Thursday, 16. december 2010 4 16 /12 /Dez. /2010 20:30
- Community: Laufen
veröffentlicht in: Laufen und Geniessen

Meine Namensvetterin Petra zieht übers Land - und mit ihr jede Menge Schnee, eiskalter Sturm, Verwehungen, Glätte....

"Schneewalze Petra" wurde schon seit Tagen angekündigt, die Menschen aufgefordert, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu fahren oder möglichst ganz zu Hause zu bleiben.

Aber ich würde nicht Petra heißen, wenn ich der anderen Petra nicht meine ganze Kraft entgegenstellen würde. Ich kusche doch nicht vor der anderen Petra und bleibe zu Hause!

Also zog ich mir gestern - mitten im dicksten Petra-Schneegestöber - die Laufschuhe an und stellte mich dem Sturm entgegen....

Mühsam kämpfte ich mich vorwärts. Eisiger Wind blies nadelstichartig in mein Gesicht, ich atmete kleine Eisblümchen. Keine Menschenseele weit und breit. Kaum jemand traut sich heute wohl auf die Strasse. Eigentlich überhaupt keiner.

Meine Schritte werden immer leichter - und der Schnee tiefer. Mittlerweile ist mein Gesicht voller Eiskristalle. Als ich zurückkomme, blinkt von weitem ein Licht. Da wird doch nicht tatsächlich ein Radfahrer unterwegs sein? Nein - es ist ein Hund, dessen blinkendes Halsband selbst im Schnnegestöber meilenweit leuchtet. Ich weiß nicht, wer mehr erschrocken war über mein Auftauchen - Hund oder Frauchen...

Glücklich komme ich nach Hause. Ich hatte meiner Namensvetterin getrotzt. War laufen. Hab es genossen. Nichts und niemand kann mich davon abhalten, laufen zu gehen.

 

Aber Petra hat auch Schattenseiten... Wenige Stunden später mußte ich nochmal los - diesmal mit dem Auto. 30km hin und auch wieder zurück. Es war die Hölle und ich hatte panische Angst, die Nacht vielleicht auf der Autobahn verbringen zu müssen. Mühsam kämpfte sich das Auto den Berg hoch. Auf der gegenüberliegende Seite stehen die LKW`s - eine schier endlose Schlange.

Auf der Heimfahrt meide ich die Autobahn und kämpfe mich über die Dörfer. Ich folge dem Navi, weil ich überhaupt nicht mehr erkennen kann, wo ich eigentlich bin.

Ich habe noch nie eine solchen Angst und Panik beim Autofahren erlebt. Stehengebliebene Autos am Straßenrand tun ihr übriges. Hupende Autofahrer, denen ich zu langsam bin, geben mir den Rest.

Ich bin einfach froh, als wir wohlbehalten in der Tiefgarage stehen. NIE WIEDER bei einem solchen Wetter fahren - das  habe ich mir geschworen.

 

Die Fahrt heute zur Arbeit habe ich mehr schlecht als recht mit der S-Bahn bewältigt. Egal - Hauptsache nicht ins Auto steigen! Aber mein Läufle heute Abend lies ich mir nicht nehmen. Schneewalze Petra hat ganze Arbeit geleistet. Meine Laufstrecke erstrahlt im Weiß- und sieht selbst im Dunkeln traumhaft aus.

Ich laufe durch teilweise unberührten, teilweise festgetretenen Schnee. Es ist anstrengend - aber schön. In Gedanken bedanke ich meiner "Sturmtief-Namensvetterin" für die wunderschöne Landschaft, die sie uns beschert hat und den schönen Lauf, den sie mir heute und gestern ermöglicht hat.

 

 

von Petra
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