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Veröffentlicht von Petra

Endlich, endlich hatte das Warten ein Ende. Nun wird sich zeigen, ob sich alle meine Erwartungen erfüllen würden. Bereits zum dritten Mal begebe ich mich nun auf die 43,5km von Neuhaus nach Schmiedefeld. Einerseits weiß ich, was auf mich zu kommt, aber andererseits ist jeder Rennsteiglauf anders. Es kann unterwegs so viel Unvorhergesehenes passieren....
Nachdem ich in den letzten beiden Jahren jeweils knapp über 6 Stunden geblieben bin, wollte ich sie in diesem Jahr endlich knacken - die 6 Stunden-Marke.
Wie auch in den letzten Jahren war ich nicht allein. Zusammen mit meinem Mann, Freunden, Schwester, Bruder, Tochter und Nachbarn reisten wir aus ganz Deutschland an, um die Faszination Rennsteig zu erleben und gemeinsam ein schönes Wochenende zu verbringen.
Jeder hatte sich entsprechend seinen Wünschen eine Strecke herausgesucht. So waren wir auf der 17km Wanderung, der 36km Walkingstrecke,dem Halbmarathon und natürlich auf der Marathonstrecke vetreten.

Wie es sich gehört, beginnt ein solches Laufabenteuer mit der obligatorischen Kloßparty. Da wir aber an so vielen unterschiedlichen Orten starten würden, haben wir uns unsere eigene "Kloßparty" organisiert und diese in eine gemischte Pasta- und Thüringer Bratwurstparty umfunktioniert.
































In allen Gesprächen war die Vorfreude zu spüren, aber auch ein wenig Nervosität. Würde jeder sein Ziel erreichen?

Nachdem ich in den letzten beiden Jahren meine Umwelt mindestens 2 Wochen lang hibbelig gemacht habe, war ich in diesem Jahr erstaunlich ruhig und gelassen. Dachte ich jedenfalls. Aber in den letzten beiden Tagen kam sie doch wieder - die Nervosität. Das vergessene Startnummernband war da nur das "kleinere" Übel...
Einen Riesenschrecken bekam ich, als ich kurz vor der Anmeldung feststellte, daß mein Chip noch im ca 250km entfernten Wohnort liegt...
Aber dank Kai und Astrid war auch dieses Problem ganz schnell gelöst. Sie brachten mir den Chip mit und alles war gut!

In der GutsMuths Halle in Neuhaus bekam ich dann noch mein ganz persönliches gute Omen: Ein Autogramm von Waldemar Cierpinksi auf meiner Startnummer. Wenn das nichts ist! Ich bin ja nicht abergläubisch - aber das konnte nur ein gutes Zeichen sein.


Nun kann eigentlich nix mehr schiefgehen. Gut ausgerüstet (mit Startnummernband und Chip) begab ich mich am Samstag morgen gemeinsam mit Frank auf den Weg nach Neuhaus.

















Zunächst standen wir - 10min vor Abfahrt des Busses - mutterseelenallein in Schleusingen am Bahnhof. Mir wurde leicht mulmig, ob wir hier richtig sind... Aber dann bogen doch noch ein paar Läufer um die Ecke und mir wurde etwas wohler, das flaue Gefühl im Magen  und die Assoziation, wir könnten zu spät kommen, verschwand.

Trotzdem dauerte es noch eine gefühlte Unendlichkeit, bis endlich 3 (leider überfüllte) Busse um die Ecke bogen. Aber irgendwie haben wir es geschafft und alle waren drin.
Die Enge im Bus lies uns die Laune nicht verderben. Mit viel Spaß und netten Gesprächen vertrieben wir uns die Zeit. Trotzdem waren wir froh, als der Bus dann endlich "oben auf dem Berg" in Neuhaus war.

