Nun bin ich mitten in der Vorbereitung auf mein großes Ziel - dem
Rennsteig Supermarathon auf dem Rennsteig am 8. Mai. Noch sind 68 Tage Zeit bis
zur Erfüllung meines großen Traumes.
2 Monat Vorbereitung liegen bereits hinter mir. Mein erster großer Höhepunkt war der Ultramarathon in
Rodgau - der aber auf Grund der äußerst schwierigen Bodenverhältnisse für mich nach 35km endete.
Gestern startete ich den 2. Versuch - den 50km Ultramarathon von Marburg. Schon seit Tagen beobachtete ich die Wetterentwicklung. Würde es endlich wärmer werden? Würde endlich der Frost
verschwinden?
Meine Erwartungen schienen sich zu erfüllen. Die Temperaturen stabilisierten sich im Plusbereich, der Schnee schmolz. Allerdings so sehr, daß die Lahn über alle Ufer trat und die schöne
Lahntalstrecke völlig überflutete.
Der Veranstalter organisierte jedoch in kürzester Zeit eine Ausweichstrecke, so daß dem Lauf nichts mehr im Wege stand.
Nur der Wetterbericht am Tag zuvor verhieß nichts Gutes. Der angekündigte Regen störte mich nicht, aber der aufkommende Wind würde es uns wohl schwer machen...
Aber getreu dem Motto "Rennsteigläufer sind die Härtesten" dachte ich nicht eine Sekunde daran, den Lauf saußen zu lassen. Ich wollte mich diesen Bedingungen stellen. Auf dem Rennsteig werde ich
auch jedes Wetter nehmen müssen, wie es kommt.
Als wir Sonntag früh losfuhren, regnete es in Strömen. Sichere 10km von zu Hause entfernt fragte ich mich schon, ob ich nicht ein bischen bekloppt bin. Im gleichen Atemzug aber wußte ich:
Nichts und niemand kann mich davon abhalten, heute in Marburg zu laufen.
Allerdings ahnte ich zu diesem Zeitpunk nicht wirklich, was uns da erwartete.
Pünktlich in Marburg angekommen, holte ich meine Startnummer und wir trafen auf Franky. Mein Mann und privater Coach begleitete uns zum Start. Immer wieder schaute ich mich im ansehnlichen
Starterfeld um, aber Evi konnte ich nicht entdecken. Ob sie noch kommen würde?
Ganz kurz vorm Start fanden wir uns. Das heißt eigentlich sie mich. Weil: ich war blind...

Dabei war sie nicht zu übersehen. Im knallgelben Shirt. Wenn schon die Sonne nicht scheint, dann sollte wenigstens das Sonnenschirt scheinen...
Gemeinsam begaben wir uns auf den Weg. Der Regen hatte längst aufgehört und auch der Wind war gar nicht so stark. Locker liefen wir die ersten Runden und quasselten über Gott und die Welt. Immer
wieder trafen wir Franky, Frett, Volker und einige Bekannte von Evi.
Die Ausweichstrecke war nicht so schön wie die Originalstrecke, ringsherum war alles noch trist und grau und die Felder ringsherum voller Wasser. Eine Krähe meldete sich lautstark. Ob sie uns
anfeuern wollte?
Doch plötzlich öffnete sich für einen kurzen Moment die Wolkendecke und das Blau des Himmels strahlte auf uns herab. Nur wenige Sekunden, dann war alles wieder grau.
Gleichmäßig liefen wir Runde für Runde 5km, 10km, 15km, 20km... Auf jeder Runde wurden wir lautstark von "unserer" Krähe begrüßt... Unser erster Höhepunkt war das Ende der 5. Runde. Die Hälfte war
geschafft. Die 2. viel schwerere Hälfte lag jetzt vor uns.
Der Wind hatte inzwischen stark zugenommen.
Die ersten beiden Kilometer jeder Runde liefen wir auf freiem Feld gegen den Wind. Mittlerweile liefen wir auf diesem Abschnitt nicht mehr neben, sondern hintereinander und gaben uns abwechselnd
gegenseitig Winschutz. So konnten wir es uns den Kampf gegen den Strum wenigstens ein bischen erleichtern.
