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Veröffentlicht von Petra

Gerade komme ich zurück - von einem wunderbaren Herbstlauf entlang der Nidda.

Als ich loslief war es noch ziemlich diesig, aber die Kraft der Sonne schaffte es, die Wolken zu verdrängen und immer stärker zum Vorschein zu kommen.

Ich hatte mich für die 10km lange Berg Hügelrunde entschieden, die an der Nidda beginnt und auch wieder endet. Erst geht es ein Stück durch den Ort. Vom Ortsausgang ist es nicht mehr weit zum Wald, der sich spätherbstlich verändert hat. Die Bäume sind meist schon kahl, viele braune Blätter schmücken den Weg. Es raschelt bei jedem Schritt. Ich geniesse dieses Rascheln. genieße die Ruhe um mich herum.

Diese Ruhe ist es, die einen für mich so wichtigen Ausgleich zu meiner täglichen Arbeit bedeutet. Die Bewegung ist der für mich entscheidenden Ausgleich zum täglichen Büro- und Reisemarathon. Mein Leben hat sich seit letztem Jahr stark verändert. Eine neue berufliche Herausforderung, die mich an meine Grenzen gehen läßt. Eine Herausforderung, die mich täglich sehr stark fordert, aber auch unwahrscheinlich viel Spaß macht, die außerordentlich interessant ist - aber auch eine Herausforderung, die ein konsequentes eigenes Zeit- und Kräftemanagement erfordert.

Kein Körper schafft es auf Dauer, bis zum Limit gefordert zu werden, ohne sich die erforderlichen Ruhepausen zu gönnen. Ruhepausen - für die man selbst die Verantwortung trägt.  Für den einen sind es die Stunden, die man vorm Fernseher verbringt, für andere die Zeit im Fitnessstudio, für die nächsten die Zeit beim Shoppen.

Für mich ist es die Zeit, in der ich laufen gehe. Die Zeit des Tages, in der mich nichts und niemand stört, kein Handy klingelt, keine e-mail zu beantworten ist und keiner auf irgendetwas wartet. In der ich abschalten kann. Zugegeben, manchmal fällt es mir sehr schwer, abzuschalten und nicht mehr an die Arbeit zu denken. Aber meist gelingt es mir doch ganz gut, meine Gedanken zu sortieren und auf andere Dinge des Lebens zu lenken. Ich möchte diese Auszeit des Tages einfach nicht missen, auch wenn es manchmal verdammt schwer fällt, den Lauf in den täglichen Ablauf zu integrieren.

Letzte Woche wäre es fast zu spät gewesen. Frühmorgens bin ich nicht aus dem Bett gekommen und abends hatten wir ein gemeinsamen Abendessen im Team. Es wurde spät und später... Letztendlich war ich gegen 23:00Uhr im Hotel. Es war eng, aber ich habe es noch geschafft.

Leider ist mein Laufterrain z.Z. nicht unbedingt die Erfüllung des Läuferherzes. Die Umgebung des Amsterdamers  Flughafen im Dunkeln ist eher was für Autofahrer als für Läufer. Aber wie auch immer - ich komme raus aus den 4 Büro- oder Hotelwänden und kann meinen Lauf absolvieren.

Umso mehr aber genieße ich am Wochenende das Privileg, durch die heimischen Felder und entlang der Nidda zu laufen. Hier, wo ich fast jeden Meter kenne, kann ich wirklich abschalten.

Als ich den Wald hinter mir gelassen hatte, sah ich die weiten Felder der Wetterau, die nun im Licht der untergehenden Sonne glänzten.  Am Horizont die Ausläufer des Taunus - ein wunderbarer, kilometerweiter Ausblick.

Als ich zurück an der Nidda war, hielt ich einen Moment inne. Ich schloß die Augen, lauschte den Wellen, dem Plätschern der Wellen. Nur ein kurzer Moment in absoluter Ruhe, bis ein Flugzeug die Stille aprupt unterbrach. Mir wird bewußt, wie laut unser Leben eigentlich geworden ist. Selbst die letzten "Rückzugsgebiete" der Natur sind erfasst vom Lärm der Zivilisation.

