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Veröffentlicht von Petra

Es ist 0:00Uhr. Mein Körper will schlafen, mein Kopf sagt nein. Die Vorfreude  und die Anspannung lassen das Herz höher schlagen. Der Schlaf will einfach nicht kommen. Ich denke schon darüber nach, einfach jetzt schon loszufahren und gar nicht mehr auf den nicht kommen wollenden Schlaf zu warten.

Während ich darüber nachsinne, ob es noch Zweck hat zu schlafen, muß selbiger wohl doch über mich gekommen sein.

Kurz vor 3 stehe ich auf und schlüpfe in die bereitsgestellten Laufklamotten. Eine Schale Obst, den Läuferbeutel schnappen und los geht das große Abenteuer.

Ich drehte die Musik im Auto weit auf und genieße die Fahrt in den langsam aufsteigenden Tag. Alles war ruhig auf der Straße und mein Navi führte mich zielsicher zum Parkplatz nach Eisenach.

Es ist 5:00Uhr. Ankunft. Der Parkautomat nimmt kein Geld, obwohl später das Parken gebührenpflichtig ist. Mir wird schon ganz mulmig. Hoffentlich habe ich da morgen keinen Strafzettel am Auto kleben

- oder schlimmer noch: Die Vorstellung, das Auto könnte auf irgendeinem Abschleppplatz stehen...

Die anderen Läufer sehen es locker und ich hatte eigentlich auch keine Zeit, mich weiter darum zu kümmern. Jetzt will ich erstmal laufen gehen.

Ich habe einen kurzen Fußweg bis zum Marktplatz, der sich bereits zu füllen beginnt. Musik ertönt aus den Lautsprechern, eine fröhliche Stimmung liegt in der Luft.

 

Bild0170

 

Mein erster Weg führt mich zu den Dixies. Kaum stehe ich in der Schlange habe ich bereits die ersten schönen Begegnungen. Vor mir steht "Schleicher" Jens, der allerdings eher ein Sprinter auf Langdistanzen ist und hinter mir taucht Ines auf. Wir beide haben uns vor 2 Jahren beim Thüringen Ultra gemeinsam verlaufen - und gemeinsam den richtigen Weg wiedergefunden. Sowas schweißt zusammen und seitdem treffen wir uns immer mal wieder bei diversen Läufen.

 

Kurze Zeit später bin ich zurück auf dem Marktplatz, der sich immer mehr füllt.

 

Kurz vorm Start

 

Ich treffe immer mehr bekannte Läufer. Viele freudige Begegnungen, viele nette Gespräche lassen die Zeit wie im Flug vergehen.

Aber eine Begegnung fehlt mir noch. Ich war mit Marcel verabredet. Am Brunnen auf dem Marktplatz. Kein sonderlich guter Treffpunkt, wie ich feststellen mußte. Weil wohl noch viel mehr auf die Idee gekommen sind, sich dort zu treffen.

Ich wollte schon fast aufgeben, als er plötzlich vor mir stand -  mit ihm die Runningfreaks Melanie und Steffen und der Pfälzer Waldläufer Martin. Ich habe mich riesig gefreut über die - wenn auch nur sehr kurze - Begegnung. Leider fehlt Steffen auf dem Bild, der wahrscheinlich gerade selbst versuchte, uns auf seine Kamera zu bannen.

 

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Aber auf Martins Blog habe ich das komplette Foto mit allen entdeckt. 

Meine Laufpartnerin Ramona ist da, Laufmauselke strahlt über das ganze Gesicht, meine Freunde vom Rennsteiglaufforum, viele Täglich Läufer - es ist wie ein riesiges Treffen unter Freunden.

Ganz besonders hübsch sieht `s Elkli mit ihrem Laufröckchen aus - die Vorfreude ist ihr regelrecht ins Gesicht geschrieben.

 

Bild0177

 

Es ist kurz vor 6. Gleich geht es los. Die Musik wird lauter, das Rennsteiglied ertönt. Diesen Weg auf den Höh`n bin ich oft gegangen... Der Startschuß fällt, wir gehen langsam in Richtung Startbogen. Gleich ist es soweit. Wir laufen los. Endlich!!!!

Ein großes Banner bergrüßt die Rennsteigläufer und wünscht ihnen viel Glück. Ich gehöre dazu, bin ein Teil der großen Läuferfamilie.

