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Veröffentlicht von Petra

Der erste wirkliche Frühlingstag. Die Sonne strahlt vom Himmel herab. Die Temperaturen sind in den zweistelligen Bereich geklettert. Der Wind bläst - aber er bläst mir eine deutlich wärmere Luft entgegen. Ich laufe mit  weniger Laufkleidung los und fühle mich pudelwohl. Bei diesem schönen Sonnenwetter geht es gar nicht anders, als einen schönen langen Lauf zu machen.

Schon bei meinen ersten Schritten begrüßen mich unzählige Vögelchen, die zwitschernd die Sonne begrüßen. Sie begleiten mich bis zum Ende meines Laufes.

Links und rechts des Weges ist das junge, frische Grün nicht mehr zu übersehen.

Ein einsames, kleines Gänseblümchen schaut neugierig in die Luft. "Schaut her - mich kann nichts mehr aufhalten" will es mir sagen. Wie eine kleine Sonne inmitten der vom Winter gezeichneten Landschaft trägt das kleine Blümchen die Kraft des aufbrechenden Frühlings, zeigt die Schönheit und Genialität der Natur.

 

Gänseblümchen

 

Meine Gedanken wandern immer wieder in das vom Erdbeben gebeutelte Japan. Die Natur hat wieder mal ihre Kräfte gezeigt. Hat sich Dinge zurückgenommen, die ihr gehören. Hat keine Rücksicht genommen auf die Häuser der Menschen, die Städte, Straßen, Schienen, Atomkraftwerke...

Es herrscht unsägliches Leid in Japan und es ist beängstigend zu sehen, daß den Menschen die Macht über die Atomkraft entrinnt. Eine riesige Gefahr für alle Menschen in Japan ist entstanden. Eine Gefahr, die noch weit über die Zerstörungen durch das Erdbeben und den Tsunami hinausgehen kann - und das auf Jahre hinaus.

Warum gibt es eigentlich in einem solchen erdbebengefährdeten Gebiet Atomkraftwerke? Gibt es keine Alternativen? Wann fangen wir Menschen endlich an, Energie zu sparen und wieder  sorgsamer mit den mit den Schätzen der Natur umzugehen? Wann wacht die Menschheit endlich auf? Wir zerstören unsere Umwelt immer mehr - mit jedem Atomkraftwerk, mit jedem konventionellen Kraftwerk. Wir erheben E10 zum Non Plus Ultra - und nehmen in Kauf, daß mit Monokulturen riesigen Ausmaßes die Umwelt noch mehr zerstören. Wir verarbeiten Lebensmittel zu Benzin - was ist das für ein Irrsinn? Weil es ein nachwachsender Rohstoff ist? Es geht hier um Lebensmittel - um das, was die Menschen zum Essen brauchen. Noch gibt es Hunger auf dieser Erde. Und was machen wir Menschen?

Diese Fragen lassen mich heute nicht los. Es gibt wohl auch keine Antworten. Ein radikales Umdenken wäre notwendig. Aber jedes Umdenken würde mit Verzicht einhergehen - und wer will schon auf irgendetwas verzichten? Ich glaube, wir alle leben auf Kosten unserer Kinder und verschließen die Augen davor, was wir den nach uns kommenden Generationen hinterlassen und zumuten - nicht mehr bezahlbare Energie, Krankheiten und Gesundheit, die sich keiner mehr leisten kann, unermesslichen Reichtum für die einem, unsägliche Armut für die Anderen. Und die "Anderen" werden immer mehr.

Was hat das Geld nur aus den Menschen gemacht?

 

Ich sehe immer mehr goldene, kleine Gänseblümchen ihren Hals in den Himmel strecken. Hier - im Wald und auf dem Feld - ist die Welt noch in Ordnung. Ein Häschen hoppelt mir entgegen und biegt kurz vor mir ab - ohne Angst zu haben. Ich lasse meine Blicke schweifen in die Weite der Wetterau und genieße diese einzigartige Natur - die sich hoffentlich niemals von den Menschen unterkriegen läßt.

