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Dies hier wird kein Laufbericht werden, wie ihr es von mir gewöhnt seid. Um es gleich vorwegzunehmen: Ein toller Lauf liegt hinter mir, aber ich habe ihn nicht beendet. Das erste mal in meiner noch relativ jungen "Läuferkarriere" mußte ich mir eingestehen, daß das Ziel gestern für mich unerreichbar war.
Schon Tage vor dem Thüringen Ultra verfolgte ich die Wettervorhersage. Tag für Tag wurde klarer, daß es eine absolute Hitzeschlacht werden würde. Trotzdem wollte ich mein Ziel nicht aufgeben. Ich habe mich schon seit Wochen so sehr auf diesen Lauf gefreut.
Bereits am Freitag nachmittag stürzten wir uns in die feierabendverkehrsüberfüllten Straßen und fuhren nach Thüringen. Dort traf ich viele Bekannte und Freunde. Wie immer war alles vom Lauffeuer Fröttstädt liebevoll und umsichtig vorbereitet und organisiert. Die Vorfreude auf den Lauf wuchs immer mehr. Zum ersten mal trug ich eine rote Startnummer. Ich wollte die 100km allein schaffen - diesmal nicht in einer Staffel.
Nein - so ganz stimmt das nicht. Ich war nicht allein. Ich hatte mit Angela die beste, aufmerksamste und liebevollste Radbegleiterin, die ich mir wünschen konnte.
Alles, was ich unterwegs so gebrauchen konnte, verstaute sie in ihrer Tasche. Ich konnte also ohne Rucksack und ohne Gürteltasche laufen, was ich als sehr angenehm empfand.
Pünktlich um 4 wurden wir entlang der Schwedenfeuer auf die Strecke geschickt. Das war Gänsehaut pur.
Es war noch dunkel und die Temperatur sehr angenehm. Die ersten 50km liefen super. Ich genoss den Thüringer Wald, die Schönheit der Natur, wir quatschten über Gott und die Welt und manchmal liefen wir schweigend nebeneinander her. Angela las mir jeden Wunsch von den Lippen ab und organisierte mit Rainer alles, was ich an den Wechselstellen gern haben wollte.
Die Verpflegungspunkte waren super organisert, die Helfer dort haben stundenlang in der Sonne ausgeharrt und waren freundlich bis zum letzten Läufer. Dafür möchte ich mich hier an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.
Kurz vor Seligental schlug die Wucht der Hitze und der Sommer zum ersten mal erbarnmungslos zu. Ich lief aus dem Wald und die ersten Kilometer übers freie Feld. Ich begann zu erahnen, was nun auf mich zukam. In Floh Seligental - bei km 51 machte ich eine kurze Pause und wechselte die Schuhe. Das tat mir sehr gut. Zumindestens meine Füße machten mir kein Strich durch die Rechnung....
Weiter ging es hinauf zur Ebertswiese. Immer bergauf, immer steiler. Immer mehr Sonne, die Hitze unerträglich. Das Salz auf meiner Haut brannte. Jeder Kilometer war gefühlte 2km lang. Mein Keislauf spielte verrückt. Mein Handy klingelt - es ertönt "diesen Weg auf den Höh`n bin ich oft gegangen"... Wenn es mir schlecht geht, sollte dies das Signal sein für "alles wird gut"... Ich habe mich gefreut, aber es schien doch nicht gut zu werden. Angela ging es inzwischen sehr schlecht, sie hatte heftige Atemprobleme. Keine Chance, daß sie weiter fährt. Bis nach Finsterbergen wollen wir noch kommen. Angela fragt mich, ob ich allein weiterlaufen will. Sie spürt, daß es mir auch nicht gut geht. Aber ich sage noch nicht nein, will es weiter versuchen.
Am Neuen Haus bei km 69 ruft Angela ihren Mann an, damit er sie in Finsterbergen abholt. Noch will ich weiter, aber mir wird so übel, daß es einfach nicht mehr geht. Ich kann nicht mehr trinken, mein Magen rebelliert gegen alles, was er angeboten bekommt. Ohne zu trinken traue ich mich nicht, weiterzulaufen. Es geht auch nicht mehr. Hier war meine Grenze erreicht, die ich an diesem Tag nicht mehr zu überschreiten wagte. Ich hatte mir immer versprochen, auf die Signale meines Körpers zu hören. Heute war der Tag, an dem ich mein Versprechen einlösen mußte.
