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Veröffentlicht von Petra

Eigentlich dachte ich immer, es gibt ihn nicht mehr - den inneren Schweinehund, der sich hinterm Sofa verkriecht und von dort immer mal hervorlugt. Z.B. wenn es draußen eisig kalt ist.
An Regen hat er sich ja schon so gewöhnt, daß er nicht mal im Traum daran denken würde, sein warmes Plätzchen im bestgehütetesten Versteck der Wohnung zu verlassen.

Aber heute früh schielte plötzlich ein verschlafenes Auge unter der Bettdecke hervor und rief: Es ist doch viel zu kalt! Du wirst da draussen frieren und hier ist es doch sooooooo schön warm....

Es dauerte nicht lange, bis dieser ungleiche Kampf ausgekämpft war und ich meine Laufsachen anzog. Ich wußte ja - laufen tue ich sowieso...
Draussen war alles weiss - wie Puderzucker, allerdings nur mäßig gestreut. So als ob jemand Angst hatte, daß der Kuchen zu süß wird.

Heute war mir es egal, wieviel ich anzog. Irgendwie konnte es nicht genug sein. Ich hielt meine Hand heraus aus dem Fenster und wußte, daß ich unterwegs wohl für jedes Kleidungsstück würde dankbar sein. Den Fotoapparat ließ ich zu Hause. Allein die Vorstellung, unterwegs die Handschuhe ausziehen zu müssen, lies mich vor Kälte erstarren. Aber da war auch dieriesige  Freude - auf den Schnee und die besondere Schönheit der Natur, die mich heute erwarten würde.

Ich lief los und stellte mir nach wenigen Metern seit langem mal wieder die Frage, was ich mir hier antue... Im Geiste spielte sich der Dialog um die Länge meines Laufes ab und nicht nur einmal ertappte ich mich bei den Gedanken, daß es wohl nicht viel werden würde.

Nach knapp 2 Kilometern spürte ich die erste aufsteigende Wärme in mir. Meter für Meter wurde mir wärmer und der Dialog mit meinem ISH über die Länge des Laufes verlor sich immer mehr, bis es schließlich keinen mehr gab. Es ist und war wie immer.
Bin ich erstmal losgelaufen, lösen sich alle negativen Begleitumstände in Wohlgefallen auf und kehren sich teilweise in ihr Gegenteil.
Wobei ich natürlich zugeben muß, daß dies heute nicht ganz so einfach war. Es war nicht nur die Kälte, die mir zu schaffen machte, sondern vor allem der eisige Wind, der mir sämtliche Gesichtszüge erstarren lies.

So vermied ich es heute, übers freie Feld zu laufen und konnte daher auch meine geplante Waldstrecke nicht erlaufen. Ich blieb am windgeschützten Weg an der Nidda.
Dank der hohen Fließgeschwindigkeit hatte sich noch kein Eis auf dem Wasser gebildet. Auf dem Hang lage der puderzuckerartige Schnee. Darunter war noch das Grün der erfrorenen Pflanzen zu erkennen.
Die Sträucher und Bäume - allesamt kahl - leuchteten im dunklen Rot der tief am Horizont stehenden Sonne. Es hatte was Gespenstiges. Wie im Märchen. So stellt ich mir als Kind immer einen Zauberwald vor.

Es ist schön, daß es geschneit hat, wenn auch nur ein wenig. So ganz langsam lasse ich mich von der weihnachtlichen Stimmung anstecken. Es ist der Schnee, der das Weihnachtsgefühl in mir weckte. Nicht der Konsumrausch, in der viele Menschen seit Wochen verfallen sind. Nicht die Werbung, die mir jeden Tag aufs Neue erzählen will, was gut für mich ist und welches Geschenk ich unbedingt noch kaufen muß, um meine Lieben glücklich zu machen.

Mein Geschenk mache ich mir ohnehin selbst - jeden Tag auf`s Neue.Und - abgesehen vom notwendigen Equipment - kostet es nicht mal was.

