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Veröffentlicht von Petra

So oft sagt man: Der Weg ist das Ziel. Und meint eigentlich: Das Ziel ist, wenn man die Ziellinie überquert hat. Dort ist Ankommen.

Man hat die Stecke im Kopf, weiß, wie viele Kilometer man zu laufen hat. Und jeder Läufer hat schon mal die Erfahrung gemacht, dass es danach keinen Meter weiter geht, weil sich im Kopf die Kilometerzahl als heutige Laufleistung festgesetzt hat.

Bei diesem Lauf ist alles anders. Es ist kein Lauf im herkömmlichen Sinne. Es ist ein Orientierungslauf. Das Einzigste, was vorgegeben ist, ist der Startpunkt an der Aisch und das Ziel auf dem Hesselberg.

Keine Verpflegungspunkte unterwegs, jeder muss für sich selbst sorgen. Auch Laufwäsche zum Wechseln muss man selbst tragen. Auf Straßen darf nur gelaufen werden, wenn es gar nicht anders geht, es ist schließlich ein Geländelauf.

Es verspricht also spannend zu werden.

Meine Vorbereitung ist alles andere als optimal. Nicht, was das Laufen betrifft. Da ist alles im grünen Bericht.  Aber es ist ein Orientierungslauf – und ich besitze weder ein GPS Gerät noch eine GPS Uhr, mit der man einen Track aufzeichnen kann. Das aber ist Bedingung für diesen Lauf.

Was aber kein Problem ist, da ich zusammen mit Didi laufe, der mit all der Technik bestens ausgerüstet ist. Trotzdem drucke ich mir die Karten, die Thomas uns geschickt hat, aus und besorge mir auch 2 Wanderkarten von diesem Gebiet, um in etwa den Überblick zu behalten.

Soweit die Theorie. Praktisch trafen wir uns am Samstagmorgen bei bester Laune an der Laufer Mühle. Ute hatte mich mit Didi vom Bahnhof abgeholt und zur Laufer Mühle gefahren. Dort trafen wir uns mit Thomas, der die Idee zu diesem Lauf hatte und ihn organisiert hat. Leider waren – trotz zahlreicher Anmeldungen  - letztendlich nur 5 Läufer gekommen, die den Weg unter die Füße nehmen wollten.

Vorm Start

Auch ich hatte zwischenzeitlich überlegt, ob  ich bei dieser zu erwartenden Kälte in der Nacht es lieber bleiben lassen sollte. Aber ich hatte Didi einmal versprochen, ihn als seinen Guide zu begleiten und ich halte meine Versprechen. Also – kein Kneifen. Stattdessen lieber nochmal einen Laufladen aufsuchen, um eine warme Laufjacke zu kaufen, die mich die Nacht in der Kälte überstehen lässt.

Es war eine eiskalte Nacht vorausgesagt – bis hinab zum Gefrierpunkt. Davor graute mir schon ein wenig, zumal es keine Möglichkeit des Ausstiegs gab. Wenn man da einmal unterwegs ist, muss man weiter, immer weiter….

Trotz aller Bedenken war die Vorfreude in mir größer, bei Didi ebenso. Wir freuten uns auf einen schönen Lauf mit vielen schönen Trails.

Ein wenig verspätet starteten wir in Richtung tiefsten Punkt Mittelfrankens an der Aisch. Um den allertiefsten Punkt zu treffen, hätten wir wohl ins Wasser gehen müssen, was aber keiner wirklich in Erwägung zog. Ich auch nicht. :)

Nun war das Rennen freigegeben und Didi war von diesem Moment an eine symbiotische Einheit mit seinen zahlreichen Smartphone-Apps und seiner GPS Uhr nebst Zusatz-Akkus.

Wir überquerten die Straße und fanden uns gleich darauf in einem wunderschönen Naturgebiet wieder – mit schönen, idyllischen Weihern, die eine beruhigende Stille ausstrahlten.

