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Veröffentlicht von Petra

Auch wenn mich als täglich Läuferin nicht so sehr die Weltspitze und deren Training interessiert, sondern die Freude am Laufen im Fokus steht, so macht man sich doch so seine Gedanken, wieso die Kenianer so schnell sind und unseren europäischen Spitzenläufern davon laufen. Obwohl wir ja super gute Trainer und viele wissenschaftliche Trainingskonzepte haben.

Um es gleich vorwegzunehmen: ich habe weder vor, diese Trainignskonzepte zu analysieren noch will ich Ursachenforschung betreiben. Aber einen ganz wichtigen Aspekt möchte ich doch mal hervorheben.

Die Kenianer und überhaupt viele  Afrikaner leben vollkommen anders als wir, weniger Wohlstand, aber viel natürlicher. Die Wenigsten von ihnen haben ein Auto. Schon die Kinder laufen täglich zur Schule - mitunter bis zu 15km hin - und auch wieder zurück. Und das jeden Tag. Ohne großes Laufequipment. Sie laufen einfach los. Damit haben sie im jugendlichen Alter eine Kondition, wie sie wohl kein europäischer Jugendliche mehr hat. Sie laufen nicht nach Plan - sie laufen einfach drauflos. Jeden Tag.

Die Trainingspläne unserer vielen Experten sehen aber immer Ruhetage vor. Die sind schließlich wichtig zur Regeneration und zur sogenannten "Superkompensation". Täglich laufen? Das ist in deren Augen kontraproduktiv und widerspricht jeglicher trainingswissenschaftlicher Erkenntnis.

Wer kennt sie nicht, die vielen hunderte Trainingspläne, die man sich im Netz herunterladen kann? Ist da ein einziger Plan dabei, bei dem täglich gelaufen wird? Die Antwort lautet NEIN.

Natürlich gibt es viele Läufer, die mit diesen Plänen einen Marathon schaffen oder ihre Zeiten verbessern.

Aber in der Weltspitze laufen uns die Kenianer davon.

Ich wage zu behaupten - weil sie täglich laufen. Weil der tägliche Lauf für sie zur Normailtät gehört - unabhängig von jeglicher Wissenschaft.

Ob wir es jemals schaffen, wieder Anschluß an die Weltspitze, auch in der Breite, zu schaffen? Ich wage das zu bezweifeln. Weil die Wissenschaft nicht ein Lebensgefühl ersetzen kann. Weil die Wissenschaft nicht davon ausgeht, daß die tägliche Bewegung, das tägliche Laufen die normalste Fortbewegungsart der Menschen ist.

Machen wir also weiter Superkompensation. während die Kenianer laufen gehen.

 

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laufmauselke 11/13/2010 11:19



Liebe Petra, ich versuche es heute nochmal. Habe gestern mehrere Kommentare gepostet, aber sie sind nicht zu finden. :-(
Ich sende Dir mal liebe Grüße, in der Hoffnung, das sie Dich heute erreichen.
Liebe Grüße
Elke



kanko 11/12/2010 19:35


Oh ja, den Bericht mit dem Wadenansatz hab ich auch gesehen. Bei genauem Hinsehen ist da was dran :) Und ich hab noch was anderes gelesen (war in der Runner's World, soweit ich mich erinnere) ...
man hat den Versuch gemacht, eine ganze Gruppe Kenianer unter höchstwissenschaftlichen Bedingungen in - ich glaube es war - Heilbronn zu trainieren. Die Folge war, dass sie alle langsamer wurden
und heftig an Gewicht zulegten. Dann hat man sie wieder zurück in ihre Heimat geschickt und schon war alles "wieder gut". Zuviel "Europa" ist also gar nicht gut. Nichtsdestotrotz liegt die
Tatsache, dass wir vor 30 Jahren noch vor den Schwarzafrikanern waren, darin begründet, dass diese da zwar schon gelaufen sind, aber tatsächlich ohne Plan, und das allein dann wohl auch nicht ganz
reicht. Erst als da jemand hinging und das sortierte und in Bahnen lenkte, konnte die physische Überlegenheit überhaupt zum Zuge kommen. Nun, es gibt bei den Europäern Victor Röthlin, und es gibt
Paula Radcliffe und die Japanerinnen, die an die Leistungen der Kenianer- und Äthiopier/innen heranreichen und sie sogar übertroffen haben. Das sind alles Individualisten, die sich extremsten
Trainingsbedingungen unterzogen haben, um den Rückstand aufzuholen, den sie aufgrund ihrer Herkunft nun mal hatten. Aber wie du schon sagt, liebe Petra ... eigentlich reicht selbst das nicht: schon
1995 titelte der Spiegel: Die Hungrigen gewinnen!