Nach wenigen Metern geht es bereits steil bergauf. Ramona und ich nehmen diesen Berg im Laufschritt. Noch wird nicht gegangen, das haben wir uns für später auf.

Wir treffen immer mehr bekannte Läufer - hier ein Schwätzchen, da ein gemeinsames Lachen. Man spürt förmlich die Freude der Läufer auf ihren geliebten Rennsteig.

Noch ist es voll auf dem Weg, ja es gibt sogar einen kleinen Stau. Alles nehmen es locker. Wir haben ja noch 70km Zeit, die verlorenen Sekunden wieder rauszuholen...

Wir  finden recht schnell ein gemeinsames Tempo. Ramona könnte zwar schneller, aber sie will ihren 10. Rennsteiglauf richtig genießen. Da darf der Genuß ruhig schon etwas länger dauern.

 

Kurz nach dem Start

 

Die ersten Kilometer vergehen wie im Flug. Wir quatschen über Gott und die Welt und genießen das grün, die würzige Waldluft. Trotz der frühen Uhrzeit war es schon recht warm, fast alle Läufer hatten sich für kurze Laufbekleidung entschieden, was ja auch richtig war. Jedenfalls zu diesem Zeitpunkt.

 

Wie im letzten Jahr hatte ich mir den Lauf in 3 Etappen aufgeteilt. Die erste bis km 25 auf dem großen Inselsberg, die 2. Etappe bis zum Grenzadler bei km 55 und die letzte Etappe dann bis zum Ziel.

Aber jetzt dachte ich noch nicht an das Ziel - höchstens an das Etappenziel großer Inselsberg. Bis dahin galt es aber so einige hundert Höhenmeter zu erlaufen.

Wir beschlossen, die größeren Anstiege zu gehen, um Kraft zu sparen. Die würden wir sicher später noch brauchen. Ramona verriet mir ihre Taktik: Den Berg anzulaufen und erst später zu gehen.

Von da an suchten wir uns am Berg immer einen Punkt, bis zu welchen wir liefen. Mal war es ein kleiner Baum, mal das grüne R auf dem weißen Schild.

 

An diesem Punkt der Strecke - wir hatten gerade Evi getroffen - mußten wir uns erst einmal umdrehen und den wunderschönen Ausblick auf die Wartburg genießen und fotografieren. Soviel Zeit muß sein, wir rennen ja nicht um Sekunden...

 

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Weiter gehts, meist bergauf, selten bergab. Es wird steiler und steiler - nur noch wenige Meter trennen uns vom großen Inselsberg, unserem ersten Etappenziel.

Nach knapp 3 1/2 Stunden stehen wir hier, am Kilometerschild 25 - aus dem Handy ertönt das Rennsteiglied. Ihr wißt schon: Diesen Weg auf den Höh`n bin ich oft gegangen...

 

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Nach dem obligatorischen Fototermin laufen wir nun bergab- und das ziemlich heftig. Auf nur 1,3km geht es 150 Höhenmeter bergab - das geht ganz schön auf die Oberschenkel. Aber wir passen auf und laufen nicht zu schnell. 

Die nächste Verpflegungsstelle an der Grenzwiese ist erreicht. Wir trinken Schleim, lutschen gesalzene Zitronenecken  und befreien unsere Schuhe von diversen kleinen Steinchen, welche wir zuhauf mit unserem Schlurfschritt durch die Gegend geschleudert haben. Es ist eben ein richtiger Crosslauf, nichts für Asphaltfetischisten.

Frisch gestärkt ziehen wir weiter - in dem Wissen, daß wir beim Erreichen der nächsten Verpflegungsstelle schon die Hälfte der Strecke erreicht haben werden. Es geht bergauf, bergab - im stetigen Wechsel. Die Strecke ist abwechslungsreich und wunderschön. Die Bäume des Waldes spenden uns Schatten - ich fühle mich rundum wohl. Nur Ramona versetzte mich einen Moment in Schrecken, als sie stürzte. Aber das Knie war nur leicht aufgeschürft und sie konnte ohne Probleme weiterlaufen.

 

An der Ebertswiese erwartet uns eine große Überraschung, über die ich hier ja bereits berichtet hatte. Hier noch ein Foto von Karl Heinz, das entstand während Ramona ihr lädiertes Knie desinfizieren lies. Danke, lieber Karl Heinz - für die wunderbare Begegnung und die schönen Fotos!!

 

Die Hälfte ist geschafft

 

Immer noch verging die Zeit wie im Flug. Mittlerweile trafen sich die gleichen Läufer immer wieder - mal überholten wir, mal wurden wir überholt.

