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Veröffentlicht von Petra

Eigentlich versuche ich immer, einen Laufbericht zu schreiben, solange der Endorphingehalt im Blut noch recht hoch ist...

Aber diesmal mußte der Bericht eine Woche warten. Aber wenn ich heute zurückblicke, ist die Freude über den gelungenen Lauf noch immer tief in mir.

In Frankfurt laufen - das ist immer wieder ein Höhepunkt für mich. Es ist praktisch fast vor der Haustür... und ich treffe viele befreundete Läufer.

Und er hat noch einen Vorteil: Unsere Freunde sind immer mit dabei, Frank läuft ebenfalls mit, meine Tochter ist and der Strecke und meine Familie und Freunde  erwarten mich im Ziel. Es ist einfach perfekt.

Bereits am Tag vorher war ich auf der Messe, holte meine Startunterlagen und traf mich mit Esther, HD, Sven, Gerd und Christine - allesamt Streakrunner und mit Daniela, Tom, Katrin, Marc und den anderen Radiergummis.

Beim gemeinsamen Nudelessen mit den Radiergummis wurde auch die Idee geboren, statt den geplanten "Ich laufe locker in 5 Stunden" einen etwas ehrgeizigeren Tempolauf zu machen und mal zu sehen, was so drin war.

Also verabredete ich mich mit Daniela um das (über?)ehrgeizige Ziel von 04:30:00 in Angriff  zunehmen. Im Grunde genommen war es klar, daß diese Zeit für mich Utopie ist, aber irgendwie ein bisschen in die Nähe zu kommen, das wäre schon schön.

Gedankenverloren stand ich in der Festhalle, kurz vorm Zieleinlauf. Wenn ich morgen hier bin, habe ich es geschafft. Ich spüre das Kribbeln und die Gänsehaut.  Ein Marathon ist nach wie vor für mich etwas ganz Besonderes. Und erst recht der in Frankfurt.

 

Festhalle Zieleinlauf

 

Am nächsten Morgen - und einer um einer Stunde verlängerten Schlaf - machte ich mich auf den Weg nach Frankfurt. Es war eisig kalt, die Temperatur lag im Minusbereich. Aber es sah nach einem schönen, sonnigen Tag aus. Warm würde es mir beim Laufen werden, da war ich mir ganz sicher.

Es war unheimlich voll auf den Strassen und in der Festhalle,  es war fast unmöglich, jemand gezielt zu finden. Wenigsten konnte ich kurz Frank, Esther, HD, Christine, Gerd und Renate begrüßen, die ich dann letztendlich auf dem Weg zum Startblock "verlor".

Ich reihte mich in der Nähe einer 4:30 Zugläuferin ein und hoffte vergeblich, Daniela zu entdecken. Aber keine Chance, es war einfach zu voll.

So lief ich allein los, mit dem Ziel, so schnell zu laufen, wie es eben geht... Schon nach wenigen Kilometern war mir innerlich warm, trotz der Eiseskälte. Ich hatte genau die richtige Kleidung gewählt und fühlte mich einfach wohl.

Schon nach kurzer Zeit war die Zugläuferin meinen Blicken entschwunden. Aber sie war mir einfach zu schnell. Mein Gefühl war richtig, nicht in diesem Tempo mitzugehen. So versuchte ich, mein eigenes Tempo zu finden, meinen eigenen Rhythmus.

Von Kilometer zu Kilometer fühlte ich mich wohler, ich genoß die Athmospäre der Bankenmetropole und der vielen Tausend Menschen an der Strecke. Ich war mitten im Pulk und freute mich auf jeden einzlnen Schritt.

Ich lief gleichmäßig und hatte das Gefühl, daß es gar nicht so langsam war. Plötzlich sah ich den zweiten 4:30 Läufer mit seinem gelben Luftballon vor mir - höchstens 30m von mir entfernt.

Das gab mir einen plötzlichen Auftrieb und ich blieb dran. Wie lange, das würde sich zeigen.

Etwa nach 20km wartete Katrin an der Strecke auf mich, um mich anzufeuern. Das ist immer einen Riesenfreude für mich, sie an der Strecke zu sehen.

 

KM 21

 

KM 21 (2)

 

Es ging mir super gut und ich hoffte, daß es so blieb... Weiter ging es. Über die Brücke, hinein nach Höchst, über die Nidda zurück in Richtung Innenstadt.

Km32. Plötzlich wollen meine Beine nicht mehr. Es ist als geht plötzlich gar nichts mehr. Der Hammermann sagt mir freundlich guten Tag und will ein Weiterlaufen verhindern. Ich muß einen Gehpause einlegen. Der Mann mit dem 4:30 Luftballon ist meinen Blicken entschwunden. Keine Chance, ihn wieder einzuholen.