Ramona 11/12/2010 17:32



Ist ja auch gut so, dass Du Dir Gedanken machst.


Wenn ich wüsste, wo ich die Video-Aufzeichnung habe, würde ich sie im Dezember mitbringen. Ich hatte die Sendung nämlich aufgenommen. Denke ich zumindest.


Zur Zeit geht die Tendenz beim Laufen aber auch vermehrt auf erlebnisorientiert zu. Finde ich. Ja, und mit dem Nachwuchs ist es wie in anderen Bereichen. Für gute Förderung fehlen das Geld oder
die Möglichkeiten. Und dann setzt es voraus, dass die jungen Leute auch wollen. Denn, machen wir uns nichts vor, ab einem gewissen Punkt wird die Verbesserung der Leistungsfähigkeit zur "Arbeit".
Das muss man wollen. Ich freue mich, wenn ich ab und an mal sehe, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die Leistung bringen wollen und sich dafür anstrengen und mehr tun als alle anderen! Das ist
heute leider nicht selbstverständlich. 


LG, Ramona


 



Petra 11/12/2010 14:46



Hallo liebe Ramona,


klar, die europäischen Spitzenläufer sind keine Bewegungsmuffel.. Aber Spitzenleistungen erfordern m.E. eine breite
Massenbasis - und die ist halt in Deutschland und den anderen westeuropäischen Ländern nicht mehr vorhanden. Und in diesem Punkt ist es halt schwerer, aus einer verhältnismäßig geringen Zahl an
Talenten wirkliche Spitzenläufer hervorzubringen.


Das mit den Waden habe ich noch nie gelesen... Aber man lernt ja nicht aus!


Aber du hast recht - unerer "Metier" ist der genußvolle Täglichlauf und nicht der Spitzensport. Aber manchmal mache ich mir halt so meine Gedanken...


Viele liebe Grüße


Petra



Ramona 11/10/2010 11:09



Zunächst einmal hast Du sicher recht damit, dass die Menschen dort sich viel mehr bewegen, viel mehr laufen und überhaupt noch natürlich leben.


Aber, die Spitzenläufer halten sich mittlerweile schon viel in Europa auf und ernähren sich sicher auch nicht mehr so natürlich wie zu Hause. Und europäische Spitzenläufer sind keine
Bewegungsmuffel. Also, das kann man mit der Allgemeinheit nicht vergleichen. Ich denke, dass da noch andere Dinge mit eine Rolle spielen. Ich sah mal eine Doku, wo Vergleiche angestellt wurden.
Da wurde herausgefunden, dass die Unterschiede in der WADE liegen. Die Afrikaner haben schlankere Waden und ich denke damit verbunden auch eine langlauffördernde Muskulatur.


Ja, und dann denke ich, dass die Kenianer oder Äthiopier ganz andere Gründe haben zu gewinnen als europäische Sportler. Sehen wir auch mal, wie arm die Völker da sind und wie viele Hunger leiden.
Die Spitzenläufer dieser Länder können mit ihren Fähigkeiten für ihr Land was gutes tun und soweit ich weiß, tun sie das auch. Sie unterstützen Kinder, gründen Schulen, in denen Sport gefördert
wird usw.


Ach, Du hast da wieder ein vielschichtiges Thema angeschnitten, da kommt man vom "Hundertsten ins Tausendstel".


Lass uns einfach weiter täglich laufen und Spaß haben!


Viele liebe Grüße


Ramona