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Dieses 3. Gebot der Kölner Lebensart hat für mich inzwischen eine ganz besondere Bedeutung. Als ich vor einigen Monaten ein paar Tage in Köln arbeitete, bekam ich eine Tasse mit eben diesem Gebot geschenkt. Sie ist seither meine Lieblingstasse - und mein Motto ist es schließlich auch: Es wird schon alles gut gehen!
Am Wochenende waren wir also wieder in Köln. Diemal gemeinsam mit meinem Mann Rainer und einer ganzen Truppe von Läufern meines Vereins - dem GutsMuths-Rennsteiglaufverein.
Der Tag des Kölner Marathons war diemal ein ganz beonderer Tag - der 20. Jahrestag der deutschen Einheit. Dies war auch der Anlass für die 10 Freistarts, die unser Verein bekam. Gemeinsam mit den Kölneren würden wir dieses Feiertag begehen. Grenzenlos laufen also.
Bereits am Freitag Abend reisten wir an, weil wir ja schließlich nicht nur laufen, sondern uns auch die Stadt ansehen wollten - uns kulturell bilden sozusagen. Den ersten Kulturschock erhielten wir allerdings gleich erstmal im Hotel, als uns die nette Empfangsdame mitteilte, daß seit dem 1. Oktober 5% des Übernachtungspreises zusätzlich anfallen - und zwar als Kulturabgabe an die Stadt Köln. Naja, so hatte ich mir die Kultur zwar nicht vorgestellt, aber was blieb uns anderes übrig...
Den Abend verbrachten wir bei einem gemütlichen Essen in einer Brauereigaststätte und konnten hier schonmal einen kleinen Einblick in die Kölner Lebensart gewinnen. Es war sehr gemütlich - und
sehr laut. Die Kölner lieben ihr Kölsch, und wenn man da ein paar getrunken hat, muß man sich eben lauter unterhalten. Später erzählte uns ein Taxifahrer, daß die Kölner immer jemanden zum
quatschen brauchen, deshalb wären auch nicht nur am Wochenende die Kneipen voll...
Am Samstag war also Kultur angesagt - der Kölner Dom, die Einkaufsstrasse, der Rhein...
Besonders beeindruckt hat mich die Rheinbrücke, auf der unzählige Vorhängeschlösser hängen. Verliebte kaufen sich diese, ketten sie an den Zaun und werfen zum Zeichen ihrer ewigen Verbundenheit den Schlüssel in den Rhein.
Ich bin mir zwar nicht sicher, ob die Kulturabgabe auch für die Erhaltung dieses Zaunes genutzt wird, aber ich finde die Idee süß... Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen
Pärchen...
Natürlich haben wir uns auch den Kölner Dom angeschaut - der wirklich sehr beeindruckend ist und haben dabei gelernt, daß der Kölner Dom keinen Eigentümer hat, sondern sich selbst gehört.
Da ich am nächsten Tag einen Marathon laufen wollte und ziemlich früh pflastermüde wurde, beschlossen wir, den kulturellen Teil zu beenden und zur Marathonmesse zu fahren. Dort trafen wir uns mit den Läufern unseres Vereines, holten die Starunterlagen und verabredeten uns zum gemeinsamen Pastaessen bei einem Kölner Italiener.
Wir haben viel gelacht - auch wenn es eine gefühlte Ewigkeit gedauert hat, bis wir unser Essen bekamen. Vielleicht hatten wir gerade deshalb soviel Spaß. Die Vorfreude war riesig - bei uns allen.
Am nächsten Morgen trafen wir uns eine Stunde vorm Start zum Fototermin - natürlich am Rhein mit dem Dom im Hintergrund... Es sollte schließlich jeder sehen, wo wir waren.
Wir quatschten noch eine ganze Weile, so daß ich immer nervöser auf die Uhr schaute und drängelte... Endlich gingen wir zum Start. Wir verabschiedeten uns und jeder ging zu seinem Startblock.
Gemeinsam mit Gabi stand ich im letzten Startblock, wie es sich (für mich) gehört. Es gab einen ziemlich konsequenten Blockstart mit Androhung von Disqualifikation, wenn man sich in einen
anderen Block reinmogelt.
Das hatte ich ja ohnehin nicht vor. Es ist viel schöner zu überholen, als nur überholt zu werden.
Die Stimmung war bereits beim Start der Elite am Kochen - die Musik lies keinen Zweifel daran, daß wir in der Karnevalshochburg in Köln waren.
Richtig Gänsehaut aber bekam ich, als dem Anlass entsprechend die deutsche Nationalhymne erklang. Das war einfach ein sehr bewegender Moment.
Nach einer gefühlten Ewigkeit war nun auch der letzte Startblock dran. Erst kurz vor 12:00 Uhr fiel auch für uns mit 10minütiger Verspätung der Startschuß. Die Zielschlußzeit von 6 Stunden war
allerdings die Bruttozeit - die letzte Startgruppe hatte damit von vornherein nur 5 1/2 Stunden. Es wurde rigoros angekündigt, daß es keine Zugeständnisse gibt und der Besenbus alle zu langsamen
Läufer einsammelt. Die Strasse muß pünktlich wieder freigegeben werden.