Plötzlich knackt es im Wald und direkt vor uns kommt Thomas von links. So schnell trifft man sich also wieder… Ich denke, das ist bestimmt nicht das letzte Mal.  Aber ich sollte mich irren.

Wir liefen an Zeckern, Hemhofen und Röttenbach vorbei in Richtung A3.

Überrquerung A6

Die Überquerung der Autobahn war unser erster Meilenstein, nach dem ich die ersten (noch unbenutzten) Karten entsorgen konnte. Das tat ich dann auch in Klebheim, den ersten Ort, den wir seit unserem Start durchquerten. Allerdings gab es hier nix – kein Supermarkt oder offene Gaststätte. Aber wir hatten noch genügend Vorräte und beschlossen, uns am Stadtrand von Herzogenaurach zu versorgen und die Vorräte aufzufüllen. Nur Didis Getränkevorrat musste ergänzt werden, da eine seiner Flaschen aus dem Rucksack gefallen war. Aber ein ganz netter Franke in Niederlindach füllte seine leere Flasche wieder auf.

 

Bis Herzogenaurach liefen wir fast ausschließlich im Wald, auf herrlichen Singletrails, über Stock und Stein, Böschungen hinab, über eine einsame Wiese und hatten sogar einen Balanceakt über einen schmalen Steg zu bewältigen. Schritt für Schritt gingen wir darüber. Es war bewundernswert, mit welcher Sicherheit Didi dieses Stück gemeistert hat.


Wiese

 

trailige Strecke

 

Triail Brücke


Irgendwann erreichten wir dann Herzogenaurach und fanden auch gleich einen geöffneten REWE, wo wir unsere Essens-und Getränkevorräte auffüllten und uns einen leckeren Snack gönnten. Didi nannte es „kleiner VP“. Recht hatte er, der „Große“ sollte später kommen…

Wir hielten uns nicht lange auf. Noch war es hell und wir wollten die Zeit nutzen, eine schöne warme Mahlzeit konnten wir auch im Dunkeln einnehmen.

Unser nächstes Ziel war Puschendorf, wo wir nochmals in einem Supermarkt „nachtankten“. Es geht weiter, Schritt für Schritt. Durch Mittelfrankens herrliche Natur, die wir beide sehr genießen.

Manchmal endet ein Singletrail irgendwo im nichts. Macht nichts, dann muss man eben mal durchs Gebüsch laufen.

Gegen 21:00 kommen wir in Langenzenn an. Es beginnt dunkel zu werden – und kalt. Jetzt wollen wir eine Pause machen, was warmes Essen und uns umziehen. Ich spüre, dass ich jetzt dringend meine dicke Jacke brauche.

Die erste Kneipe auf unserem Weg ist eine Pizzeria – genau nach unserem Geschmack. Wir genießen die herrliche, heiße Pasta, das alkoholfreie Weizenbier darf auch nicht fehlen. Wir machen uns fertig für die Nacht. Die Blasen an den Füßen sind versorgt, dicke Laufklamotten, Warnweste, Stirnlampe sind nun unsere Begleiter.

Großer VP in Langenzenn

Die nette Kellnerin macht noch ein „Abschiedsfoto“ von uns beiden, bevor wir satt und warm in die Nacht verschwinden.

Abschied beim Italiener in Langenzenn

Es ist eisig kalt draußen – und es wird im Laufe der Nacht noch viel heftiger werden.

Aber erst einmal können wir mit frischen Kräften laufen, es macht Spaß, sich den Weg durch den dunklen Wald zu suchen. Das Gelände war sehr abwechslungsreich, es ging munter hoch und runter. Nur auf einigen Passagen musste ich mächtig aufpassen, da fehlte mir etwas die Trittsicherheit auf dem unebenen Boden. Aber es ging uns beiden gut.