Während die Busfahrt von herrlichem Sonnenschein begleitet war, zogen nun dicke Regenwolken auf. Ob es uns wieder wie im letzten Jahr kurz vorm Start treffen würde?
Ich war aber trotz der drohenden Wolken optimistisch und gab meine Regenjacke im Läuferbeutel ab. Ich wollte doch wie immer mein blaues " Geh auf`s Ganze Shirt " zeigen!
Frank sah man seine Nervosität (so er welche hatte) nicht an, er war locker und cool vor seinem ersten Marathon.
Am Start traf ich viele bekannte Gesichter. Besonders gefreut habe ich mich, die vielen Neumarathonis und "Geh aufs Ganze" Läufer zu begrüßen und einige endlich persönlich kennen zu lernen.
Ich drückte für alle "Neuen" die Daumen: Katrin, Angela, Ina, Vroni, Frank, Nora usw. usf.....  Aber auch meine Begleiterinnen meines ersten Marathons Martl und Brigitte und Holger - mein Begleiter vom vergangenen Jahr - waren wieder dabei.
Frank vom Laufladen Erfurt und Initiator der Aktion "Geh aufs Ganze" würde diesmal die Umsteigerin Vroni begleiten.

Inzwischen stieg die Stimmung - der legendäre Schneewalzer wurde gespielt, gesungen, geschunkelt.... Die Vorfreue stieg ins Unermessliche. Die Wolken schienen sich nicht mehr vorm Start entladen zu wollen. Es war kühl, aber nicht nass.
Wir warteten alle nur noch auf den Startschuß für das Abenteuer "Marathon auf`m Rennsteig". Über uns kreist der Hubschrauber, der den Start filmen würde.

Punkt 9 war es endlich so weit - die ersten Läufer überliefen die Startmatte, wir folgen ziemlich weit hinten nach ca 5 min.

Es geht los!

Endlich hatte die Warterei ein Ende. Wir waren unterwegs. Nun entscheiden die Beine - und der Kopf wie es läuft.
Wie eine langen Schlange zog sich das Läuferfeld auf die Straße hinauf nach Neuhaus. Es ist gut, gleich bergauf laufen zu müssen, das hilft schnell warm zu werden.

Nach wenigen Metern treffe ich Katrin, Holger und Ina. Wir wechseln ein paar Worte und wünschen uns Glück für unterwegs. Ich versuche, mein Tempo zu finden und lass sie ziehen.
Bloß nicht zu schnell angehen! Ich möchte auch nach Neuhaus noch laufen können! Trotzdem spürte ich, daß mein Tempo heute etwas schneller sein wird. Plötzlich sehe ich Evi aus der Pfalz und ihre Freundin - eine Riesenfreude. Wir laufen ein Stück zusammen weiter und ich lasse mich verleiten, etwas schneller zu laufen, als ich eigentlich wollte. Von links überholt mich Billy vom Streakrunnerforum. Ich freue mich, daß sie mich erkannt hat.

Ich bleibe bei Evi und merke, wie mir dieses Tempo guttut. Der Puls ist nicht zu hoch, also behalte ich das Tempo bei. Ich hoffe, daß sich das nicht rächt. 2x bin ich auf dem Rennsteig auf den letzten 10km mit Krämpfen eingebrochen, das soll mir heute nicht passieren.

Bis zu ersten Verpflegungsstelle geht es nun fast nur bergab. Gemeinsam laufen wir weiter, inzwischen hat uns auch Orange ein - bzw. überholt. Aber ich treffe ihn später mehrmals wieder. Ich ziehe nun doch ein wenig die Bremse und lasse Evi ziehen, aber wir treffen uns bis Kahlert immer mal wieder. Ich komme die Berge gut hinauf und brauche so gut wie nicht in den Walkingschritt zu verfallen.
Nur an den Verpflegungsstellen bleibe ich kurz stehen.

In Friedrichshöhe spielt extra für uns eine Kapelle, Zuschauer machen Stimmung und jubeln uns zu. Das tut gut und macht Spaß.
Nun haben wir endlich die Strasse verlassen und laufen im Wald - teilweise über Stock und Stein und der Rennsteiglauf wird seinem Ruf als Crosslauf gerecht. Ich liebe es, durch den wald zu laufen und genieße es. Vor mir sehe ich erst Angela und später Ilka. Wir quatschen ein bischen, wünschen uns Glück und weiter gehts.

