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Veröffentlicht von Petra

Freitag Abend
Ich lese von der Erkrankung einer lieben Lauffreundin. Für Elke ist das eingetroffen, vor dem ich mich immer vor einem Marathon gefürchtet habe. Krank zu werden, und die Entscheidung treffen zu müssen, auf den Start zu verzichten. Auf dem sie sich soooo lang gefreut hatte.
Ich saß auf der Couch, der Laptop auf`m Schoß und ich freute mich auf ein ruhiges Wochenende. Samstag ein wenig von der Athmosphäre auf der Messe schnuppern, Sonntag ein kleines Läufchen zu Haus und dann Marathon schauen beim HR3, ein wenig Haushalt und ein wenig "Abruhen".
Dann las ich Elkes Frage: Will vielleicht jemand von euch? Mein erster Gedanke - ein Lauffreund wollte vielleicht kommen, da könnte er ja. Ich konnte ihn nicht erreichen. Inzwischen schrieb mir Elke eine Vollmacht zum Abholen der Startunterlagen. In der Shoutbox las ich: "Eine liebe Freundin wird für mich laufen". In diesem Moment war mir klar, daß ich es wollte. Laufen für`s Elkli, damit der Schmerz vielleicht nicht mehr ganz so tief sitzt.

Samstag Morgen
Auf der Läufermesse. Ummeldung, alles ist klar. ich habe eine Startnummer und bin dabei. Nun gibt es kein zurück mehr. Ich gehe zum Vereinsstand und überrasche meine Vereinskameraden von meiner Entscheidung. Sie haben vollstes Verständnis, daß ich mich zwischendurch immer mal wieder hinsetze. Den ganzen Tag stehen wär vielleicht nicht so gut.
Mittags treffe ich erst Esther, dann kurz darauf Gerd. Freue mich riesig. Esther verstaut ein Gel und will es mir am km 35 geben. Gerd ist gut drauf und freut sich sehr, daß ich auch mitlaufe.
Nicht allzuspät verabschiede ich mich und nach einem lecker Abendbrot mit meiner Familie in einer Frankfurter Szenekneipe (Die Kuh,die lacht - sehr zu empfehlen) fahren wir heim. Ich packe meine Sachen und gehe gleich ins Bett.

Sonntag Morgen

Glücklicherweise ist die Nacht eine Stunde länger, so daß ich pünktlich 10.00 Uhr ausgeschlafen an der Startlinie stehe. Oder sagen wir mal 15 Warteminuten davor. Genauso lange dauert es nämlich bis ich an selbige komme.
Ich lerne eine junge Frau kennen, die ihren ersten Marathon läuft und ihre Aufregung nicht verbergen konnte. Ich mache ihr Mut und gemeinsam laufen wir über die Startlinie. Bald ist sie meinen Blicken entschwunden. Später lese ich, daß sie nach 4:15 erfolgreich gefinisht hat.

Meine ersten Schritte, in Gedanken an Elke. Sie wird sich bestimmt gerade nicht gut fühlen, unglücklich sein. Meine Gedanken wandern immer wieder zu ihr. Dieser Lauf hat für mich eine besondere Bedeutung.
Die ersten Kilometer laufen gut, fast zu gut. Die Zeitvergleiche mit meinem Armbändchen zeigen, daß ich eigentlich viel zu schnell unterwegs bin. Aber es fiel mir schwer, mich zu bremsen. Auch wenn ich mir ziemlich unsicher war, ob ich die Auswirkungen der kürzlichen Blutspende doch noch zu spüren bekommen würde.

Die Stimmung war grandios. Ich lies mich von ihr tragen. Bei km 7 wurde ich sogar mit meinem Namen begrüßt - ich glaube, in diesem Moment wuchsen mir Flügel. Bald ging es hinaus in Richtung Niederrad.
Dort, kurz vor dem HM Punkt stand meine Tochter. Es ist so schön, wenn man seine Lieben am Streckenrand sieht!


Ich gab ihr meine Armlinge, für die es mittlerweile viel zu warm war. Ich war sehr froh, daß ich mich für das kurze Shirt entschieden hatte. Katrin lief ein paar Schritte mit mir und verabschiedete sich dann. Am km 30 würde sie wieder da sein.
Ich lief weiter zum HM Punkt. Irgendetwas um 2:16 rum mußte meine Zeit liegen. Das wäre meine zweitbeste HM Zeit überhaupt - und das, obwohl noch mal ein HM vor mir liegt.

