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Veröffentlicht von Petra

Einen Laufbericht schreiben. Wie oft habe ich das schon gemacht? Ich habe es nicht gezählt. Aber ich glaube, ich habe mich schon lange nicht mehr so sehr darauf gefreut, die Erlebnisse dieses wunderbaren Laufes von Frank und Elke niederzuschreiben.

Prolog

 

An der Wasserstelle der Familie Pechtl,  an der es neben Wasser auch leckeren warmen Tee und Ferrero Rocher gab, erzählte Monika den beiden, dass sie ihren ersten 100er läuft und stellte mich als erfahrene Ultraläuferin vor. Ich zuckte ganz schön zusammen, weil ich mich selbst nicht so sehe.  Aber nach einigen Überlegungen kam ich doch schon auf eine ganze Reihe gefinishter Läufe und hielt lieber meinen Mund. Aber dass die Erfahrung bisheriger Ultras heute bei weitem nicht ausreichen würde, sollte ich recht bald merken. Um es vorwegzunehmen: Dieser 100er war das Härteste, was ich bisher erlebt habe. Umso größer der Stolz, es geschafft zu haben und nicht aufgegeben zu haben, auch wenn ich mehrmals nur einen Millimeter davorstand… 

Samstag Morgen 03:30

Der Wecker klingelt, ich quäle mich aus dem Bett. Die Sachen habe ich am Vorabend schon zurechtgelegt – das spart Zeit. Unsere lieben Gastgeber Marc und Susanne sind schon wach, Rainer ebenfalls. Alles 3 werden heute den Verpflegungsposten an km 34 sein. Wir fahren pünktlich los und ich träume noch ein wenig im Auto vor mich hin. 

Als wir bei Elke und Frank ankommen, werden wir ganz herzlich begrüßt. Die anderen Läufer sind auch schon fast alle da. Ich trinke noch einen Kaffee, esse den angekündigten „schlapprigen“ Toast und versuche aufmerksam das Briefing zu verfolgen. Jedes Wort von Frank versuche ich, auf der Karte nachzuvollziehen – allerdings verliere ich den Anschluss schneller als mir lieb ist. Ich versuche, meine Nervosität zu bekämpfen und hoffe, dass ich mit der Karte trotzdem den Weg finde.

06:06 Der Start

Noch schnell ein Startfoto und mit einer nur 6 minütigen Verspätung geht es los. Frank begleitet uns auf den ersten 3km, hinaus aus Hamburg. Ich laufe mit Laufschnecke Moni, wir lachen, quatschen und bremsen uns gegenseitig, um nicht zu schnell zu werden.

Unterwegs – die ersten 50km

Da Moni ein paar Problem mit der Brille hat, hole ich mein Roadbook raus und lese vor, wann wir wo abzubiegen haben.  Moni vergleicht die Entfernungsangaben mit ihrer Uhr, so dass wir uns (vorerst) ohne Probleme gut orientieren konnten.

Nach knapp 11km biegen wir auf den Heidschnuckenweg, einem Weitwanderweg in der Lüneburger Heide, ein. Ich legte das Roadbook zur Seite. Von nun an sollte uns das schwarze „H“ den Weg weisen. Hoffte ich jedenfalls.

Wir liefen nun mitten durch den Wald, immer dem H folgend und fanden uns plötzlich einer Kreuzung wieder, an der es kein H zu sehen gab… Was nun? Instinktiv liefen wir nach oben, um da oben zu entscheiden, dass es doch falsch war. Wieder nach unten, dann nach rechts, um dann irgendwann festzustellen, dass wir im Kreis gelaufen waren. Nach einer gefühlten Ewigkeit fanden wir einen Parkplatz und unweit davon ein „H“. Boa ey, was waren wir froh! Nun mussten wir nur noch entscheiden, in welche Richtung wir gehen  sollten – was uns aber dank einiger Diskussion, gewissenhaften Abwägens und unserer nicht ganz blonden Haarfarbe gelang J

Kurz darauf sahen wir die Reste der Wegmarkierungssägespäne und hatten einen wunderbaren Blick auf den Fernsehturm, den Frank in seinem Briefing erwähnt hatte. (zumindest Moni konnte sich daran erinnern)

Es ging weiter – nun auf dem richtigen Weg und wir wurden immer professioneller beim Erkennen und Ausfindigmachen der schwarzen „H“s.Bild0442

An der ersten Verpflegungsstelle wurden wir liebevoll versorgt. Auch Frank (wie immer mit Fotoapparat) und Elke waren da. Noch waren wir – trotz der paar Extrakilometer gut drauf.

Wir liefen weiter durch eine wundervolle, abwechslungsreiche Landschaft, die man sich eigentlich nicht schöner vorstellen kann. Der Wald hatte  noch etwa „Novemberhaftes“, ab auch hier regte sich das erste Grün. Man brauchte nur etwas Phantasie, um sich das Sommerkleid des Waldes vorstellen zu können.