Schweren Herzens gebe ich meinen Chip ab. Glücklicherweise kann ich in einem Auto mit nach Finsterbergen fahren. Angela rollt mit ihrem Rad nach unten, wo unsere Männer auf uns warten.
Das ist heute unser Ziel - kurz vorm Ortseingang in Finsterbergen. Noch ein versuchtes Lächeln - dann war ich nur noch froh, mich erst in die Badewanne und dann ins Bett zulegen.
Abends diskutierten wir noch lange über den Tag, über unseren Ausstieg und kamen immer wieder zu dem Ergebnis, daß es richtig und gut war. Und trotzdem bleibt Wehmut und Traurigkeit zurück.
Aber Angela und ich - wir haben gestern noch den Beschluß gefaßt: Wir haben eine offene Rechnung - und im nächsten Jahr werden wir diese begleichen!
Eins möchte ich aber an dieser Stelle unbedingt nochmal sagen: Dieser Thüringen Ultra ist eine der schönsten Laufveranstaltungen in Deutschland - perfekt und liebevoll organisiert . Auch deshalb werde ich 2011 zurückkommen.
Herzlichen Dank, lieber Gunther! Herlichen Dank liebes Team vom Lauffeuer Fröttstädt!
Mein Glückwunsch gilt allen, die diesen Lauf in Angriff genommen haben - egal wie weit sie gelaufen sind! Ich freue mich darauf, euch im nächsten Jahr wieder zu sehen!
Liebe Petra,
ich habe schon mit Spannung auf Deinen Bericht gewartet und gratuliere Dir ganz dolle zu Deinem Sieg, ja Du liest richtig. Aus meiner Sicht war es ein Sieg und bei dieser extremen Hitze die einzig richtige Entscheidung. Sei nicht traurig. Es gibt keinen Grund dafür.
lg Christina
Vielen, vielen Dank, liebe Christina! Klar - und da geben ich dir zu 100% recht - es war richtig, aufzuhören. Und trotzdem hat es weh getan...
Aber ich habe ja noch so viele Chancen und Möglichkeiten, den 100er in Fröttstädt zu schaffen. Bei dieser Hitze hat es nicht sein sollen.
Viele liebe Grüße
Petra
Hallo Petra,
ich finde es sehr mutig von Dir, dass Du bei diesen Wetterbedingungen überhaupt zu so einem schweren Lauf an den Start gegangen bist.
Ich finde es sehr weise und klug von Dir, dass Du rechtzeitig die Bremse gefunden hast. Ich kann nachvollziehen, dass dies kein besonders schöner Moment für Dich war. Doch Du hast so viele tolle Lauferlebnisse bisher schon gehabt, dass Du dieses eine nicht ganz so gelaufene sicher verschmerzen kannst. Außerdem hast Du nun für nächstes Jahr erst recht ein Ziel.
Take it easy und erhole Dich gut!
Liebe Grüße
Kornelia
Puh- was nimmst Du bei der HItze nur auf Dich! Mir reicht es schon, mich im Haus zu bewegen und mein Kreislauf macht schlapp. Hut ab!
Liebe Grüße von Ines!
Vielen Dank liebe Kornelia!
Ich denke auch heute noch viel über den Moment nach, an dem ich diese Entscheidung getroffen habe. Und jawohl, es war die richtige Entscheidung. Seit heute ist in mir schon wieder die Freude auf das nächste Jahr, ich werde es auf jeden Fall nochmal versuchen.
Liebe Ines,
auf den ersten Kilometern in der Früh war es ja noch viel angenehmer als sich im Haus zu bewegen...
Aber 38° war
dann für mich einfach zu heftig. Ich freue mich für alle, die es geschafft haben und gratuliere ihnen von ganzem Herzen. Für mich gibt es ein "nächstes" Mal - am 2.7.2011 in Fröttstädt!
Viele liebe Grüße
Petra
Liebe Petra, Deine Entscheidung war einfach richtig! Ich hab es Dir ja schon am Telefon gesagt. Es bringt niemandem etwas, sein Leben zu riskieren. So hast Du einerseits schöne Erinnerungen, weißt aber auch, wo Deine Grenzen sind. Vielleicht kannst Du auch diese irgendwann einmal verschieben. Es freut mich, dass Ihr im nächsten Jahr wieder beim TU seid. Und wie schon gesagt, wenn alles klappt, komm ich mit. Drücken wir uns einfach gegenseitig die Daumen!