Es ging mir immer noch gut, auch wenn ich das Gefühl hatte, daß die Beine ein wenig schwerer wurden.
Die nächste Etappe war km 25. Dort wollte ich ein erstes Gel zu mir nehmen. Es ging durch Höchst, wo die Stimmung am Kochen war. Etwa bei km 29 bogen wir auf die Mainzer Landstraße ein. Jetzt kam das schwerste Stück. Kilometerweit nur gerade aus. Es ist das Teilstück, das am Wenigesten von Zuschauern bevölkert ist. Aber meine Tochter würde bei km 30 stehen - dies war mein nächstes Ziel. Ich freute mich riesig, als ich sie erblickte und noch mehr, als sie mir sagte, daß mein Mann bei km 33 auf mich wartet.



Beflügelt lief ich weiter, nur noch 3km bis zum nächsten Höhepunkt. Bisher hatte ich noch keine Gehpause eingelegt und ich spürte, daß es auch nicht notwendig war. Mein Tempo wurde etwas langsamer, aber ich lag immer noch deutlich unter meiner Zielzeit.



Kein einziges Mal kam der Gedanke auf, warum ich mir dies antue. Ich wollte und will es - für`s Elkli und für mich.
Die Zeit flog dahin und schon sah ich meinen Mann, der noch gar nicht mit mir gerechnet hatte. So gab es eine herzliche Begrüßung, aber kein Foto von dieser Stelle

Mittlerweile war ich schon fast wieder im Zentrum. Kurz vor km 35. Schon von weitem sah ich Esther, die mit meinem Gel in der Hand auf mich zukam und ein paar Schritte lief. Danke, liebe Esther für diesen schönen Höhepunkt!

Nun wurde es doch schwerer, die Schritte liefen niocht mehr so flüssig. Ich begann rückwärts zu zählen... noch 7km,6,5,4....
Ich lief durchst Zentrum von Frankfurt. An jeder Ecke spielten Bands, die Zuschauer jubelten und trugen mich quasi immer weiter.
Am km 40 ertönte laut "the final countdown". Ich bekam eine Gäsehaut, die mich bis ins Ziel nicht mehr loslies.
Ich lief einfach nur noch und lief und lief und freute mich auf den roten Teppich, auf den Zieleinlauf, auf die Stimmung in der Festhalle. Die letzten beiden Kilometer waren einfach die Schönsten!
Jetzt ging es links weg, die Zuschauer standen im dichten Spalier und spendeten frenetischen Beifall. Festhalle - ich komme!
Und dann der Eintritt in diese fantastische Athmosphäre! Eine Mischung aus Tränen, Jubel, Freude, Ergriffenheit - ich habe es so genossen!



In Gedanken an Elke lief ich durchs Ziel. Ich hab`s geschafft, ich habe dieses Läufle zu einem glücklichen Ende gebracht.
Tja und die Zeit? Ich habe meine Bestzeit von Berlin doch tatsächlich nochmal getoppt - und das um fast 7 Minuten.


In der Dusche hatte ich dann noch eine ganz überraschende Begegnung - mit Julia, mit der ich gemeinsam den HM in Marburg gelaufen bin. Erinnert ihr euch? Julia hat damals so gekämpft, um diesen HM zu schaffen und nun hat sie ihren ersten Marathon gefinisht und das in einer super Zeit!

Herzlichen Glückwunsch, liebe Julia! Mach weiter so. Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinem großen Vorhaben!

Nun werde ich meine "Restprogramm" des Jahres nochmal überdenken. Nächste Woche beim Gipfellauf werde ich wohl nicht die volle Strecke laufen und der geplante Zeiler Marathon gibts auch als Halben.
Vielleicht werde ich diesen mal mit unserer Truppe walken. Aber mein Mann hat mir gleich erklärt, daß er schon ein ordentliches Tempo vorlegen will - einen Spaziergang wird es nicht geben. Ob ich mich darauf einlasse?

Weitere Bilder findet ihr hier

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Schramm Betten 05/17/2011 18:52



ich habe noch nie einen Marathon mitgemacht aber dein Blog motiviert mich echt es mal anzupacken!



Dirndl 05/17/2011 18:50



Respekt Petra, da sieht man eine Power-Frau! gibts eh zu wenige ;)



Polsterei Sattlerei 02/17/2011 10:23



Sauber Petra, respekt für die Leistung, viel zu wenige machen noch Sport!



Petra 11/01/2009 20:02


Vielen Dank, liebe Katrin!
Ich glaube, ich lebe gerade wirklich im Energieüberschuß!

Martin - einen Marathon kann man doch gar nicht verschlafen...

Viele liebe Grüße
Petra


Katrin 10/30/2009 22:17


Herzlichen Glückwunsch liebe Petra! Du bist ja ein wahres Energiebündel, wahnsinn . Wie machst du das nur? Und immer
schneller wirst du auch noch . Ich glaube ich muss auch mal anfangen täglich zu laufen .
Sei lieb gegrüßt, Katrin