An der nächsten Wasserstelle trafen wir zwar keinen Menschen, aber das Wasser muss dort extra für uns hingestellt worden sein: Das Wasser für die Sieger!

Bild0443Bild0445 

Kurze Zeit später bekamen wir einen motivierenden Anruf von Ramona. Es  war schön, dass sie an uns gedacht hat!

Nun ging es durch Buchholz und ohne Verzögerung fanden wir die Bahnhofsbrücke. Und nein – wir nahmen nicht den Fahrstuhl, sondern sind die Treppen hinaufGELAUFEN!

Leider bekam Moni an dieser Stelle Probleme mit dem Knie und es lief nicht mehr so, wie sie sich es vorgestellt hatte. Aber an der Wasserstelle des netten Ehepaares Pechtl bekam sie ein Salbe für`s Knie, die offenbar gut geholfen hat, wie sich später herausstellen sollte.

Trotzdem beschlossen wir beide, uns zu trennen und jeder wollte in seinem eigenen Wohlfühltempo weiterlaufen. Wir hatten beide gemeinsam gelernt, die H´s zu entdecken – also was sollte schiefgehen?

Die nächsten 6km bis zum 2. Verpflegungspunkt waren wohl die längsten 6km meines Lebens. Und auch ein bisschen die Schönsten. Es ging durch ein wunderschönes Waldgebiet, wiederum gespickt mit ein paar Hürden namens „schwarzes H“, aber letztendlich trat ich doch hinaus und mich erwartete eine Heidelandschaft, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Ich stellte mir vor, wie schön es hier aussehen müsste, wenn die Heide blüht… Irgendwann möchte ich das mal sehen. Oben auf dem Berg angelangt, sah ich weit und breit noch nichts von einem VP. Ich lief hinab, war mir unsicher, wieder hinauf bis zum H, ungläubig schauend, bis Moni kam und wir dann gemeinsam feststellten, dass ich vorher richtig gelaufen war. Ich lief immer schneller, obwohl mir klar war, dass ich die verlorene Zeit eh nicht aufholen kann. Zwischenzeitlich dachte ich sogar, daß ich nicht mal pünktlich an der Wendestelle sein würde und ich bekam panische Angst vorm Rückweg. Nachts allein im Wald – das ist so gar nicht mein Ding…

Ich stärkte mich bei Marc und Susanne am 2.VP und machte mich auf die letzten 16km bis zum Wendepunkt. In Gedanken malte ich mir aus, wie ich einen lecker Cappuccino trank und einen großen Topf Nudeln aß… Man muss sich schließlich motivieren und außerdem hat man auf so einer langen Strecke viel Zeit…

Und wie das so ist, wenn ich beim Laufen nachdenke, komme ich ins Träumen und wenn ich träume, werde ich unaufmerksam und wenn ich unaufmerksam werde, sehe ich keine schwarzen „H“s mehr… Und so kam es, dass ich an der nächsten Wasserstelle geradeauslief und eigentlich hätte rechts abbiegen müssen… Nach etwa 500m drehte ich doch lieber um und fand dann auch das Schild und somit die richtige Richtung…

Jetzt lief es wieder richtig gut und es kam ein landschaftlich reizvolles Gebiet. Hier habe ich jeden Meter genossen und „H“ für „H“ in mir aufgesogen.  Bald kamen mir auch schon die ersten Läufer entgegen. Wir wünschten uns gegenseitig alles Gute und jeder lief in seiner Richtung weiter.  Auf den letzten Kilometern mußte ich ganz schön kämpfen, es „meterte“ nicht mehr so richtig.

Um ehrlich zu sein, ich war echt froh, als ich endlich das Gasthaus entdeckte mit den vielen netten Leuten davor, die auf mich gewartet haben! Was für eine klasse Idee von Frank! Das Essen war super, ich konnte mir frische Sachen anziehen und ein alkoholfreies Hefeweizen gab es auch. Zum krönenden Abschluß gab es noch einen leckeren Cappuccino, den ich mir so gewünscht hatte, und 35 Minuten später machte ich mich auf den Rückweg.

Der Rückweg sollte sich als pures Abenteuer erweisen – aber mit glücklichem Ende. Da müßt ihr allerdings auf Teil 2 warten….

 

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Petra 05/01/2013 21:44


Liebe Marianne,


die Antwort auf deinen Kommentar ist leider und den falschen Teil gelandet... ;)


Aber auch hier nochmal herzlichen Dank für deine moraalische Untertzützung! Das hat mir seehr geholfen.


viele liebe Grüße


Petra

Marianne 04/30/2013 07:02


Da wartet man doch gern... Dein Bericht liest sich wieder immer schön und ist doch um einiges spannender. Auf sich allein gestellt sein, dass kann bei solch einer Strecke schon ganz schön
aufregend werden...aber es fand ja ein gutes Ende, wie ich weiß:)


Herzlichen Glückwunsch nochmal an dieser Stelle zum erfolgreichen Finish, liebe Petra.


LG Marianne