Inzwischen waren wir auf dem Streckenteil, auf dem die 36km Walker zu uns stießen. In mir keimte die Hoffnung auf, meinen Mann Rainer und meine Freunde Beate und Ines zu treffen, die diese Strecke in Angriff genommen hatten.

Ein kurzes Telefonat an diesem Kilometerschild aber sagte mir, daß es wohl nichts werden würde mit dem Überholen. Sie waren einfach zu schnell für mich...

 

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Nur noch wenige Kilometer bis zum Grenzadler - unserem zweiten Etappenziel. Dort würden Rainer, Ines und Beate in ihrem Ziel auf uns warten - war das ein schönes Gefühl!

Die letzten Kilometer bis zum Grenzadler zogen sich ein wenig. Der Himmel hatte sich zugezogen, hinter uns tat sich eine schwarze Wand auf. Plötzlich donnerte es und über uns ergoß sich ein Regenguß, der keine Stelle an unseren Körpern trocken lies... Total durchnässt kamen wir am Grenzadler an und wurden von unseren 3 Walkern herzlich begrüßt.

Leider gibt es wegen des Wetters kein Foto von unserem Treffen. Wir gingen kurz unter das Zelt, um uns ein wenig vor dem Regenguß zu schützen. Das Problem allerdings war nicht das Wasser, sondern der plötzliche kalte Wind, der uns ganz schnell auskühlen lies.

Während Ramona von einer Lauffreundin einen Regenumhang erhielt, bekam ich von den netten Helfern an der Verpflegungsstelle einen "Müllsack" mit ausgeschnittenen Armen. Das war zwar nicht unbedingt reif für einen Schönheitswettbewerb, hielt aber den nun kalten Wind ab und ließ uns nicht auskühlen.

Nein - ein Foto gibt es davon nicht, unser zwischenzeitliche "Schönheit" bleibt unser Geheimnis...

Aber nach nur wenigen Kilometern entledigten wir uns wieder unseres Regenschutzes. Nach einem steilen Berg (welcher war das eigentlich?) wurde uns warm und erst zog ich und später auch Ramona ihre Regenkleidung wieder aus.

Nun hatten wir vielleicht etwa 10km vor uns - und immer noch fühlten wir uns gut und konnten gleichmäßig laufen. Nur bergauf lief nicht mehr viel, da bevorzugten wir inzwischen den Walkingstil. Naja - Ramona hätte vielleicht noch den einen oder anderen Hügel im Laufschritt erklommen, aber da fehlte dann bei mir doch ein wenig die Kraft.

Aber die letzten Kilometer ging es ja nur noch bergab - und diese wollten wir  mögichst locker laufen. Und das klappte auch! Vielleicht nicht unbedingt mit höchsten Tempo, aber wir liefen jeden der verdammten letzten Kilometer!

Jetzt kam es - das Kilometerschild 70, dann die 71, die 72.... Nur noch durch die Gärten, über die Straße, einen kleinen Hügel, der für mich Mount Everestzüge annahm und  schon waren wir auf dem Sportplatz.

Wir laufen die letzten hundert Meter unter dem Jubel der Zuschauer, sogar für einen Schlußspurt haben wir noch Kraft. Hand in Hand laufen wir durchs Ziel. Wir haben es geschafft! Gemeinsam haben wir die 72,7km auf dem Rennsteig bewältigt. Im Ziel überwältigen mich die Emotionen. Ich lache und heule gleichzeitig, falle Ramona um den Hals und lasse mir mit Stolz und Freude die Medaille um den Hals hängen.

Ich kann nicht beschreiben, was ich nach diesem Lauf empfungen habe. Es war einfach ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Leider habe ich kein Zielfoto von uns beiden - aber diese unglaubliche Glücksgefühl bleibt in unseren Herzen.

 

Weitere Fotos vom Start und einige auch von unterwegs findet ihr hier.

Eigentlich unwichtig, aber trotzdem schön: Wir haben 10 Stunden und 25min gebraucht. Das waren für mich  eine Stunde und 20min weniger als im Vorjahr.

Tja und  nun fehlt nur noch der 3. Teil meines Berichtes - über die obligatorische Läuferparty und die dazugehörigen Fotos. Freut euch drauf!

