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Veröffentlicht von Petra

Dieses Wochenende war für mich persönlich ein ganz Besonderes. Ein 24 Stundenlauf wollte ich bestreiten. Noch nie zuvor hatte ich mich an so etwas herangewagt, zu unvorstellbar erschien es mir...
Doch dann las ich im Streakrunnerforum von diesem Lauf. Da in meinen ziemlich straff geplanten Laufwochenenden genau an diesem Wochenende noch eine Laufveranstaltung reinpasste, war der Entschluß sehr schnell gefasst. Ich werde laufen und werde es einfach mal testen, mal sehen, was so geht.


Besonders symphatisch fand ich es, daß es sich um eine Benefizveranstaltung handelte, deren Reinerlös einer Behindertenschule in Breitscheid zu Gute kam. Und um es gleich vorwegzunehmen - ich fand es toll, wie auch die Behinderten und ihre Lehrer in dieses ganze Event integriert waren und jeder so, wie er konnte auch selbst teilnahm.

Das galt natürlich für alle - jeder wie er will und kann. So konnte man auf der Runde nicht nur eine Einradfahrerin oder eine Rhönradtruppe bewundern, sondern es waren Skater, Walker, Läufer und auch Radfahrer unterwegs. Mich persönlich hat es nicht gestört, die Strecke war nicht überfüllt. Nur die Autofahrer waren mitunter nervig.

Aber nun der Reihe nach. Gegen 13:00 Uhr wollten mich Esther und HD abholen und gemeinsam im Bussi wollten wir nach Breitscheid fahren. Soweit der Plan. Es wäre auch alles gut gegangen, aber Bussi hatte sich entschieden, zu streiken. Also - Planänderung und ich fuhr mit dem eigenen Auto los. Wie ich nach dem Lauf wieder nach Hause komme, darüber machte ich mir erstmal keine Gedanken - Hauptsache ich kam pünktlich zum Start um 18:00 Uhr an.


Aber es war Freitag nachmittag und der eine oder andere Stau zerrte schon an meinen Nerven. Aber kurz nach 17:00Uhr war ich dann doch da und schaffte es sogar noch, mein Basislager einzurichten. Naja, nicht ganz allein. Ein Ultraläufer hatte wohl meinen hilflosen Blick bemerkt und ist mir umgehend zu Hilfe gekommen...

Basislager


Ich hatte alles eingepackt, was mir so einfiel und ich hoffte, für die 24 Stunden würde es ausreichend sein.

Punkt 18 Uhr wurden wir auf die Strecke geschickt. Ganz stolz trug ich mein Streakrunner Shirt und hoffte, daß mich Reinhard und Christoph beim Überholen erkennen.

Chrisoph und Lina sahen wir dann auch sehr schnell - die beiden liefen zügig ihre Runden... Nach einer Weile schloß Reinhard zu mir auf. Er war etwas später angekommen und gestartet. Wir liefen zusammen weiter. Nach der zweiten Runde erspähten wir Esther, HD und Grobi, die gerade eingetroffen waren.

Zwar nicht mit Bussi, aber es gibt ja glücklicherweise noch einen PKW.

Die nächste Runde liefen wir alle gemeinsam, auch Grobi hatte seinen Spaß.
Wie es so ist, wenn Streakrunner im Rudel auftreten, wurden wir auch immer mal wieder angesprochen. Nachdem Estherli aufhörte, liefen wir mit HD weiter. Leider hat es Grobi wohl nicht so gut gefallen, ohne Frauchen weiterzulaufen. Nach der Hälfte der Runde wollte er nicht mehr und Herrchen hatte so seine Mühe, ins Ziel zu kommen...

Nun lief ich allein mit Reinhard weiter. Das Tempo war für mich o.k., obwohl ich die Befürchtung hatte, daß es für einen 24 Stundenlauf zu schnell ist. Aber wir konnten uns locker unterhalten - das ist doch immer das sichere Zeichen, daß man nicht zu schnell läuft...


Wir liefen Runde für Runde... Es war Nacht und empfindlich kalt geworden. Die Strecke sah komplett anders aus im Dunkeln. Ich war froh, daß ich nicht allein war. An ganz dunklen Stellen standen zwar Lampen und ich hatte auch meine Strinlampe dabei, aber ich war trotzdem froh, daß Reinhard bei mir blieb.