Zu Beginn der 7. Runde bekam Evi muskuläre Problem, so daß sie sich entschied, zum Ende dieser Runde auszuscheiden. Geminsam genossen wir die letzten Kilometer - soweit man noch von Genuß reden
konnte...
Allein begab ich mich auf die nächste Runde. Gedanklich habe ich mich bereits zu diesem Zeitpunkt damit abgefunden, auf den Marathon zu verkürzen.
2 km kämpfte ich gegen den nun orkanartigen Sturm. Meter um Meter ging es nur noch gehender Weise vorwärts. Plötzlich durchschoß mich ein Gedanke, der mich innerlich lachen ließ. Heute wäre
es gar nicht so schlecht gewesen, wenn ich ein paar Kilo schwerer wäre....
Aber im Grunde genommen wünsche ich mir das nicht wirklich. Es wird ja nicht jeder Lauf so stürmisch werden...
So ein bischen Galgenhumor half mir über das nächste Stück. Meter für Meter kämpfte ich mich vorwärts. Im Rahmen der Zielzeit ins Ziel zu kommen, war inzwischen illusorisch geworden. Die
Entscheidung stand für mich fest. Ich werde nicht die komplette Strecke laufen, sondern auf den Marathon verkürzen. Ich wehrte mich innerlich gegen den Gedanken, daß es "
nur" ein
Marathon werden würde...
Mittlerweile war ich wieder auf dem Rückweg der Runde. Der Sturm blies von hinten und trieb mich zu einem Tempo, daß ich kräftemäßig kaum noch verkraften und steuern konnte. Einige Male konnte ich
gerade noch einen Sturz vermeiden.
40 Kilometer hatte ich nun in den Beinen. Noch einmal hieß es: Hinaus aufs Feld - noch einmal einen guten Kilometer bis zu Marathonschleife - noch ein Kilometer Kampf gegen den Wind. Ich konnte
nicht mehr laufen. Es war kaum noch möglich zu gehen. Auch die anderen wenigen Läufer, die noch auf der Strecke waren, gingen jetzt. Wir machten uns gegenseitig Mut und ich freute mich immer
über ein aufmunterndes Lächeln und gab dies gern zurück.
Auch die fleißigen Helfer an der Strecke gingen an ihre Grenzen, um alle Läufer bis zum Schluß zu versorgen. Ihnen gilt mein ganz besonderer, herzlicher Dank.
Nach der Marathon-Wendeschleife lief ich noch einmal mit dem Wind, lies mich treiben und freute mich auf das Ziel, wo mein Mann auf mich wartete. Lange hat er dort ausgeharrt, um mich zu
unterstützen.
Nach 5:11:31 kam ich ins Ziel - völlig erschöpft, aber megaglücklich. Ich habe trotz der Witterungsverhältnisse einen Marathon gefinisht! So ein ganz klein wenig Wehmut gab es natürlich auch - es
war immerhin bereits die 2. verpasste Chance, einen Ultra zu laufen.
Aber ich habe mich wieder an meinen eigenen Schwur erinnert - immer auf meinen Körper zu hören.
Wir gingen zurück zur Turnhalle. Nach einer schönen heißen Dusche und einem lecker Essen gab es dann noch eine Überraschung für mich. Ich hatte in meiner AK Platz 3 belegt und bekam eine Urkunde
und eine Medaille. Natürlich muß ich euch dazu sagen, daß es nur 3 Starterinnen in der AK gab. Aber ich habe mich trotzdem gefreut. Ich bin ins Ziel gekommen.
Die Heimfahrt gestaltete sich schwierig. Immer wieder hatten wir das Gefühl, daß Windböen das Auto steuern wollten. Umgestürte Bäume auf Autobahnabfahrten, Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und
Polizei kümmerten sich um die Sicherheit der Menschen.
Ich war froh, als wir wohlbehalten zu Hause ankamen.
Heute - ein Tag später und nachdem ich in den Nachrichten das ganze Ausmaß der Zerstörungen des Sturmtiefes Xyntia gesehen habe, sehe ich meinen gestrigen Lauf kritischer.