Schön, daß Katrin nochmal an der Strecke steht. Ich kann meinen Frust mit ihr teilen und erkläre ihr, daß ich jetzt kämpfe, um ins Ziel zu kommen und irgendwie hoffe, daß wenigstens unter 5 Stunden zu schaffen. Sie macht mir Mut und ich laufe weiter. Versuche es zumindestens.

Die nächsten Kilometer sind quälend und scheinen sich ewig hinzuziehen. Katrin taucht noch mal auf und ich kann zumindestens noch lächeln...

Freude am Laufen

 

Aber es wird nie nur schlechter, irgendwann, so ca bei KM 36 ging es mir plötzlich wieder besser. Ich kam wieder in meinen Rhyhmus und lief und lief und konnte wieder meine Schritte genießen.

Das sind wohl die Momente, über die man sich während eines Marathons besonders freut. Es ist alles vergessen, die Qual der letzten Kilometer.

Ich laufe über den Opernplatz, die Hauptwache, wieder zurück zum Opernplatz. Die Messe ist nicht mehr weit. Überall ist Stimmung, an fast jeder Ecke spielt eine andere Band.

Meine Beine laufen von ganz allein, locker und leicht wie am Anfang. Der 4:45 Zugläufer hatte mich nicht eingeholt, es schien doch noch eine ordentliche Zeit zu werden.

Vor mir taucht der Messeturm auf - das Ziel ist nicht mehr weit... Ich biege ein in den Zielkanal. Die letzten Meter, der Einlauf in der Festhalle... Ich sehe nichts mehr und höre nichts mehr. Genieße die Meter auf dem Roten Teppich, spüre die Gänsehaut und die unbändige Freude in mir, es wieder einmal geschafft zu haben. Ich möchte die ganze Welt umarmen.

Später erfahre ich, daß ich nach 4:35:54 über die Ziellinie gelaufen bin. Eine Traumzeit für mich, trotz des Einbruchs zwischendurch.

Voller Freude fiel ich meinem Mann und meiner Tochter in die Arme. Auch Beate, Ines und Miles waren da.  Frank hatte eine tolle Zeit hingelegt. Trotz der Kälte war er persönliche Bestzeit gelaufen.

Ich war einfach nur glücklich und freute mich auf das gemeinsame Abendessen mit unseren Freunden.

Jedes Jahr sage ich mir, daß es das letzte Mal war. Aber ich komme immer wieder. Frankfurt ist immer ein Marathon wert.

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Petra 02/22/2013 21:58


Hi Holger,


das ist aber schade... Warum hast du dich denn nicht mal vorher gemeldet?


Aber vielleicht sehen wir uns ja bei einem der Trainingsläufe, das weiß ich jetzt aber leider noch nicht.


Viele liebe Grüße


Petra

Holger 02/21/2013 08:24


Hi Petra, leider entdecke ich den schönen Bericht erst jetzt. Schade, dass wir uns in Frankfurt nicht gesehen haben, ich war ja auch dabei. Die Kälte war schon krass, aber irgendwie habe ich auch
eine Super-Zeit für meine Verhältnisse geschafft. Also, ich teile nachträglich deine Freude und hoffe, dich vielleicht im April zum Trainingslauf auf dem Rennsteig zu sehen? 
Lieber Gruß vom Holger


 

Petra 11/09/2012 22:00


Lieber Martin,


schweben ist wohl was anderes...


Aber ja, ich habe mich sehr wohl gefühlt unterwegs, zumindestens bis zu meinem Einbruch und danach auch wieder. Ein Marathon ist eben nicht das selbe wie 2x ein Halbmarathon.


Wirklich schade, daß wir uns nicht getroffen haben. Aber das war wohl fast unmöglich bei diesen vielen Läufern.


Viele liebe Grüße


Petra


 

Martin 11/08/2012 23:12


Schade Petra, dass wir uns nicht getroffen haben- aber du warst sowiess so voller Endorphine, dasss du scheinbar über der Strecke geschwebt bist! Herzlichen Glückwunsch zu deiner Zeit!

Petra 11/04/2012 19:41


Vielen lieben Dank für eure Glückwünsche! J


ja, liebe Kornelia - das war wieder ein voller Erfolg. Weil es wieder ein Sieg über mich selbst war. Weil ich mir bewiesen habe, daß man einfach nur durchs tägliche Laufen schneller werden kann
und es nicht unbedingt eines ausgefeilten Trainignsplanes bedarf. Weil ich immer noch einfach so zum Spaß laufe und es auch völlig o.k. gewesen wäre, wenn ich eine halbe Stunde länger unterwegs
gewesen wäre...


Lieber Frank,


ich habe auch an euch und euren Besuch im vergangenen Jahr gedacht... Es war ein schönes Wochenende mit euch! Vielleicht können wir das ja irgendwann mal wieder wiederholen...


Viele liebe Grüße


Petra