Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Seiten

Veröffentlicht von Petra

Vor etwa 2500 Jahren machte sich der Läufer Pheidippides auf den Weg von Marathon nach Athen, um die Kunde vom Sieg der Athener über die Perser zu überbringen.

Der Legende nach brach der Bote nach dem Überbringen der Botschaft tot zusammen. Knapp 40km war er gelaufen und begründete damit den Marathonlauf, der heute 42,195 km beträgt.

 

An diesen historischen Lauf erinnernd fand am 3.10. 2012 im bayrischen Etsdorf der Tempelmarathon statt.

Tempelmarathon

 

Eine ehemalige Schule beherbergt heute ein Tempelmuseum. Nur der dazugehörige Tempel muß noch gebaut werden. Und da hierfür noch eine ganze Menge Geld fehlt, kam man auf die Idee, einen historischen Marathon zu veranstalten, der in diesem Jahr bereits zum 2. Mal stattfindet.

Ganz der Tradition entsprach dieser Marathon der ursprünglichen Länge von 38,5km und nicht der olympischen Distanz. Auch der Zeitpunkt war gut gewählt - der 3. Oktober, der Tag der deutschen Einheit. Der Bogen der Demokratie spannt sich über Tausende von Jahren...

Da wir gerade in Bayern Urlaub gemacht haben, lag der Gedanke nahe, genau diesen kleinen Marathon zu laufen - auch wenn der jetzt nicht 42,195km betrug.

Organisiert wurde dieser Lauf nicht von Profis, sondern von Laufenthusiasten. Das ganze Dorf war einbezogen. Dutzende selbstgebackene Kuchen wurden herangeschafft, um die Zielverpflegung zu sichern.

Aber dieser mußte erstmal verdient werden...

Neben einigen Unentwegten, die die gesamte Distanz in Angriff nahmen, gab es viele Halbmarathonis und Staffelläufer. Praktisch jeder im Ort, der laufen konnte, war unterwegs. Es kam nicht darauf an, wer wie schnell lief. Alle wurden bejubelt - vom Start bis ins Ziel.

 

Gestartet wurde auf dem Berg - an der Stelle, an der in einigen Jahren der Tempel stehen wird. Noch war es bitter kalt, aber die Sonne versprach einen schönen Tag.

 

Kalt

 

Genau vor der Stelle, an der der Tempel gebaut werden soll, stand eine Stele. Auf dieser waren die Finisher des Marathons 2011 eingraviert und ihre Zeiten. Was für eine Idee... Auf der nächsten Stele möchte ich auch gern verewigt sein!

 

Zunächst liefen wir den Berg hinab und bogen dann in die Runde ein, die 4x zu durchlaufen war.

Auch Pheidippides war dabei...

 

Mit Original Griechen

 

Die Runden waren sehr abwechslungsreich. Es ging über Feld und Flur und auch einige Berge waren zu bewältigen. Ich lief ziemlich gleichmäßig und fühlte mich richtig wohl. Mittlerweile hatte ich einige Kleidungsstücke ausgezogen, es wurde wärmer und wärmer. Die Stimmung war super, besonders im Zielbereich.

Die ersten 3 Runden liefen problemlos. Manchmal frage ich mich, warum es mir so gut geht bei langen Läufen. Ich bin zwar langsam unterwegs, aber beständig...

Und so kam es auch, daß mich zu Beginn der letzten Runde das Besenfahrad einholte... Alle, die hinter mir waren, sind vermutlich Halbmarathonis oder Staffelläufer gewesen...

Was soll`s - dann bin ich eben wiedermal die Letzte...

Das Laufen mit einem netten Radbegleiter machte gleich nochmal soviel Spaß. Wir unterhielten uns und ich lief und lief... Es fiel mir jetzt ein wenig schwerer, aber ich hatte meinen Rhythmus.

