Saturday, 6. november 2010 6 06 /11 /Nov. /2010 14:53
- Community: Laufen
veröffentlicht in: Streakrunning

Auch wenn mich als täglich Läuferin nicht so sehr die Weltspitze und deren Training interessiert, sondern die Freude am Laufen im Fokus steht, so macht man sich doch so seine Gedanken, wieso die Kenianer so schnell sind und unseren europäischen Spitzenläufern davon laufen. Obwohl wir ja super gute Trainer und viele wissenschaftliche Trainingskonzepte haben.

Um es gleich vorwegzunehmen: ich habe weder vor, diese Trainignskonzepte zu analysieren noch will ich Ursachenforschung betreiben. Aber einen ganz wichtigen Aspekt möchte ich doch mal hervorheben.

Die Kenianer und überhaupt viele  Afrikaner leben vollkommen anders als wir, weniger Wohlstand, aber viel natürlicher. Die Wenigsten von ihnen haben ein Auto. Schon die Kinder laufen täglich zur Schule - mitunter bis zu 15km hin - und auch wieder zurück. Und das jeden Tag. Ohne großes Laufequipment. Sie laufen einfach los. Damit haben sie im jugendlichen Alter eine Kondition, wie sie wohl kein europäischer Jugendliche mehr hat. Sie laufen nicht nach Plan - sie laufen einfach drauflos. Jeden Tag.

Die Trainingspläne unserer vielen Experten sehen aber immer Ruhetage vor. Die sind schließlich wichtig zur Regeneration und zur sogenannten "Superkompensation". Täglich laufen? Das ist in deren Augen kontraproduktiv und widerspricht jeglicher trainingswissenschaftlicher Erkenntnis.

Wer kennt sie nicht, die vielen hunderte Trainingspläne, die man sich im Netz herunterladen kann? Ist da ein einziger Plan dabei, bei dem täglich gelaufen wird? Die Antwort lautet NEIN.

Natürlich gibt es viele Läufer, die mit diesen Plänen einen Marathon schaffen oder ihre Zeiten verbessern.

Aber in der Weltspitze laufen uns die Kenianer davon.

Ich wage zu behaupten - weil sie täglich laufen. Weil der tägliche Lauf für sie zur Normailtät gehört - unabhängig von jeglicher Wissenschaft.

Ob wir es jemals schaffen, wieder Anschluß an die Weltspitze, auch in der Breite, zu schaffen? Ich wage das zu bezweifeln. Weil die Wissenschaft nicht ein Lebensgefühl ersetzen kann. Weil die Wissenschaft nicht davon ausgeht, daß die tägliche Bewegung, das tägliche Laufen die normalste Fortbewegungsart der Menschen ist.

Machen wir also weiter Superkompensation. während die Kenianer laufen gehen.

 

von Petra
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Kommentare

Was mich wundert ist, dass vor 15 oder 20 Jahren wir absolute Spitzenläufer hatten. Ob Steffny oder Czerpinski u.a. ! Heutzutage kommt von den deutschen Marathonläufern keiner mehr an diesen Zeiten heran.

Zum Vergleich zu den Kenianern kann ich mir höchstens vorstellen, dass der allgemeine Alltagsstreß (Beruf, Familie und andere Verpflichtungen) viel bei den Außer-Afrikanischen Läufern kaputt macht. Es sind ja nicht nur die Deutschen, die an die nicht mehr an die Spitze herankommen. Wenige Amerikaner, Engländer oder andere aus den Industrienationen können mithalten.

Für die Afrikaner zählt einfach das Laufen als großes Ziel um irgendwann einmal evtl. zu Wohlstand zu kommen. Wie hier in Deutschland sich die Kids wünschen einmal ein großer Fussballer zu werden, so ist es in Afrika der Traum ein erfolgreicher Läufer zu werden.