Wiedermal liegt vor uns ein größeres Waldgebiet. Wir beschließen direkt durch zu laufen. Die Trails sind auf der App gut zu erkennen. Wir werden das schaffen. Trotzdem kommen wir vom Weg ab. Also zurück. Den richtigen Trail finden. Wir gehen mehrmals hin und her, nichts ist zu sehen. Die meisten Wege sind hüfthoch zugewachsen. Egal, da müssen wir durch.

Wir orientieren uns neu und laufen ein Stück zurück. Plötzlich vermisst Didi seinen Handschuh. Ich versuche, ihn zu finden, aber das erweist sich als aussichtslos. Irgendwie wissen wir in diesem Moment beide nicht weiter. Aber es hilft nichts, wir können ja nicht sitzen bleiben und warten bis es wieder hell wird. Also laufen wir weiter und finden auch wieder sowas wie einen Weg, der dann aber auch aufhört. Wir wissen, dass wir eigentlich nur etwa 100  Meter von der Straße entfernt sind. Also beschließen wir, einfach durchs Gestrüpp zu laufen, um erstmal aus diesem Wald rauszukommen. Was war ich froh, als ich endlich am Straßenrand stand! Das Ganze hatte ein bisschen was von Hänsel und Gretel, bloß es gab kein Hexenhaus…

Ich weiß ja, dass Didi Trails liebt, aber mein Bedarf an einem weiteren Trail im dunklen Wald war erstmal gedeckt und wir beschlossen auf meine Bitte hin, im weiteren Verlauf der Nacht andere Wege zu suchen, die etwas übersichtlicher waren.

Wir fanden auch einen Weitwanderweg, mussten aber bis dahin zum nächsten Ort ein Stück entlang der Straße laufen. Das ist nicht so prickelnd, aber immer noch besser als solch eine weitere Odyssee durch den dunklen Wald.

Es ist schon weit nach Mitternacht. Ein Auto hält an und eine junge Frau fragt uns, ob alles in Ordnung ist. Ja, ist es. Aber es ist schön, dass sie fragt.

Weiter geht’s. Wir biegen nach links in den Weitwanderweg. Der wird wohl nicht irgendwo mitten im Wald enden. Wir kämpfen uns vorwärts, Didi hat gerade sein Tief. Mir geht’s erstaunlicherweise gut. Die Kälte ist zwar sehr unangenehm, aber sie verhindert bei mir die totale Müdigkeit. Wir haben eh keine Chance, stehen zu bleiben. Es MUSS weitergehen, immer weiter.

Wir passierenden nächsten  Ort. Es ist Bruckberg. Ich erinnere mich, dass es genau dort langsam hell wird. Ich sehne die Sonne regelrecht herbei. Ich brauche Wärme. Aber es wird nicht mehr lange dauern.

Im nächsten Ort verlaufen wir uns gleich 2x, merken es aber recht schnell. Es geht steil den Berg hoch. Oben angekommen spüre ich zum ersten Mal die Sonnenstrahlen auf meinem Körper. Boah ey – tut das gut!

Durch die Kälte hat Didis Technik vorübergehend seinen Geist aufgegeben, Ich hole meine Karte heraus und wir laufen jetzt nach Karte. Und siehe da – es funktioniert auch!

Wir waren nicht mehr weit vom Übergang über die A6 entfernt, mussten aber vorher noch durch Lichtenau. Ob wir hier einen Kaffee kriegen? Leider Fehlanzeige, es gibt weder ein Kaffee noch eine geöffnete Bäckerei. Aber immerhin gibt es eine Wohnstuben-Aral- Tankstelle, an der wir uns was zu Trinken und jeder einen Riegel kaufen können.

Die Leute waren total überrascht, als wir Ihnen erzählt hatten, wo wir herkommen und wo wir hinwollen und sie beschrieben uns gleich den kürzesten Weg zur Autobahnüberquerung. Ich glaube zwar nicht, dass wir den kürzesten Weg gefunden haben, aber er war sehr schön. Es ging vorbei an einem Golfplatz, an dem auch gleich ein Ball auf uns zu kullerte. Die Eigentümerin des Balles war uns sehr dankbar für den Hinweis auf den Verbleib des Balles. Sie hatte ihn schon aufgegeben….