Was bleibt, ist nicht nur Freude, sondern sind einige Fragen.
Wie weit kann, wie weit soll man gehen im Sport? Hätte ich früher aufhören sollen? Hätte der Veranstalter abbrechen sollen? Auf der Homepage des Veranstalters ist heute zu lesen, daß man nicht
abgebrochen habe, weil nur noch relativ wenige Läufer auf der Strecke waren. Aber was wäre gewesen, wenn gerade einem dieser Läufer was passiert wäre?
Heute bin ich froh, daß ich nicht weitergekämpft habe, sondern nach dem Marathon aufgehört habe.
Daß ich "nur" einen Marathon gelaufen bin.
besten Dank für Deine Laufberichte im SR-Forum und hier in Deinem Blog. Vielen Dank auch für Deine Glück- und sonstigen guten Wünsche an meine Adresse. Es war schön, Dich wiedergesehen zu haben. Schade nur, dass ich Deinen Ehemann nicht kennen lernte. Grüße ihn bitte unbekannterweise ebenfalls sehr freundlich von mir.
Alles Gute für Dich und Deine Familie und - hoffentlich bis bald - beste Grüße
Dein Laufkamerad Volker
(Nachsatz: Leider kann ich mich im SR-Forum nicht mehr für die Glückwünsche anderer Foris bedanken, weil ich ja nach meinem Rücktritt keinen Zugang mehr habe. Vielleicht kannst Du gelegentlich ein umfassendes Dankeschön von mir erwähnen.)
noch einmal von Herzen einen lieben Glückwunsch zum Marathon und dritten Platz. Hast Du prima gemacht.
Lieber Volker,
auch hier bleibst Du mir nicht verborgen.
Lieben Gruß
von Silke
Herzlichen Glückwunsch, dass Du den Marathon geschafft hast, und besonders, dass Du ihn gesund geschafft hast.
Dann allerdings kreisen doch einige kritische Gedanken in meinem Kopf. Wie Du selber bemerkt hast, waren die letzten Runden vom Wetter her schon ziemlich heftig. Der Veranstalter bricht den Lauf nicht ab, weil "nur noch wenige Läufer auf der Strecke waren". Meiner Meinung nach hättest DU diese Entscheidung für DICH treffen müssen. Beim Zugspitzlauf kamen die Entscheidungen für 2 Läufer zu spät. Am gleichen Tag, als Du den Marathon gelaufen bist, wurde in Nordrhein-Westfalen eine Joggerin von einem Baum erschlagen.
Du sagst, Du hörst auf Deinen Körper. Das ist ok. Aber Du solltest bei einem Outdoor-Sport auch auf andere Signale hören - bevor es zu spät ist.
herzlichen Glückwunsch zu diesem Lauf.
Manchmal entwickelt sich das Wetter, wie man es nicht wirklich vorhersehen kann. Ich denke, Du hast die richtige Entscheidung für Dich getroffen. Du hast ein gutes Gefühl für Dich und Deinen Körper und ich denke, dass Du Dich darauf verlassen kannst. Das mit dem Ultra wirst Du sicher schon bald hinkriegen!
Wünsche Dir nun gute Erholung
und liebe Grüße
Kornelia
gratuliere zum "Nur-Marathon" bei diesen widrigen Wetterverhältnissen. Schön wieder etwas von dir zu lesen - es hat mir schon irgendwie gefehlt. Nächste Woche beginnen ja für uns "Weicheier" die Vorbereitungsläufe - darauf freue ich mich schon sehr. So gern ich den Schnee auch habe, ist es doch schön, jetzt wieder auf normalen Wegen laufen zu können. Weiterhin alles Gute in der Vorbereitung und immer schön auf den Körper hören.
Liebe Grüße
Katrin
nein - ich war nicht enttäuscht über die 42,195km. Den Lauf auf den Marathon zu verkürzen, war nicht nur die bessere, sondern die einzig richtige Entscheidung.
Hallo lieber Volker,
vielen, vielen Dank für deinen Kommentar! Ich habe mich auch sehr gefreut, dich mal wieder zu sehen. Deine Grüße richte ich sehr gern an die SR Forengemeinde aus. Auch an Dich an dieser Stelle noch einmal meine herzlichsten Glückwünsche zu deinem tollen Lauf!