Auf einmal tauchte etwas 300m vor mir ein Läufer auf. Mein Radbegleiter riet mir, weiter in diesem Rhythmus zu laufen - dann würde ich ihn einholen... So hatte ich ein Ziel vor Augen und lief und lief und der (Staffel)Läufer vor mir kam näher und näher...

Und so kam es, daß ich auf den letzten 3km auf die nette Radbegleitung verzichten mußte und allein weiter lief. Immer wieder wurde ich von Zuschauern angefeuert. Besonders mußte ich schmunzeln, wenn man mir zurief: Du schaffst das! Naklar, dachte ich. Davon gehe ich aus... :)

Wahrscheinlich konnte sich dort keiner vorstellen, daß es bei mir auch gerne mal mehr als der Marathon sein darf. Auch wenn es langsam ist...

Als ich ins Ziel kam habe ich etwas erlebt, was ich so noch nie erlebt habe. Ich war die letzte Marathonläuferin. Der Zielkanal war gesäumt von Zuschauern, die auf mich gewartet haben und jubelnd lief ich ins Ziel. Wenig später kam der letzte Stsaffelläufer - ebenso glücklich, es geschafft zu haben.

 

Freude der Letzten

 

Sogar mit der Siegerehrung wurde auf uns gewartet. Vermutlich keiner der Läufer und Organisatoren war nach Hause gegangen. Das ganze Dorf feierte gemeinsam seinen Marathon - nicht nur die Sieger, nein - hier wurden alle gefeiert. Was für eine Stimmung!

 

Wir tranken gerade gemütlich einen Kaffee, als die Siegerehrung der Damen begann. Plötzlich hörte ich meinen Namen... Was war das? Ich war doch die Letzte... Aber es waren wahrscheinlich nur 3 Damen gestartet oder ins Ziel gekommen.

So kam ich noch zu einer Siegerehrung mit einer griechischen Medaille und einem Gutschein für den nächsten Tempelmarathon.

 

Siegerehrung

 

Nun weiß ich zwar, daß für die meisten Läufer ein solcher Marathon mit der klassischen Distanz eigentlich kein Marathon ist. Aber für mich war dieser Marathon heute einer der Schönsten, die ich bisher gelaufen bin. Es hat einfach Spaß gemacht - und da war die Distanz letztendlich egal.

2014 werde ich meinen Gutschein auf alle Fälle dort einösen. Und wer weiß: Vielleicht ist der Tempel dann schon im Bau. Natürlich möchte ich dann auch meinen Namen in der Stele eingraviert sehen....


Kommentiere diesen Post

Petra 10/10/2012 22:52


Lieber Frank,


ja, ich genieße das auch immer sehr und es macht von Lauf zu Lauf mehr Spaß.


Viele liebe Grüße


Petra

Frank 10/10/2012 22:28


Liebe Petra,


Bewegung ist Leben...immer wieder herrlich Laufend unterwegs zu sein, wie schnell oder lange auch immer....und in Verbindung mit Gleichgesinnten wird das alles noch viel schöner.....


LG


Frank

Petra 10/09/2012 21:17


Liebe Marianne,


wie recht du hast! An diesen Lauf werde ich mich noch sehr lang und sehr gern erinnern. Und das ist die Hauptsache!


Viele liebe Grüße


Petra

Marianne 10/08/2012 09:47


Danke für deinen schönen Bericht, liebe Petra und herzlichen Glückwunsch zum 3. Platz! Es spielt wirklich keine Rolle, ob nur 3 Läuferinnen oder die Marathon-Distanz nicht ganz zurückgelegt
wurde, es war ein schönes Lauferlebnis und das zählt! Und wird vielleicht auch etwas mehr als manch "richtiger" Marathon in Erinnerung bleiben.


LG Marianne

Petra 10/07/2012 19:16


Liebe Kornelia,


 


du hast recht. Darauf kommt es nicht an. Wichtig war nur, daß es Spaß gemacht hat. Und das hat es!


Viele liebe grüße


Petra