Liebe Grüße und erhol Dich gut!
Ramona
Liebe Ramona,
ich würde mich riesig freuen, wenn du im nächsten Jahr beim TU dabei wärst. Ich bin mir sicher, daß dieser Lauf genau der Richtige für dich ist. Es ist erst 2 Tage her und ich freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr, in dem hoffentlich alles besser läuft...
Ich drücke dir ganz fest die Daumen, daß es bei dir klappt mit einem freien Wochenende nächstes Jahr im Juli!
Viele liebe Grüße
Petra
Liebe Petra, nun auch hier noch mal mein Glückwunsch. Du kannst sehr stolz auf Dich sein, und unseren Respekt hast Du auf jeden Fall.
Eine Entscheidung für Deinen Körper ist immer die richtige Entscheidung.
Ich wünsche Dir eine schnelle Erholung und viel Spaß und Erfolg bei Deinen weiteren Laufabenteuern.
Es ist wirklich schade, das Du so weit weg wohnst. Wir könnten eine Menge gemeinsam unternehmen. Das würde gut passen.:-)
Sei ganz lieb gegrüßt von
Laufmaus Elke
Hallo liebe Elke,
mittlerweile habe ich mich schon wieder gut erholt und ich bin auch gar nicht mehr traurig. Im Gegenteil - ich schmiede schon neue Pläne...
Es ist wirklich so schade, daß wir so weit auseinander wohnen.
Vielleicht sollten wir wenigstens wieder mal einen gemeinsamen virtuellen Lauf machen?
Viele liebe Grüße
Petra
Hallo liebe Petra,
das war mein erster Blick heute nach dem Urlaub ins Internet - wie ist es dir beim Thüringen-Ultra ergangen? Ich hatte an dich gedacht bei der irren Hitze und dir gewünscht, dass du das schaffst. Aber der Tag war nicht dafür gemacht, eine neue 100 km-Läuferin zu backen :-)
Also sei nicht traurig, unter diesen Bedingungen aufzuhören ist keine Schande, das ist professionell. Angela und du, ihr habt das Maximale geleistet, was an diesem Tag möglich war und das Sahnehäubchen setzt du nächstes Jahr drauf!
Liebe Grüße vom Holger
Hallo lieber Holger,
vielen Dank für deine Zeilen. Stell dir vor - auf das Sahnehäubchen freue ich mich heute schon!
Nein - der letzte Samstag war wirklich nicht für neugebackene 100km Läuferinnen gemacht. Schön, daß du jetzt nicht den "Dashabichdirdochgleichgesagt" Satz bemühst
, aber mit solch einer brutalen Hitze habe ich dann doch nicht gerechnet. Das war überhaupt nichts für mich.
Aber so habe ich ja noch mein großes Ziel für nächstes Jahr, ist doch auch schön, oder?
Sehen wir uns beim Inselsberghalbmarathon?
Viele liebe Grüße
Petra
Liebe Katrin,
vielen Dank für deinen Kommentar! Toll, daß ihr so einen schönen "kühlen" Urlaub hattet - wir könnten hier auch ein wenig Abkühlung gebrauchen...*schwitz*
Ich hoffe auch, daß es zum Inselsberglauf wieder etwas kühler ist - aber bis dahin sind es ja auch noch einige Wochen. Noch solch einen Hitzelauf mag ich wirklich nicht. Schön, daß du auch dabei bist und ich freue mich schon sehr darauf, gemeinsam mit euch zu laufen.
Viele liebe Grüße
Petra
Vielen Dank, lieber Jörg!
Dein Daumendrücken hat mir zumindestens bis zum km 69 geholfen. Aber es war gut, daß ich aufgehört habe. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr - dann geht es auf ein (hoffentlich nicht zu heißes) Neues!
Viele liebe Grüße
Petra
Vielen Dank, lieber Ronald!
Mittlerweile schaue ich nicht mehr zurück, sondern nach vorn - wir sehen uns in einem knappen Jahr in Fröttstädt zu einem wieder tollen Lauf. Ich freue mich jetzt schon und würde mich sehr freuen, wenn wir uns dort kennenlernen würden.
Ultrafreundliche Grüße zurück nach Fröttstädt!
Petra