das Schlimmste. Es interessiert eigentlich kaum jemanden, was wir unserer Umwelt antun. Dieses "Was geht es mich an" ist so erschreckend, aber leider sooo normal geworden. Die meisten denken doch, daß nichts passiert solange sie leben. Und die Kinder? Und deren Kinder? Auch die wollen doch noch ein lebenswertes Leben ohne ständige Katastrophen haben. Es ist so erschreckend, diese Ignoranz.

Viele liebe Grüße

Petra

Kommentarnr8 gepostet von Petra am 15.05.2011 um 21h42

Liebe Kornelia,

bei uns ist der Regen auch heute leider ausgeblieben - bis auf einen kurzen Schauer. Der hat nichtmal ausgereicht, um in den Boden einzudringen. Nur oberflächlich war der Boden etwas feucht. Schade - die Landwirte warten so sehnlichst darauf.

Ich wünsche dir auch trotz allem noch einen tollen Sonntag Abend!

Viele liebe grüße

Petra

 

Kommentarnr9 gepostet von Petra am 15.05.2011 um 21h44

Du beschreibst diese Trockenheit sehr zutreffend liebe Petra. Ich kann mich an den letzten länger anhaltenden Regen kaum noch erinnern und das ist jetzt kein Scherz. Ein paar Tropfen die man fast schon zählen konnte, wie am gestrigen Sonntag, mehr gab es hier in den letzten Wochen nicht.

Und auch Deinen Hinweis auf neu ausgewiesene Baugebiete am Stadtrand kann ich aus eigener Anschauung bestätigen. Als  ob wir eine Bevölkerungsexplosion zu bewältigen hätten. Die Kommunalpolitiker schweigen oder jubeln sogar, weil die Stadt "attraktiver" wird.

Möge es bald richtig regnen und damit die Errleuchtung kommen, dass wir mit der Natur achtsamer umgehen mögen.

LG Dietmar

Kommentarnr10 gepostet von Dietmar am 16.05.2011 um 09h35

Ja liebe Petra, hier wurde nun schon wieder alles gesagt. Deine Gedanken sind gut und regen zum Nachdenken an. Leider können wir nicht viel tun, um diesen Zustand zu ändern. Mir geht so etwas auch oft durch den Kopf. Du hast das sehr gut geschrieben.
Liebe Grüße
Elke

Kommentarnr11 gepostet von Laufmauselke am 18.05.2011 um 22h15

Liebe Petra, mir hat es auch gefallen. Ja - das Wasser ist so wichtig. Das wenige was jetzt runterkam reicht auch bei uns nicht. Noch immer ist der Wald viel zu trocken. Bei uns hat sich gestern ein neuer Nachbar vorgestellt. Der hat das Grundstück neben uns gekauft. Nicht um zu bauen, er hat schon ein Haus im Ort. Nein, um seine Schafe dort zu halten. Das finde ich sowas von schön. Sind das nicht tolle Nachbarn? Schafe. Mir gefällt das außerordentlich gut.

Ich freu mich auf den Rennsteig und hoffe wir sehen uns und ich Dein Strahlen.

Deine Silke

Kommentarnr12 gepostet von Hoppelchen am 19.05.2011 um 09h37

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