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Petra 06/03/2011 22:41


Liebes Elkli, schön, mal wieder was von dir zu hören... Du hast vollkommen recht - der Rennsteig hat was "Magisches" - da muß man einfach immer wieder hin. Ich möchte dir auch noch einmal ganz
herzlich zu deiner immensen Leistung gratulieren. Du hast dich so toll durchgekämpft! Es war so schön, dich wieder mal zu treffen. Spätestens nächstes Jahr auf dem Rennsteig sehen wir uns wieder!
Viele liebe Grüße - fühl dich auch ganz fest gedrückt! Petra


Elke 06/03/2011 21:24



Einen lieben Gruß schicke ich Dir.


Merkwürdigerweise ist mein Kommentar abhandengekommen. Und nun lässt mich meine Erinnerung an das Geschriebene bißle im Stich.


Das Laufen auf dem Rennsteig, die gesamte Atmosphäre hat etwas Bezauberndes, Magisches. Obwohl so viele Menschen dabei sind, ist eine gewisse Ruhe über allem.


Und im nächsten Jahr sind wir wieder dabei.


Sei in Gedanken feste umärmelt, Du liebe Petra.


´s Elkli



Petra 05/27/2011 11:44



Vielen, vielen Dank, liebe Angelika!


Der Lauf wirkt immer noch in mir nach, das positve, ja Glücksgefühl ist sehr intensiv. In solchen Momenten denke ich auch ganz oft daran, was für ein Mensch ich noch vor wenigen Jahren war.
Übergewichtig, bewegunsfaul, Couchpotatoe - unsportlich. Ich war so etwa das, was heute der Durchschnitt der Bevölkerung meiner Altersgruppe ist.


Das ich da herausgekommen bin - das ist es, was mich so stolz macht. Gerade auch unter diesem Blickwinkel bin ich glücklich, solch eine Strecke überhaupt zu schaffen. Ich habe meinen Weg gefunden
und ich hoffe, daß ich noch ganz alle laufen kann.


Viele liebe Grüße


Petra



Angelika 05/27/2011 08:12



Ganz dicke GRATULATIONSWÜNSCHE zu Deinem Erfolg - lie Petra!!! 72,2 KM ist eine verdammt stolze Hausnummer - klar dass Du dann lachen und weinen  gleichzeitig kannst. Du kannst verdammt
stolz auf Dich sein. Geniesse lange - lange - lange die Gefühle und erhole Dich gut



Hoppelchen 05/26/2011 12:39



Na, du rasende Maus, zunächst mal herzlichen Glückwunsch zu diesem Meisterstück. Das hast Du ganz grandios hinbekommen. Deinen bericht habe ich gerade sehr genossen, alle Freude, alles Glück kann
man hier herauslesen und die Liebe zum Laufen und die Liebe zu dieser schönen Landschaft ebenso.


Der Läufer ganz rechts auf Deinem Foto, der ist mir auch begegnet und ich habe ihn wegen seines Shirts angesprochen. Er erzählte mir dann auch, dass er früher mal Drogen nahm und dies nun sein
erster RSL sei. Da war ich sehr begeistert. Im Ziel traf ich ihn nochmal und man sah im seine Freude über das Geschaffte sehr an und ich konnte ihm noch gratulieren.


Einen dicken Gruß


von Silke



Petra 05/26/2011 19:21



Liebe Silke,


Erst einmal gratuliere ich dir ebenfalls ganz herzlich zu deinem tolltn Lauf - und das so kurz nach dem MIAU.


Vielen, vielen Dank für deine Glückwünsche und das "rasende Rennmaus" Kompliment


Auch wenn ich nach wie vor ganz weit weg bin von irgendwelchen Superzeiten: Das hier ist für mich ein riesengroßer Erfolg. Am meisten aber, weil ich ihn locker hingekriegt habe, ohne mir Stress
zu machen. Wir sind gleichmäßig durchgelaufen. Für mich ist das eine Bestätigung, daß man sowas schaffen kann auch wenn man nicht unbedingt den höchsten Kilometerdurchschnitt bringt. Es geht auch
mit weniger - aber gezielt gelaufenen Kilometern.


Und nun bin ich einfach nur glücklich und freue mich auf die nächsten Läufe.


Der jungen Mann, den du meinst - das ist Marcel, den ich bisher nur über die Blogs kannte und nun persönlich kennenlernen durfte.


Wenn du bei ihm lesen magst - du findest den link auf meiner Seite. Es ist ein toller Sportler und ein Vorbild!


Viele liebe Grüße


Petra