Jetzt kommt der erste große Berg - hinauf zur Turmbaude in Masserberg. Ich habe immer noch kein Problem, hinaufzulaufen und will auch nicht gehen, um Kräfte zu sparen.
Von hinten kommt Michel, den ich von vielen Vorbereitungsläufen kenne. Wir laufen ein Stück gemeinsam, bevor er sich von mir verabschiedet und weiterläuft.
Es ist einfach schön hier - ich laufe nicht auf Rekordzeiten. Ich laufe mit Freunden - immer mal wieder ein Stück. Einige treffe ich immer wieder, ich freue mich, wenn ich sie überhole und sie grüßen freundlich, wenn sie mich wieder überholen. Hier hinten im Feld herrscht sportlich-faires Verhalten. Man spürt bei allen die Freude.

Ja - der Rennsteig ist schon was ganz Besonderes!


Mittlerweile bin ich an der Hohle bei Massergerg angekommen. Dort treffe ich Katja, die mit mir gemeinsam 2007 als Umsteigerin an den Start ging.
Es geht hinunter und wir müssen höllisch aufpassen, damit keiner stürzt. Es wird diskutiert - aber alle finden, daß dieses Stück Weg zum Rennsteiglauf trotz seiner Schwierigkeit einfach dazu gehört. ür mich ist die Hohle eine gute Gelegenheit, den Puls runter zu fahren, was auch diesmal gut gelang. Überhaupt war mein Puls immer im grünen Bereich.

Besonders freue ich mich, als ich die Matten für die Zwischenzeitnahme am HM- Punkt sehe. Instinktiv beginnt die Rechnerei - was ist heute drin?
Aber erstmal heißt es: hinauf nach Neustadt. Vorher eine Prognose abzugeben ist wahrscheinlich sträflicher Leichtsinn. Viele laufen auf der Straße, aber ich ziehe es vor, auf dem Weg entlang der Straße zu laufen. Das ist vielleicht ein wenig schwieriger, aber ich finde es viel schöner.
In Kahlert erwarten uns wieder viele Zuschauer und machen Stimmung.
Jetzt ist die nächste Verpflegungsstelle nicht mehr weit und entlang der früheren Strecke laufen wir hinein in den Ort. Ich stärke mich mit dem legendären Schleim, Tee, Obst und nehme eine Salztablette.. Ich bleibe aber nicht stehen, sondern gehe beim Trinken weiter.

Der Burgberg ruft!


Jetzt kommt meine ganz persönliche Achillesverse - der Burgberg. Wenn ich den überstehe, dann kann mir (hoffentlich) nichts mehr passieren.  Bereits von weitem hört man die Trommler, die mich förmlich nach oben "peitschen"! Hier läuft keiner mehr - jedenfalls sehe ich niemanden. Auch ich nehme den Burgberg im Walkingschritt und spare so Kräfte für die restlichen 12/13 km.
Normalerweise müßte jetzt eigentlich  der Einbruch kommen - aber ich spüre: Heute nicht!!!!!

Gleich nach dem Berg laufe ich weiter, locker wie ich es sonst noch nie auf diesem Stück kannte. Ohne es zu wollen, beginne ich nun doch zu rechnen, wann ich ins Ziel kommen könnte. Eins war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon sicher. Mein Ziel, unter 6 Stunden zu bleiben, würde ich auf jeden Fall erreichen - selbst, wenn ich jetzt nur noch walken würde. Aber das wollte ich ja nicht - auch wenn ich jetzt so langsam meine Beine spürte und die Schritte etwas schwerer wurden.
Irgendwo habe ich mal gelesen: wenn es beginnt weh zu tun, dann soll man nicht langsamer werden, sondern beschleunigen. Also beschleunigte ich, besiegte den Schlurfschritt  und war ruck zuck wieder in meinem Tempo. Es muß was Wahres dran sein - es ging wieder leichter! Trotzdem mußte ich jetzt ab und zu mal ein paar Schriite berghoch gehen - aber das war im Vergleich zu den letzten Jahren minimal.

Am Dreiherrenstein sah ich das erste bekannte Gesicht - Angelas Mann war da und schoß auch von mir ein paar Fotos. So hatte ich wenigstens die Chance, meinem Mann und Coach Rainer eine Mitteilung zukommen zu lassen, daß er etwas eher als geplant mit mir rechnen könne.
Weiter gings - das nächste Zwischenziel war Frauenwald mit der legendären  Aufschrift auf dem Stein: "Nur noch 5 lumpige Kilometer bis zum Ziel!".