Ich verlassen die Nidda und laufen durch den Ort. Nach nachdenklichen 25km bin ich wieder zu Hause. Die übliche Euphorie will sich heute nicht einstellen.

Meine Gedanken sind in Japan. Ich wünschen den betroffenen Menschen viel Kraft, all das zu überstehen.

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Angelika 03/15/2011 10:30



Liebe Petra,


Deine Gedanken, die Du hier nieder geschrieben hast - sind wahrscheinlich exakt so - wie bei zig tausend anderen Menschien auch. Jeder - der diese Zeilen liest, weiß genau, was Du meinst und
empfindet scheinbar auch exakt so. Bei uns sind es nur die Gedanken, man mag gar nicht darüber nachdenken, wie die Menschen das dort empfinden. Auch wenn wir in Gedanken sehr viel in Japan sind,
so leben wir hier unseren Alltag. Als mein Mann und ich am Sonntag zum Wettkampf gefahren sind, habe ich noch genau das gesagt: "Man kann sich nicht vorstellen, dass wir uns jetzt hier vergnügen,
während die Menschen dort gerade solch eine Zeit durchleben"! Es ist irgendwie hart und traurig, dass wir hier unser Leben leben, aber trotzdem drehen sich die Gedanken immer in Richtung Japan.


Liebe Grüße



Petra 03/16/2011 20:10



Liebe Angelika,


mir geht es ähnlich... Hier geht das Leben weiter als wäre nichts geschehen und in Japan ist so viel Elend. Meine Gedanken wandern auch immer wieder dorthin. Was müssen die Menschen dort alles
durchmachen. Viele von ihnen waren vielleich auch Atomkraftgegner. Aber im Grunde genommen ist das jetzt alles vollkommen egal. Vor den Naturgewalten sind alle Menschen gleich. Man fühlt sich so
ohnmächtig...


Viele liebe Grüße


Petra



Holger 03/14/2011 10:53



Hallo Petra,
vielen Dank für diesen Artikel! Es ist schon paradox, wir genießen die ersten schönen Tage beim Laufen und woanders geht es ums nackte Überleben. Es ist offenbar ein Irrglaube, dass der Mensch
jede Technologie bis ins Kleinste beherrscht. Bei der Kernenergie sind allerdings die Auswirkungen im Störfall am schlimmsten. Es sind in der menschlichen Geschichte immer mehr Geister
heraufbeschworen worden und es scheint, jetzt machen die sich selbständig. Und es macht den Eindruck, dass sich die Natur immer heftiger dagegen wehrt. Einen Ausweg kenne ich nicht - jeder kann
nur in seinem Einflussbereich tun, was er kann. Vielleicht bringt die Summe der Anstrengungen irgendwann eine Änderung.
Liebe Grüße vom Holger


 



Petra 03/16/2011 20:02



Lieber Holger,


es wird von Tag zu Tag schlimmer. Kaum vorstellbar, was noch alles passiert. Das, was der Mensch zubeherrschen glaubte, wendet sich nun gegen ihn. Bedrückend. Weil keiner die Gefahr wirklich
wahrhaben wollte. Sonst hätten sie in diesem Erdbebengebiet niemls so viele Atomkraftwerke gebaut. Ich bin traurig, wütend entsetzt. Ich kann es nicht fassen. Einen Ausweg kenne ich auch nicht.
Die Entwicklung ist wohl nicht mehr aufzuhalten.


Dort passiert so Schreckliches - und was machen unsere Politiker und die Medien? Sie machen Wahlkampf und diskutieren über die Börsenentwicklung. Einfach nur abscheulich.


Viele liebe Grüße


Petra



Ika 03/13/2011 21:50



Hallo Petra,


ja das ganze Geschehen in Japan ist unfassbar.


Und wir leben hier weiter, als sei nichts geschehen...


Danke für Deinen Beitrag hier.


Heute beim Laufen habe ich so darüber nachgedacht, was wir alles tun oder nicht tun, damit es uns gut geht.