Mitternacht - wir hatten gerade den ersten Marathon (der erste Marathon - wie das klingt...) geschafft - liefen wir erst einmal unsere Streak und liesen dafür die Getränkestelle links liegen.
Die Getränkestelle unterwegs wurde äußerst liebevoll von einem älteren Ehepaar in ihrer Hofeinfahrt betrieben. Jeder Ulraläufer schrieb auf seinen Becher seine Startnummer und fand in der nächsten Runde den Becher wieder voll vor. In der Nacht oder wenn gerade mal keiner da war, füllten wir unsere Becher selbst. Sogar ein kleiner Fernseher wurde aufgestellt, damit wir über das Spiel unserer Fußball-Nationalmannschaft auf dem Laufenden blieben. Das ist doch Service, oder?


Nach der 10. Runde lies ich Reinhard ziehen. Ich beschloß, noch eine Runde zu gehen und mich dann hinzulegen. Auch diese Runde mußte ich nicht allein bewältigen. Ich lernte Inge vom Marathonteam Ratingen kennen. Gemeinsam liefen wir durch die Nacht und die Runde verging wie im Flug.
Gegen 2:00Uhr verabschiedeten wir uns. Nach einer heißen Dusche fiel ich in meinen Schlafsack und schlief wie ein Murmeltier... Ohne Wecker wäre ich wohl nie wieder munter geworden. Aber pünktlich 6:00Uhr klingelte es. Wider Erwarten hatte ich keine Probleme aufzustehen und es fühlte sich sogar richtig gut an, als ich wieder loslief. Es war ziemlich kalt, aber nach wenigen Kilometern schon war ich wieder warm. Die erste Runde in den neuen Morgen hinein war wunderschön... Der Nebel lag auf den Feldern, die Schafe wurden wieder wach, an den Gittern der Gartenzäune spiegelten sich die Spinnennetze. Alles war ruhig, auch auf der Strecke war noch nicht viel Betrieb.


Gegen 9:00 Uhr wollte Kornelia kommen - bis dahin wollte ich 3 Runden laufen in Ruhe gefrühstückt haben. Was gäbe ich jetzt für einen heißen Kaffee! Das kalte Sprudelwasser ging um die Uhrzeit gar nicht. Eine nette Dame vom TUS Breitscheid spendierte mir noch vor der offiziellen Frühstücksbeginn einen Kaffee - ich war ihr so dankbar und habe mich riesig gefreut.

Später beim richtigen Frühstück traf Kornelia ein. Wir haben uns sehr gefreut, daß wir uns nun auch mal im "richtigen Leben" kennenlernen. Von nun an hatte ich wieder Begleitung und es machte gleich nochmal so viel Spaß. Bei mir lief es immer noch locker und ich wunderte mich schon über mich selbst. 70km, 75km, 80km...
Inzwischen war auch Esther wieder da und mit ihr, Kornelia und Grobi hatte ich sogar einen richtigen  Fanclub um mich herum... Wir fielen auf, mit unseren Streakrunner - Shirts...

Kornelia lief absolut locker, es ging ihr richtig gut und so beschloß sie, in ihrem Tempo allein weiterzulaufen - wenigstens noch 10km - oder doch noch mehr?
Für Esther war nach 15km Schluß - was auch sehr vernünftig war. Immerhin hatte sie for Sonntag einen 28km Lauf geplant. Da sollte sie schon ihre Kräfte sammeln.

Nach der 20. Runde und dem Erreichen der 100km Marke legte ich nochmal eine Duschpause ein - ich wollte endlich frische Laufklamotten anziehen. Danach war irgendwie die Luft raus, anlaufen ging nur sehr mühselig. Kurz vor Ende der Runde 21.Runde traf ich wieder auf Inge. Leider hatten wir uns den ganzen Tag aus den Augen verloren. Sie war kurz nach mir wieder auf die Strecke gegangen und hatte auch 100km geschafft.
Wir beschlossen, nochmal eine Runde zusammen zu gehen. Laufen ging bei ihr nicht mehr und ich war auch ganz froh, mal eine Runde nicht laufen zu müssen.

Gegen 16:30Uhr waren wir zurück. Inge verabschiedete sich von mir und ich zog los - auf meine nächste und letzte Runde.