Nun waren wir endlich auf der Autobahnbrücke, auf der wir eigentlich um 7:00 sein wollten. Es war mittlerweile so gegen 11 und die Zeit rannte gegen uns. Immer wieder rechnete ich, aber es schien uns kaum noch möglich, das Ziel bis 16:00Uhr zu erreichen.

Als wir Nehdorf erreichen, telefonieren wir mit Thomas. Er ermutigt uns weiterzumachen, auch wenn wir die Zielzeit nicht schaffen sollten. Aber irgendwie ist die Luft raus, wir können uns beide nicht mehr so richtig motivieren. Und irgendwie waren wir beide froh, als die Entscheidung gefallen war, an diesem Ort den Lauf zu beenden.

Wir rufen Ute an, die uns abholen will. Jetzt haben wir eine Stunde Zeit, die wir in der Sonne genießen. Glücklicherweise ist es jetzt schön warm. Auch wenn wir nicht auf dem Nesselberg angekommen sind, so sind wir doch hochzufrieden mit diesem Lauf, der so ganz anders war.

An diesem Tag hat sich bewahrheitet: Der Weg ist das Ziel.

Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wußten - wir haben auch gewonnen:  Didi und ich - wir wurden Sieger in der Kategorie "anspruchvollste Trails". Das ist doch ein schöner Titel, oder?

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bedanken: Bei Didi für die wunderbare Laufbegleitung, bei Thomas für die tolle Idee und die Organisation dieses Laufes, Ute für ihre wertvollen Fahrdienste und bei Thomas und Didi für die Erlaubnis, ihre Fotos hier verwenden zu dürfen.

An diesen Lauf werde ich mich noch sehr lange erinnern.

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Matthias 05/10/2014 10:01


Tolle Sache die Ihr da durchgezogen habt. Respekt!!! Das war mit Sicherheit ein spannendes Abenteuer.


Grüße aus Potsdam

Petra 05/10/2014 22:17



Danke, lieber Matthias! Ja, das war sogar sehr spannend und hat mir wieder mal gezeigt, zu was man so alles in derLage ist und wieviel man aushalten kann. Es ist immer wieder schön, eigene
Grenzen zu sprengen.


Viele liebe Grüße


Petra



Petra 05/09/2014 21:55


Lieber Frank,


 


ich glaube auch die ganze Technik wird überbewertet... Ich fand den Teil der Strecke am schönsten, als wir uns nur mit Karte oientiert haben. Ohne all den tehnischen Schnick Schnack hätten solhe
Veranstaltungen wahrscheinlich einen noch höheren Reiz.


Aber generell war es eine komplett neue Herausforderung, die schon eine gewisse Härte gefordert hat. Deshalb bin ich auch stolz darauf, so weit gekommen zu sein, auch wenn es nicht bis ganz auf
den Berg gereicht hat.


Ich schicke euch ganz liebe Grüße zurück


Petra

Frank Lomott 05/09/2014 10:54


Großes Ding, Petra. Das sind Läufe, wie ich sie mag. Herrlich, Deine Feststellung, dass man sich auch ohne Technik, nur anhand einer Karte orientieren kann. Ich glaub, dass kann sich mittlerweile
mindestens die halbe Läufergemeinschaft gar nicht mehr vorstellen. Vielleicht würde es der Idee dieses tollen Laufes ja auch dienlich sein, wenn in der Ausschreibung auf das Mitführen dieser
ganzen Technik verzichtet würde.


Herzlichen Glückwunsch zum Mut so ein Ding überhaupt in Angriff zu nehmen und zur absolvierten Strecke. Ich kann mich noch "schwach" erinnern, wie es ist, bei Kälte nachts durch die Gegend zu
streifen. 


Ganz liebe Grüße aus Hamburg