Viele Grüsse

Roland

 

Kommentarnr1 gepostet von Roland am 6.11.2010 um 19h08

Hi Roland,

ich glaube nicht, daß es der Alltagsstress in Europa ist, der Spitzenleistung verhindert. Ich glaube vielmehr, daß es die immer mehr um sich greifende Bewegungslosigkeit und die damit im Zusammenhang stehende zunehmende Gewichtsproblematik in Westeuropa und auch den USA ist, die verhindert, daß eine breite Massenbasis an Sportlern entsteht. Wer von den europäischen oder amerikanischen Schülern läuft denn noch zur Schule? Die meisten sind doch schon so bequem, daß sie mit dem Auto gefahren werden.

Abends nach der Schule sitzen die meisten vorm Fernseher oder PC. Wieder keine Bewegung.

Wenn man sich anschaut, wieviele Sportler bei den Laufveranstaltungen sind, könnte man den Eindruck gewinnen, daß fast Deutschland läuft. Aber dem ist nicht so. Die meisten sind einfach nur Bewegungsmuffel - von Kindheit an. Bei so einfer fehlenden Massenbasis ist klar, daß wohl nur sehr schwer Spitzenleistungen entstehen können.

Das finde ich überaus schade, denn das Laufen ist nunmal die natürlichste Fortbewegungsart des Menschen, die immer mehr verloren geht. Ich will mal eine ganz provokante These aufstellen: Je mehr Wohlstand in einem Land, desto weniger Bewegung hat ihre Bevölkerung. Reichtum führt zu Bewegungsarmut und damit zu jeder Menge Zivilisationskrankheiten. Vielleicht sollten wir alle ein wenig zu unseren Wurzeln zurückkehren, die da sind: natürlich essen und natürlich bewegen.

Viele liebe Grüße

Petra

Kommentarnr2 gepostet von Petra am 6.11.2010 um 20h14

Da denke ich, muss man sich nur mal unsere zivilisierte Menschheit ansehen. Viele sind übergewichtig, bewegen sich zu wenig und essen zu viel. Überall fahren wir heute mit dem Auto hin, die Kinder werden schon zum Kindergarten und später zur Schule gefahren, sitzen viel vor dem Computer oder TV. Das ändert sich später im Erwachsenenalter nicht. Sobald ein Zipperlein auftaucht, werden wir häufig zum  Stillstand aufgefordert. Viele Kinder und Jugendliche haben heute mit Allergien zu kämpfen. Irgendwie werden wir alle immer älter, aber auch kränker. Eine seltsame Entwicklung. Vielleicht kann man von den afrikanischen Ländern doch noch was lernen. Doch dafür muss in den meisten Köpfen erst mal ankommen, dass unsere allgemeine Entwicklung in eine falsche Richtung geht. Das wäre aus meiner Sicht ein echter Quantensprung.

Liebe Grüße

Kornelia

 

Kommentarnr3 gepostet von Kornelia am 7.11.2010 um 09h20

... und die Äthiopier auch :-)

Liebe Petra, ich denke, du hast das auf den Punkt getroffen und danke dir für diesen Artikel! Vor einiger Zeit habe ich mal ein Buch geschenkt bekommen: "Laufen mit Haile Gebrselassie". Da schreibt er ein Stück Autobiographie, das ist sehr spannend und deckt sich mit deiner Annahme. Hier ist mal der Link zu dem Buch, wenn es euch interessiert: http://www.amazon.de/Laufen-mit-Haile-Gebrselassie-Trainingsprogramm/dp/343103389X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1289143542&sr=8-1

Liebe Grüße!
Holger

 

Kommentarnr4 gepostet von Holger am 7.11.2010 um 16h35

Hallo liebe Kornelia,

ich glaube, dieser quantensprung wird wohl nicht mehr eintreten! Das sich die Menschheit in eine komplett falsche Richtung entwickelt, will keiner wahrhaben, geschweige daran etwas ändern.