Liebes Hoppelchen,
ich fand es sehr schade, daß du nicht dabei warst - aber im nachhinein war die Entscheidung goldrichtig. Wer weiß, wann und wie du nach Hause gekommen wärst? Außerdem hast du ja einen tollen Ersatzlauf gefunden und gefinisht.
Hi Etzelmania,
ich hätte nicht die Entscheidung für mich treffen müssen - sondern ich habe sie getroffen, indem ich auf den Marathon verkürzt habe. Ich denke schon, daß ich da vernünftig gehandelt habe.
Vielen Dank, liebe Nela, für Deine lieben Glückwünsche! Dieser Lauf hat mich wieder ein Stück näher an mein Ziel gebracht - den Rennsteig Supermarathon. Das ist mit wichtiger als die reine gerannte Kilometerzahl. Es war wirklich vernünftig, den Lauf zu verkürzen.
Hallo liebe Katrin,
ich freue mich auch sehr, wieder was von dir zu hören. Und nimm bloß nie wieder das Wort "Weichei" im Zusammenhang mit der Marathonvorbereitung in den Mund!
Viele liebe Grüße euch allen
eure Petra
ich kann weiß Gott nicht mitreden, aber es hört sich an, als ob Du ganz sicher auf dem Weg bist, den Du einschlagen wolltest! Eine Ultraläuferin zu werden. Das Zeug dazu hast Du und gut Ding will Weile haben!
Meine Hochachtung vor dieser Leistung-
liebe Grüße von Ines
Schön, dass du alles gut überstanden hast. Wenn man bedenkt, was doch alles passieren kann, da wird einem schon etwas mulmig. Ich wünsche dir viel Freude an deiner SM-Vorbereitung und bleib gesund!
LG Marianne
Mein großes Ziel für dieses Jahr ist der Rennsteigsupermarathon. Darüberhinaus plane ich erstmal nicht weiter. Ob ich wirklich mal eine Ultraläuferin werde, hängt wohl davon ab, wie ich den Rennsteig "überstehe"
Vielen Dank auch an Dich liebe Marianne! Im Nachhinein war mir schon auch etwas mulmig, aber ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, daß ernsthaft was passieren könnte.
Trotzdem hoffe ich nun auf endlich Frühling, Sonne und Wärme!
Viele liebe Grüße
Petra
habe Deinen Bericht voller Spannung gelesen.
Herzlichen Glückwunsch zum 3. Platz beim Marathon.
Ich finde, dass Du da richtig entschieden hast.
Es ist immer wichtig, auf den Körper zu hören.
Liebe Grüße
Erika
Viele liebe Grüße
Petra
Liebe Petra, ich gratuliere Dir zum Erreichen des Marathonziels. Mehr musste bei den geschilderten Umständen wirklich nicht sein. Du hast eine großartige Leistung gebracht. Das Wetter war grenzwertig, aber es ging ja alles gut. Letztendlich gibt es immer ein gewisses Risiko. Man ist nirgendwo auf dieser Erde sicher. Insofern trifft man eine Entscheidung und muss damit leben. Sie kann falsch oder richtig sein. Im Nachhinein ist man vielleicht schlauer, aber wie man sich beim nächsten Mal entscheidet... wer weiß.
Ein gewisses Risiko geht man jeden Tag ein, spätestens, wenn man das Haus verlässt und ins Auto steigt und und und ... Und trotzdem tut man
dies jeden Tag. ;)
Liebe Grüße
Ramona
Jetzt - eine Woche später - sehe ich das viel gelassener. Es war trotzdem schön und ich bin stolz und glücklich, den Marathon vollendet zu haben. Es ist auch keine Enttäuschung mehr da, daß es nicht mehr geworden ist.
Es war wieder einmal eine neue Herausforderung, die ich gemeistert habe. Ja und klar - ein Risiko geht man immer ein - aber ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, meinen Schutzengel zu überfordern...
Viele liebe Grüße und einen schönen Abend wünscht Dir
Petra