Da es hier um nichts ging und es auch keine Restmetermessung (oder wie nennt man das?) gab, hatte ich alle Zeit der Welt für diese, meine letzte Runde. 2 Runden waren nicht mehr schaffbar, also nutzte ich diese Runde, um mit dem Fotoapparat die Stimmung der Laufrunde einzufangen, genoß die Landschaft und saugte noch einmal die Atmosphäre dieses wunderschönen Spätsommertages in mir auf.

 

Impressionen von der Strecke3

 

Impressionen von der Strecke2

 

Impressionen von der Strecke

 

 

Ach ja - das hier ist Thorstens Meditationsbank. Aber wer und wo ist Thorsten? Wir haben ihn nie auf der Bank gesehen. Richtig - Thorsten hatte keine Zeit zum meditieren - er ist  den ganzen Tag gelaufen....

 

Impressionen von der Strecke7

 

Noch einmal mußte ich den "Himalaja" - den etwa 10m hohen "Berg" kurz vorm Ziel "besteigen".
Dann war es geschafft! 24 Sunden  laufen, laufen,laufen, laufen... 115km hatte ich in den Beinen.

Wow -115 km, das hätte ich nie geglaubt! 100km war mein heimliches Ziel und ich freu mich sooo sehr, daß es sogar 115km geworden sind.

 

Geschafft


Kornelia und Esther erwarten mich. Ich blickte in Kornelias glückliche Augen und wußte - sie hat ihren ersten Marathon seit dem erneuten Laufbeginn geschafft.
Tja und dann bogen HD und mein Mann um die Ecke. HD war extra mehr als 400km gefahren, um meinen Mann abzuholen, damit ich mich jetzt nicht selbst hinters Steuer setzen muß.
Ich war so glücklich und deshalb jetzt nochmal ein ganz herzliches Dankeschön dem weltbesten Betreuerteam!

Tja - und nun ist ein Tag vergangen. Es geht mir gut, auch wenn ich ziemlich kaputt bin. Mein Gang ist recht unrund, aber mein heutiges Läufchen habe ich gut hingekriegt. Am Fuß habe ich eine dicke Blase, aber sonst ist nichts weiter lädiert.
Die Blase und der "Eiergang" werden vergehen, aber der Stolz über das Erreichte wird bleiben.


Der Helen Keller Schule wurde zum Abschluß unter großem Beifall ein Scheck in Höhe von 5555€ übergeben. Es ist ein gutes Gefühl, laufend geholfen zu haben.

 

Ein ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an die Organisatoren  vom TUS Breitscheid für diese liebevoll organisierte Veranstaltung. Laufen ohne Leistungsdruck und dazu noch für einen guten Zweck - da werde ich gerne wiederkommen!

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Petra 09/15/2010 20:43



Vielen Dank, lieber Holger! Über deine Glückwünsche freue ich mich ganz besonders. Ja, ein wenig verrückt bin ich schon - aber das sind wir doch alle ein wenig...


Mittlerweile sind 10 Tage seit Breitscheid vergangen und ich fühle mich schon wieder topfit. Es ist erstaunlich, wie schnell der Körper inzwischen regeneriert. Das hätte ich mir nie träumen
lassen.


Viele liebe Grüße zurück


Petra


 



Holger 09/15/2010 11:34



Hey Petra,
da fällt mir wieder nichts mehr ein als "Verrücktes Huhn!" :-)
Warum hab ich nur den Artikel jetzt erst gelesen? Das ist ja ein tolles Erlebnis und ein schöner Bericht, menno, menno! Glückwunsch ohne Ende zu dieser Leistung!
Liebe Grüße vom Holger


 



Petra 09/15/2010 05:25



Hallo lieber Martin,


naja - leicht war es nin nicht gerade. So nach km 90 wurde es schon ganz schön hart. Aber das gehört beim Ultralaufen auch dazu. Und trotzdem macht es Spaß.


Bei dieser Veranstaltung aber konnte ja jeder laufen, wie er mochte. Du hättest dich in Breitscheid bestimmt wohl gefühlt.


Viele liebe Grüße


Petra



Martin 09/14/2010 22:56



Wie du es so schreitts, ist es ja fast leicht mal so eben über 100km zu laufen Für mich nicht vorstellbar- aber so eine
Veranstaltung schon. Ich glaube ich würde mich da auch wohl fühlen ! Herzlichen Glückwunsch!



Petra 09/08/2010 21:54



Da freu ich mich gleich mit!