Ich habe unlängst mal einen bericht gesehen über das Leben eines westafrikanischen Stammes - das war außerordentlich interessant. Die Männer dieses Stammes waren allesamt drahtig und gut gebaut, bei den Frauen gab es kein Übergewicht. Diese Menschen leben noch in und von der Natur und umgekehrt ist ihnen die Natur heilig. Irgendwie beneide ich diese menschen. Sie sind zwar arm, aber irgendwie sind sie trotzdem reicher als wir. Sie haben keinen Computer, kein Handy, keine Wi - aber das brauchen  sie auch nicht. Sie konzentrieren sich auf das Wesentliche - die nahrungsbeschaffung und Fortpflanzung. Die haben übrigens auch kein Problem mit der Fruchtbarkeit - die werden natürlich schwanger und brauchen keine künstliche Befruchtung. Vielleicht ist das auch so ein negativer "Nebeneffekt" der Veränderungen in der westlichen Welt?

Lieber Holger,

vielen Dank für diesen link. Das Buch könnte mich sehr reizen. Allerdings gibt es dies z.Z. nur in gebundener Ausgabe für 99€ - das ist mir dann doch zu teuer.

Wenn ich Haile laufen sehe - der hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Der liebt seinen Sport durch und durch, der rennt nicht verbissen der nächsten Bestzeit hinterher. Er kann auch lächeln, wenn er mal keine Bestzeit gelaufen ist. Diesen Mann finde ich ganz stark!

Viele liebe Grüße

Petra

Kommentarnr5 gepostet von Petra am 7.11.2010 um 20h35
Liebe Petra, mich interessieren weder die Kenianer, noch irgendwelche sogenannte „Spitzenläufer“, die nur für Geld laufen. Aber machen wir uns nichts vor, Täglichlaufen ist die natürlichste Geschichte der Welt. Wozu haben wir die zwei Beine? Zum Autofahren? Für die Couch? Aber das habe ich bei mir schon sehr oft thematisiert. Ich laufe pro Jahr ca. 4500 KM, manchmal mehr, manchmal weniger – und ich fühle mich dadurch einfach nur grandios. Damit schaffe ich natürlich keinen Anschluß an die Weltspitze – will ich auch nicht ;)) – aber ich habe für mich eine herrliche Quelle der Zufriedenheit entdeckt. Ich wünsche Dir eine wunderbare Woche, liebe Grüße Marcus
Kommentarnr6 gepostet von Täglichläufer am 8.11.2010 um 09h04

Hallo lieber Marcus, ich glaube, wir wollen beide nicht in die Weltspitze... Es ist so schön, laufen zu können. Ich finde es aber trotzdem toll, mit wieviel Leichtigkeit und immer einem Lächeln auf den Lippen Haile läuft. Ich glaube, er liebt das Laufen wirklich auch von ganzem Herzen.

Ich wünsche dir auch eine tolle Woche!

Viele liebe Grüße

Petra

Kommentarnr7 gepostet von Petra am 8.11.2010 um 20h49

Zunächst einmal hast Du sicher recht damit, dass die Menschen dort sich viel mehr bewegen, viel mehr laufen und überhaupt noch natürlich leben.

Aber, die Spitzenläufer halten sich mittlerweile schon viel in Europa auf und ernähren sich sicher auch nicht mehr so natürlich wie zu Hause. Und europäische Spitzenläufer sind keine Bewegungsmuffel. Also, das kann man mit der Allgemeinheit nicht vergleichen. Ich denke, dass da noch andere Dinge mit eine Rolle spielen. Ich sah mal eine Doku, wo Vergleiche angestellt wurden. Da wurde herausgefunden, dass die Unterschiede in der WADE liegen. Die Afrikaner haben schlankere Waden und ich denke damit verbunden auch eine langlauffördernde Muskulatur.

Ja, und dann denke ich, dass die Kenianer oder Äthiopier ganz andere Gründe haben zu gewinnen als europäische Sportler. Sehen wir auch mal, wie arm die Völker da sind und wie viele Hunger leiden. Die Spitzenläufer dieser Länder können mit ihren Fähigkeiten für ihr Land was gutes tun und soweit ich weiß, tun sie das auch. Sie unterstützen Kinder, gründen Schulen, in denen Sport gefördert wird usw.

Ach, Du hast da wieder ein vielschichtiges Thema angeschnitten, da kommt man vom "Hundertsten ins Tausendstel".

Lass uns einfach weiter täglich laufen und Spaß haben!