Nach 8 Kilometern komme ich wieder zu Hause an. Das Glücksgefühl ist unbeschreiblich. Ich glaube, es ist immer dann ganz besonders hoch, wenn ich mich überwinden  oder einen Kampf mit dem ISH ausfechten mußte.
Ja - es sind  diese besonderen Läufe unter besonderen Bedingungen,die das tägliche Laufen ausmachen und zu etwas Einzigartigem werden lassen.


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Petra 12/20/2009 20:01


Hallo lieber Marcus,

du hast wohl recht, dieser ominöse ISH ist nicht wirklich existent. Laufen tue ich sowieso... Wozu das heute geführt hat?
Das kannst du in meinem neuen Artikel lesen...
Bei Minus 17° ist es wohl existentiell notwendig, daß auch du in langer Kleidung läufst... Aber das wird schon wieder -
der nächste Frühling kommt bestimmt!

Liebe Kornelia,

ich denke auch, daß nur der erste Schritt heraus ein wenig Überwindung kostet. Aber dieser erste  Schritt belohnt uns mit  so unendlich viel Freude. 

Ich wünsche euch beiden noch einen wunderschönen Abend!

Viele liebe Grüße
Petra


Kornelia 12/20/2009 10:10


Liebe Petra,
so wie Du es beschreibst, kann ich es gut nachvollziehen. Mir geht es derzeit auch so. Es kostet ein wenig Überwindung, raus in die Kälte zu gehen und seine Runde zu laufen. Doch kaum ist man
draußen, sieht es ganz anders aus. Und ist der Körper erst einmal auf Betriebstemperatur sowieso. Du hast das sehr schön beschrieben.
Wünsche Dir noch einen schönen Tag!
Liebe Grüße
Kornelia


Marcus 12/20/2009 08:55


Ach, liebe Petra, Du bist gelaufen wie jeden Tag auch. Wo steckt also dieser ominöse ISH? Nach meiner Betrachtung existiert der nicht - das ist nur eine schwächliche Ausrede. Entweder laufe ich
oder ich laufe nicht. Was gibt es da zu begründen? Das ist für Schwächlinge und Du gehörst da mit Sicherheit nicht dazu. Die kalte Winterwelt ist jetzt wunderschön, obwohl mir das zu kalt ist, -17
C° ist selbst für mich leicht übertrieben. Vor allem, weil ich keine lange Bekleidung mag, jetzt aber nicht anders kann. Genieße Deine täglichen Läufe - das hast Du den Normalläufern voraus - die
bleiben jetzt zu Hause! Ich wünsche Dir einen wunderbaren vierten Advent und alles Gute! Liebe Grüße Marcus


Petra 12/19/2009 20:34


Hallo lieber Jörg,

du hast dass richtige Wort gewählt - es war einfach geil! Wie arm wäre mein Leben, wenn ich bei allen Witterungsunbilden aufs Laufband ginge!

Liebe Beate,
nein, du brauchst das nicht zu bewundern...... so schnell gefrieren die Lungen nicht!

Liebe Elke,

ja - jede Jahreszeit hat ihre Reize. Ich sehe diese heute viel klarer und bin viel offener für alle Prozesse in der Natur geworden. Ich denke, daß tägliches Laufen auch ein stückweit der Weg zurück
zur Natur ist. Viele Dinge der modernen Zivilisation interessieren mich heute kaum noch - wie Fernsehen, Computerspiele, div. materielle Dinge...
Es werden andere Dinge viel wichtiger: z.B. die Gesundheit!

Viele liebe Grüße
Petra


laufmauselke 12/19/2009 20:24


Ja, es ist bitter kalt geworden. Aber ich liebe genau diese Läufe.  Ich bin eben in Gedanken mit Dir mit
gelaufen.
Kalte, klare Luft, frischer Schnee, und als Krönung auch noch Sonnenschein. Was gibt es im Winter schöneres?
Jede Jahreszeit hat ihre Reize.
Ich wünsche Dir noch viele schöne Winter-Lauferlebnisse.
Liebe Grüße
Elke