Dabei kann ganz schnell alles vorbei sein.


Und dann? Hat sich manches überhaupt gelohnt?


Es ist sicher nicht die Richtung, in der Deine Gedanken gingen.


Ich kann so vieles nicht verändern, nicht bewegen, das macht mich wütend. 


Viele Gedanken, die mich bewegen, die mir aber auch immer wieder meine Grenzen aufzeigen.


Liebe Grüße


Erika


 



Petra 03/15/2011 21:25



Liebe Erika,


gerade auch in diese Richtung gingen auch meine Gedanken, die da in der Frage gipfeln: Was ist eigentlich der Sinn des Lebens?


Ist es wirklich immer der Drang nach mehr, mehr und noch mehr Konsum? Was ist uns wirklich wichtig? Macht uns einen stundenlange Autofahrt glücklicher als 4 Stunden laufen in der Natur? Macht uns
eine Vitaminpille gesünder als ein Apfel? Warum streben so viele Menschen nach Reichtum und meinen damit nur mehr Geld?


Ja - es macht mich auch wütend, daß ich nichts ändern kann an dieser Enwicklung, daß meine/ unsere Grenzen so eng sind.


Viele liebe Grüße


Petra



Christina 03/13/2011 20:47



Liebe Petra,


Du sprichst mir mit Deinen Gedanken sooooo sehr aus dem Herzen, nur, dass ich es nicht so gut wie Du in Worte fassen kann, was mich im Zusammenhang mit den Geschehnissen bewegt.


Obwohl Japan doch so weit weg ist, ist alles so nah und dicht.


Hab vielen Dank für Deinen Beitrag und sei ganz lieb gedrückt.


Christina



Petra 03/13/2011 21:30



Liebe Christina,


siehst du, wir fühlen und denken fast gleich...  Ja, Japan ist so nah. Die Freundin meiner Tochter war dort in
Tokio als die Erde bebte.Sie ist Gott sei Dank unbeschadet da rausgekommen und heute abend nach Hause zurückgekehrt. Mittlerweile sind alle Flüge ausgebucht.


Viele liebe Grüße


Petra, die dich ebenfalls ganz lieb drückt.


 


 



Dietmar 03/13/2011 18:40



Dein Beitrag drückt aus was wahrscheinlich viele Menschen derzeit empfinden. Niemand kann angesichts der Ereignisse in Japan zur Tagesordnung übergehen. Und doch, wir werden die Geschehnisse
wieder verdrängen, wie nach Tschernobyl, wie nach der letzten Ölkatastrophe...


Die Natur wird den Menschen überdauern. Vielleicht liegt darin etwas Tröstliches? Ich habe keine Ahnung. Trotzdem wünsche ich Dir eine gute Woche mit schönen Läufen in der Natur.


 



Petra 03/13/2011 21:24



Lieber Dietmar,


mich entsetzt jede Naturkatastrophe - wie wohl alle Menschen. Aber noch mehr entsetzt mich, daß die Menschen nichts daraus lernen. Sie reden zwar viel - aber wirklich handeln? Ja - irgendwann ist
alles verdrängt und vergessen... bis es zur nächsten Katastrophe kommt. Irgendwann wir einen Katastrophe die letzte ihrer Art sein....Und was bleibt dann von der Menschheit?


Ja, das ist etwas Tröstliches. Die Natur wird alles überleben.


In Lanzarote gibt es einen Nationalpark "Timanfaya". Dies ist ein Erdbebengebiet, welches vor 200 Jahren entstand. Alles voll Geröll, erkalteter Lava, Felsen... Aber jetzt, nach 200 Jahren
entwickeln sich wieder kleine Pflänzchen, vor allem Moose. Das Leben ist zurück in diesem Gebiet. Langsam zwar, aber es ist da. Ist das nicht schön? Die Natur wird sich immer wieder erholen.


Ich wünsche dir auch wunderschöne Naturläufe in dieser Woche!


Viele liebe Grüße


Petra