Viele liebe Grüße

Ramona

Kommentarnr8 gepostet von Ramona am 10.11.2010 um 11h09

Hallo liebe Ramona,

klar, die europäischen Spitzenläufer sind keine Bewegungsmuffel.. Aber Spitzenleistungen erfordern m.E. eine breite Massenbasis - und die ist halt in Deutschland und den anderen westeuropäischen Ländern nicht mehr vorhanden. Und in diesem Punkt ist es halt schwerer, aus einer verhältnismäßig geringen Zahl an Talenten wirkliche Spitzenläufer hervorzubringen.

Das mit den Waden habe ich noch nie gelesen... Aber man lernt ja nicht aus!

Aber du hast recht - unerer "Metier" ist der genußvolle Täglichlauf und nicht der Spitzensport. Aber manchmal mache ich mir halt so meine Gedanken...

Viele liebe Grüße

Petra

Kommentarnr9 gepostet von Petra am 12.11.2010 um 14h46

Ist ja auch gut so, dass Du Dir Gedanken machst.

Wenn ich wüsste, wo ich die Video-Aufzeichnung habe, würde ich sie im Dezember mitbringen. Ich hatte die Sendung nämlich aufgenommen. Denke ich zumindest.

Zur Zeit geht die Tendenz beim Laufen aber auch vermehrt auf erlebnisorientiert zu. Finde ich. Ja, und mit dem Nachwuchs ist es wie in anderen Bereichen. Für gute Förderung fehlen das Geld oder die Möglichkeiten. Und dann setzt es voraus, dass die jungen Leute auch wollen. Denn, machen wir uns nichts vor, ab einem gewissen Punkt wird die Verbesserung der Leistungsfähigkeit zur "Arbeit". Das muss man wollen. Ich freue mich, wenn ich ab und an mal sehe, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die Leistung bringen wollen und sich dafür anstrengen und mehr tun als alle anderen! Das ist heute leider nicht selbstverständlich. 

LG, Ramona

 

Kommentarnr10 gepostet von Ramona am 12.11.2010 um 17h32
Oh ja, den Bericht mit dem Wadenansatz hab ich auch gesehen. Bei genauem Hinsehen ist da was dran :) Und ich hab noch was anderes gelesen (war in der Runner's World, soweit ich mich erinnere) ... man hat den Versuch gemacht, eine ganze Gruppe Kenianer unter höchstwissenschaftlichen Bedingungen in - ich glaube es war - Heilbronn zu trainieren. Die Folge war, dass sie alle langsamer wurden und heftig an Gewicht zulegten. Dann hat man sie wieder zurück in ihre Heimat geschickt und schon war alles "wieder gut". Zuviel "Europa" ist also gar nicht gut. Nichtsdestotrotz liegt die Tatsache, dass wir vor 30 Jahren noch vor den Schwarzafrikanern waren, darin begründet, dass diese da zwar schon gelaufen sind, aber tatsächlich ohne Plan, und das allein dann wohl auch nicht ganz reicht. Erst als da jemand hinging und das sortierte und in Bahnen lenkte, konnte die physische Überlegenheit überhaupt zum Zuge kommen. Nun, es gibt bei den Europäern Victor Röthlin, und es gibt Paula Radcliffe und die Japanerinnen, die an die Leistungen der Kenianer- und Äthiopier/innen heranreichen und sie sogar übertroffen haben. Das sind alles Individualisten, die sich extremsten Trainingsbedingungen unterzogen haben, um den Rückstand aufzuholen, den sie aufgrund ihrer Herkunft nun mal hatten. Aber wie du schon sagt, liebe Petra ... eigentlich reicht selbst das nicht: schon 1995 titelte der Spiegel: Die Hungrigen gewinnen!
Kommentarnr11 gepostet von kanko am 12.11.2010 um 19h35

Liebe Petra, ich versuche es heute nochmal. Habe gestern mehrere Kommentare gepostet, aber sie sind nicht zu finden. :-(
Ich sende Dir mal liebe Grüße, in der Hoffnung, das sie Dich heute erreichen.
Liebe Grüße
Elke

Kommentarnr12 gepostet von laufmauselke am 13.11.2010 um 11h19

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