Sunday, 4. july 2010 7 04 /07 /Juli /2010 21:56
- Community: Laufen
veröffentlicht in: Laufereignisse

Dies hier wird kein Laufbericht werden, wie ihr es von mir gewöhnt seid. Um es gleich vorwegzunehmen:  Ein toller Lauf liegt hinter mir, aber ich habe ihn nicht beendet. Das erste mal in meiner noch relativ jungen "Läuferkarriere" mußte ich mir eingestehen, daß das Ziel gestern für mich unerreichbar war.

Schon Tage vor dem Thüringen Ultra  verfolgte ich die Wettervorhersage. Tag für Tag wurde klarer, daß es eine absolute Hitzeschlacht werden würde. Trotzdem wollte ich mein Ziel nicht aufgeben. Ich habe mich schon seit Wochen so sehr auf diesen Lauf gefreut.

 

Bereits am Freitag nachmittag stürzten wir uns in die feierabendverkehrsüberfüllten Straßen und fuhren nach Thüringen. Dort traf ich viele Bekannte und Freunde. Wie immer war alles vom Lauffeuer Fröttstädt liebevoll und umsichtig vorbereitet und organisiert. Die Vorfreude auf den Lauf wuchs immer mehr. Zum ersten mal trug ich eine rote Startnummer. Ich wollte die 100km allein schaffen - diesmal nicht in einer Staffel.

Nein - so ganz stimmt das nicht. Ich war nicht allein. Ich hatte mit Angela die beste, aufmerksamste und liebevollste Radbegleiterin, die ich mir wünschen konnte.

Alles, was ich unterwegs so gebrauchen konnte, verstaute sie in ihrer Tasche. Ich konnte also ohne Rucksack und ohne Gürteltasche laufen, was ich als sehr angenehm empfand.

 

Pünktlich um 4 wurden wir entlang der Schwedenfeuer auf die Strecke geschickt. Das war Gänsehaut pur.

Es war noch dunkel und die Temperatur sehr angenehm. Die ersten 50km liefen super. Ich genoss den Thüringer Wald, die Schönheit der Natur, wir quatschten über Gott und die Welt und manchmal liefen wir schweigend nebeneinander her. Angela las mir jeden Wunsch von den Lippen ab und organisierte mit Rainer alles, was ich an den Wechselstellen gern haben wollte.

 

Grenzwiese.jpg

 

Die Verpflegungspunkte waren super organisert, die Helfer dort haben stundenlang in der Sonne ausgeharrt und waren freundlich bis zum letzten Läufer. Dafür möchte ich mich hier an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Kurz vor Seligental schlug die Wucht der Hitze und der Sommer zum ersten mal erbarnmungslos zu.  Ich lief aus dem Wald und die ersten Kilometer übers freie Feld. Ich begann zu erahnen, was nun auf mich  zukam. In Floh Seligental - bei km 51 machte ich eine kurze Pause und wechselte die Schuhe. Das tat mir sehr gut. Zumindestens meine Füße machten mir kein Strich durch die Rechnung....

Floh-Seligenthal.jpg

 

Weiter ging es hinauf zur Ebertswiese. Immer bergauf, immer steiler. Immer mehr Sonne, die Hitze unerträglich. Das Salz auf meiner Haut brannte. Jeder Kilometer war gefühlte 2km lang. Mein Keislauf spielte verrückt. Mein Handy klingelt - es ertönt "diesen Weg auf den Höh`n bin ich oft gegangen"... Wenn es mir schlecht geht, sollte dies das Signal sein für "alles wird gut"... Ich habe mich gefreut, aber es schien doch nicht gut zu werden. Angela ging es inzwischen sehr schlecht, sie hatte heftige Atemprobleme. Keine Chance, daß sie weiter fährt. Bis nach Finsterbergen wollen wir noch kommen. Angela fragt mich, ob ich allein weiterlaufen will. Sie spürt, daß es mir auch nicht gut geht. Aber ich sage noch nicht nein, will es weiter versuchen.

Am Neuen Haus bei km 69 ruft Angela ihren Mann an, damit er sie in Finsterbergen abholt. Noch will ich weiter, aber mir wird so übel, daß es einfach nicht mehr geht. Ich kann nicht mehr trinken, mein Magen rebelliert gegen alles, was er angeboten bekommt. Ohne zu trinken traue ich mich nicht, weiterzulaufen. Es geht auch nicht mehr. Hier war meine Grenze erreicht, die ich an diesem Tag nicht mehr zu überschreiten wagte. Ich hatte mir immer versprochen, auf die Signale meines Körpers zu hören. Heute war der Tag, an dem ich mein Versprechen einlösen mußte.

Schweren Herzens gebe ich meinen Chip ab. Glücklicherweise kann ich in einem Auto mit nach Finsterbergen fahren. Angela rollt mit ihrem Rad nach unten, wo unsere Männer auf uns warten.

 

Schlu-.jpg

 

Das ist heute unser Ziel - kurz vorm Ortseingang in Finsterbergen. Noch ein versuchtes Lächeln - dann war ich nur noch froh, mich erst in die Badewanne und dann ins Bett zulegen.

Abends diskutierten wir noch lange über den Tag, über unseren Ausstieg und kamen immer wieder zu dem Ergebnis, daß es richtig und gut war.  Und trotzdem bleibt Wehmut und Traurigkeit zurück.


Aber Angela und ich - wir haben gestern noch den Beschluß gefaßt: Wir haben eine offene Rechnung - und im nächsten Jahr werden wir diese begleichen!

Eins möchte ich aber an dieser Stelle unbedingt nochmal sagen: Dieser Thüringen Ultra ist eine der schönsten Laufveranstaltungen in Deutschland - perfekt und liebevoll organisiert . Auch deshalb werde ich 2011 zurückkommen.

Herzlichen Dank, lieber Gunther! Herlichen Dank liebes Team vom Lauffeuer Fröttstädt!

Mein Glückwunsch gilt allen, die diesen Lauf in Angriff genommen haben - egal wie weit sie gelaufen sind! Ich freue mich darauf, euch im nächsten Jahr wieder zu sehen!

 

von Petra
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