5 1/2 Stunden das ist eigentlich keine Zeit, vor der ich Angst haben muß - und trotzdem habe ich mich damit unter Druck gesetzt. Anstatt wie immer langsam loszulaufen, lief ich viel zu schnell.
Obwohl die Sonne erbarmungslos brannte, fühlte ich mich supergut und ich merkte gar nicht, wie ich immer schneller wurde...
Es kam, wie es kommen mußte. Bereits vor der Halbmarathonmarke spürte ich, daß ich meine Zielzeit nicht nur um eine Stufe, sondern gleich mehrere Stufen nach unten korrigieren mußte. Mir wurde
ziemlich übel, die Hitze erschien mir unerträglich.
An den Verpflegungsstellen gab es Wasser und Bananen. Ich hatte mir keine Trinkflasche mitgenommen, weil mir dies normalerweise reicht. Aber an diesem Tag wäre ich so froh gewesen, wenn ich
zwischendurch noch was hätte trinken können. Ich versuchte meinen Mann zu erreichen, aber da hatte ich keine Chance, daß der Klingelton gegen den Lärm am Rudolfplatz ankommt.
Ich versuchte, mich auf die vielen schönen Eindrücke um mich herum zu konzentrieren. Die lustig verkleidenen Läufer, die Stimmungskanonen am Strassenrand, das Gänsehautfeeling... und immer mal
wieder gelang mir auch ein Lächeln.
Auch ein Schornsteinfeger war dabei...
Die Stimmung am Straßenrand war genial, immer wieder sangen die Zuschauer und feuerten uns Läufer an.
Trotzdem fiel es mir immer schwerer. Meine eiserne "Notreserve" bestand aus 2 Gels. Ich beschloß, das erste Gel am km 33 zu mir zu nehmen. Bis dahin mußte ich durchhalten... Wo war denn der Tag,
an dem ich 115km lief? Man kann es einfach nicht vergleichen. Ultralaufen ist was ganz anderes. Langsam laufen macht viel mehr Spaß.
Ich quälte mich, wie ich mich noch nie quälen mußte.
Als ich dann mein Gel in Wasser aufgelöst trank, spürte ich schon nach kurzer Zeit, daß ich wieder in den Laufschritt verfallen konnte. Vorher hat mir einfach die Energie gefehlt. Vielleicht
hätte ich auch früh mehr essen sollen. Solch einen späten Start hatte ich ja noch nie.
Als ich wieder in der Innenstadt war, nahm ich das 2. Gel und ich konnte wieder richtig laufen. Das Ziel war nah und inzwischen wußte ich auch, daß mir der Besenwagen nicht mehr gefährlich werden
kann.
Und da sah ich es - auf einem Riesenplakat stand das 3. Gebot der Kölner Lebensart - Et hätt noch immer joot jejange!
Jawoll - es würde alles gut gehen! Kurz vorm Zieleinlauf hatte ich einen solchen Energieschub, daß ich förmlich ins Ziel flog und einen richtigen Endspurt hinlegen konnte.
Trotzdem wollte sich nicht so die rechte Freude einstellen, die Enttäuschung saß ziemlich tief.
Aber später, als wir mit den anderen Läufern des Rennsteiglaufvereines zusammensaßen und unserer akuten Enthopfung entgegenwirkten, ging es mir schon besser und ich freute mich, daß ich
durchgehalten hatte. Auch wenn die Zeit nicht so dolle war. Aber ich bin ins Ziel gekommen.
Ich glaube, ich bin am Sonntag ein wenig an meinem zu hoch angesetzten Ziel gescheitert. Als ich gemerkt habe, wie heiß es wird, hätte ich gleich 2 Gänge runterschalten müssen. Dann wäre
ich nicht so eingebrochen und hätte wahrscheinlich viel mehr Spaß gehabt.
Trotzdem war es ein wunderschönes Wochenende, daß wir in vollen Zügen genossen haben. Es war ein Marathon, den man wohl mit keinem anderen vergleichen kann. Es war ein wenig wie Karneval -
thematisiert zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit. Da liefen "Pioniere" herum , verkleidete Volkspolizisten und es wurde sogar ein Trabi über die gesamte Marathonstrecke gezogen.
Die Kölner sind ein einfallsreiches Völkchen, die machen und haben Spaß.
Vielleicht sollten wir doch mal zum Karneval kommen?
Ach übrigens - ehe ich das vergesse: Als ich vom Duschen kam, wurden gerade die letzten Läufer angekündigt. Die Zielzeit war längst überschritten, aber es wurde trotzdem auf jeden gewartet und der Allerletzte bekam ein T-Shirt geschenkt.
Das fand ich megaklasse!. Danke Köln, daß ihr auch ein Herz für die langsamen Läufer habt!
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