Ein wunderschöner, aber auch anstrengender Trainingslauf liegt hinter mir. Die Beine sind müde, der Körper auch - aber die Seele jubelt, das Herz freut sich. Und ich bin glücklich.
Obwohl ich heute frei habe, klingelte der Wecker bereits 07.00 Uhr. Nach einem leckeren Obstfrühstück fuhr ich mit der S-Bahn nach Frankfurt. Von dort aus wollte ich entlang der Nidda einen
langen Trainingslauf in Vorbereitung auf den Berlin Marathon machen.
Noch war es sehr kühl und ich fröstelte ein wenig. Aber das sind die besten Startbedingungnen. Es dauerte es auch nicht lange, bis mir warm war. Vor mir lag eine wunderschöne, natürliche, ruhige
Strecke. Nur ab und zu kamen mir andere Läufer, Walker und natürlich viele Hundebesitzer mit ihren vierbeinigen Freunden entgegen.
Die Sonne konnte sich ihren Weg durch die Wolken noch nicht bahnen. Um mich herum war es leicht diesig.
Die Natur rund um die Nidda ist hier - obwohl nur 25km von meinem Heimatort entfern - noch ganz anders, natürlicher. Vermutlich hat es hier keine Flußbegradigung gegeben. Bäume stehen dicht
am Ufer, ihre Äste neigen sich dem Wasser zu.
Es ist einfach schön hier und ich genieße jeden Meter auf dem sich schlängelnden Niddauferweg. In meinem Heimatort werden mittlerweile die Flußbegradigungen wieder rückgängig gemacht. Ich finde das
gut, auch wenn es gar nicht erst hätte sein müssen.
Nach etwa 10km durchquerte ich in die Kurstadt Bad Vilbel. Ein kleiner Abstecher vom Niddaweg führte mich durch den Kurpark, vorbei an einem Kneippschen Wassertretbecken. Kurzerhand entschloß ich
mich, meine Schuhe auszuziehen und eine kurze Wassertretpause - so wie wir es von Hans, unserem
Gastgeber beim
Alpenmarathon gelernt haben, einzulegen. Danach fühlte ich mich superfrisch und lief locker und unbeschwert weiter - vorbei an schönen
Häusern und tollen Gärten.
Ich fühlte mich superwohl und war bald darauf in Dortelweil. 14 km hatte ich bereits in den Beinen, etwas mehr als die Hälfte war geschafft.
Ich begann zu träumen, meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Plötzlich und unerwartet stand vor mir ein großes Schild, wie man es sonst nur von Baustellen kennt. Was hatte das hier zu suchen?
Hier auf dem Rad- und Wanderweg? Das Schild verhieß nichts Gutes. Wegen Bauarbeiten war der Weg gesperrt. Mein Weg, auf dem ich heute laufen wollte. Vermutlich würden auch hier die
Flußbegradigungen rückgängig gemacht.
Also stellte ich mich schonmal auf einen Umweg ein - wenn ich denn gewußt hätte, wo es langgehen könnte... Ich lief nach links und kam bald an einem einzelnen Gehöft vorbei. Dort erklärte mir
eine ganz nette Dame, wie ich nach Karben gelangen könnte. Aber das sei sehr, sehr weit....

Als ich ihr erklärte, daß
ich danach noch weiter wolle, schaute sie mich nur noch ungläubig an....
Ich schlug mich also durch und nach einigem Zick-Zack und etwa 5km sah ich immer noch Dortelweil links neben mir liegen. Ob dieser Ort auch mal ein Ende hat?
Nach einem plötzlich aus dem Nichts auftauchenden Golfplatz (ich wußte gar nicht, daß es den gibt) sah ich dann aber auch schon die Häuser von Karben.
Der Weg führte mich nun wieder zurück zur Nidda - allerdings mitten durch ein Industriegebiet.
War ich froh, als ich die Nidda wieder neben mir hatte und ich endlich wieder in der Natur laufen konnte. Mittlerweile strahlte die Sonne erbarmungslos und die Hitze wurde immer unerträglicher.
Gut, daß ich einen kurzen Stop am Supermarkt eingelegt und mich mit Getränkenachschub versorgt hatte.
21km hatte ich nun schon in den Beinen und die Schritte wurden etwas schwerer. Aber die Schönheit der Natur entschädigte mich für alles. Hier an dieser Stelle ist die Nidda allerdings noch in ihrem
Zustand der Begradigung, aber Ich hege die Hoffnung, daß es auch hier rückgängig gemacht wird.
Nach etwa 5km verließ ich den Niddaweg und lief entlang wunderschöner Gärten durch den nächsten Ort.
Mittlerweile hatte ich mein "Soll" erfüllt. 25-27km sollten es heute werden. Aber durch den Umweg waren noch einige Kilometer bis nach Hause zurückzulegen. Ich machte noch eine kleine
"Getränkenachschubsorganisationspause"

und lief entlang eines herrlichen schmalen Pfades und dann über
einenlangezogenen leichten Anstieg nach Hause,
welches ich glücklich nach 31km erreichte.
Naklar - so ein paar kleinere Gehpausen habe ich auch eingelegt und ganz spurlos geht solch ein langer Lauf auch nicht an mir vorüber. Trotzdem erfüllte mich eine tiefe innere Zufriedenheit,
daß ich es wieder mal geschafft habe.
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