Als ich weiter laufe, kommt mir ein Moped entgegen. Am Rand steht ein Auto. Vermutlich von Hundebesitzern, die zwar ihren Hund Gassi führen wollen, aber bloß  keinen Schritt zu weit gehen wollen. Wohlgemerkt, ich bin immer noch am Niddaradweg,  auf dem Autos eigentlich verboten sind. Aber  wer hält sich schon an Verbote?

Aber ich ärgere mich nicht weiter uns setze meinen Lauf fort, genieße jeden Meter und komme zufrieden und glücklich nach Hause.

Ich wünsche mir selbst noch viele solch schöne Läufe.

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laufmauselke 11/28/2012 06:22


Wieder einmal ein schöner Beitrag mit vielen interessanten Überlegungen. Ja, liebe Petra. Ich genieße auch jeden Lauf, den ich in einer ruhigen Atmosphäre laufen kann. Bin zur Zeit noch voller
Eindrücke von meiner Zypernreise. Das wäre auch etwas für Dich und Rainer. Vielleicht könnt Ihr es ja mal irgendwann ermöglichen, mich dort zu begleiten. Ich werde auf jeden Fall für Euch auf
meinem Blog berichten. LG Elke

Petra 12/01/2012 20:44



Liebe Elke,


Zypern klingt wirklich gut.. :)


Werde gleich mal auf Deine Seite schauen...


Viele liebe Grüße


Petra



Martin 11/27/2012 16:07


Und nicht nur du wünschst dir noch viele solcher Läufe- ich gönne sie dir von Herzen und bin mir sicher dass noch viele solcher Momente kommen werden ,gerade wenn man beruflich so an/eingespannt
ist

Petra 12/01/2012 20:45



Vielen Dank, lieber Martin!



Täglichläufer 11/26/2012 16:51

Liebe Petra, ich wünsche Dir von Herzen, daß bei allen Änderungen, die vielleicht noch folgen werden – Dein Täglichlaufen auch zukünftig erhalten bleibt. Als Ausgleich zum beruflichen Alltag und
letztendlich als ein Weg der Zufriedenheit, Entspannung – und auch, als Pfad zu Dir selbst. Diese Kraftquelle darf man nicht unterschätzen. Möge also die Gesundheit stets mitlaufen und möge die
Gesundheit das Täglichlaufen ebenso als Kraftquelle erkennen. Alles Gute und liebe Grüße, Marcus

Petra 12/01/2012 20:52



Vielen, vielen Dank, lieber Marcus!


Das hast du wieder wunderbar fomuliert. Ja, Laufen ist für mich der Weg zu mir selbst, ein Kraftquell.


Ich war heute eine Stunde draussen laufend unterwegs - es war einfach wunderbar. Ich habe solch eine tiefe Zufriedenheit danach gespürt - wie eigentlich nach (fast) jeden Lauf.


Nein, das möchte ich nicht mehr missen. Solange es irgendwie geht und gesundheitlich möglich ist.


Viele liebe Grüße und alles Gute für Dich


Petra



Kornelia 11/26/2012 16:38


So wie Du es beschreibst, hast Du wirklich einen stressigen Job. Umso besser, dass Du für Dich den passenden Ausgleich findest. Ist sicher nicht einfach, in Deiner Situation das tägliche Laufen
durchzuziehen.


Aber man kann auch gut lesen und verstehen, was es Dir bedeutet und wie gut es Dir tut. Pass aber dennoch auf Dich auf, dass der berufliche Stress nicht zu groß wird. Am Ende dankt es Dir keiner.


Liebe Grüße


Kornelia

Petra 12/01/2012 20:55



Liebe Kornelia,


ja, das ist schon sehr anstrengend, was ich da tue, aber: Es ist ein Job, der mich ausfüllt und den ich sehr gern mache. Es macht mir Spaß, es ist ein tolles Team - und da verkraftet man Stress
leichter, oder empfindet es nicht so schnell als Stress.


Allerdings muß ich auch ehrlich zugeben, daß ich trotzdem öfter mal an die Grenzen gehen muß, oder auch darüber hinaus. Aber dann hilft mir das Laufen, wieder "runterzukommen"


Viele liebe Grüße


Petra



Petra 11/25/2012 19:49


Danke Jörg! Ich glaube, wenn ich es nicht täte, würde ich es unwahrscheinlich vermissen!


Viele liebe Grüße


Petra