Na, dann will ich mich mal auf die letzten 5 lumpigen Kilometer begeben!


Schmunzelnd laufe ich weiter. Eine nette Idee. Auch andere Läufer amüsieren sich und vergessen darüber ihren Schmerz. Von Weitem höre ich schon die Lautsprecherstimme aus dem Ziel. Es ist nicht mehr weit. Ich laufe den Berg hinunter nach Schmiedefeld., sehe die ersten Häuser. Es ist bald vollbracht.

Nach 05:16:45 laufe ich über die letzte Zwischenzeitnahme - der genauen Marathondistanz. Was jetzt kommt, ist eigentlich schon ein klitzekleiner Ultra. Der letzte Berg ist nochmal ein Hammer, ein Megahammer. Da kann man nicht gehen, den muß man, den will ich laufen.

Die Anfeuerungsrufe werden immer lauter. Das Ziel kommt immer näher und wird mir eine Zeit bescheren, von der ich nicht zu träumen wagte. Ich kann den Berg langsam laufen. Oben will ich noch Kraft haben für die " Ehrenrunde".
Ich genieße sie, mir läuft ein schauer über den Rücken. Ich werde begrüßt wie ein Sieger.

In der Zielgeraden höre ich meine "Fans" rufen und jubeln. Das gibt mir den letzten Kick. Jetzt spüre ich nur noch Glück. Ich habe soviel Kraft, daß ich einen Enspurt hinlegen kann. Ich fliege förmlich ins Ziel, lasse mir meine Medaille umhängen und lasse meinen Tränen freien Lauf. Die Emotionen kochen über, ich schwebe auf Wolke 7.































Es ist vollbracht! Ich bin im Ziel! Ich habe den Rennsteig bezwungen - im Laufschritt, ohne Krämpfe, mit viel Freude und Spaß unterwegs.
Es dauert lange, bis sich die Gänsehaut legt. Ich kann eigentlich immer noch nicht richtig realisieren, was mir  passiert ist. Ich habe meine Zielzeit um mehr als eine halbe Stunde unterschritten. Es ist Wahnsinn, was man mit fast 50 schaffen kann - auch wenn man eigentlich glaubt, gar nicht laufen zu können.

Auch alle meine Freunde haben mit Bravour den Rennsteig bezwungen. Frank hat sich würdig in die Reihen der Marathonis eingereiht und eine super Zeit hingelegt. Katrin und Kai haben bravorös gemeinsam den HM gemeistert - Katrin hat sich um 20min gegenüber dem letzten Jahr verbessert.  Unser zweiter Kai ist das erste Mal im Leben überhaupt einen Halbmarathon gelaufen - und das in den Bergen! Klasse!
Beate, Ines und Miles haben die 36km Walking geschafft  -  Waaaahnsinn!
Und unsere Wanderer sind die Größten: Christina, Peter, Rainer, Hansi, Judith und Wolfgang haben nicht nur die Berge bezwungen, sonder unterwegs Thüringen unsicher gemacht.

Euch allen möchte ganz  herzlich gratulieren! Ihr seid Spitze!
Ebenso möchte ich allen Neumarathonis zu ihrem ersten Marathon auf dem Rennsteig ganz herzlich gratulieren. Ihr seid alle erfolgreich ins Ziel gekommen und habt es geschafft. Wieder einmal hat die Aktion "Geh aufs Ganze" viele LäuferInnen erfolgreich auf den Weg zum ersten Marathon geführt.
Herzlichen Glückwunsch Marianne, Ina, Katrin, Angela, Vroni! 

Ganz herzlich gratulieren möchte ich auch allen meinen zeitweiligen Laufbegleitern, allen meinen Freunden und Bekannten, allen Foris vom Rennsteiglauf - und vom Streakrunnerforum.
Ich gratulieren allen, die es geschafft haben!


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Petra 05/21/2009 18:25

Ja, liebe Beate - es war genial!!!!

Beate 05/21/2009 17:08

Huch, ich dachte, der Bericht kommt erst nach Deinem Urlaub. Toll geschrieben. Bringt so richtig unser aller Stimmung rüber. War wirklich wieder genial.Viele liebe Grüße, Beate

Petra 05/21/2009 14:57

Hallo liebe Laufmauselke,vielen, vielen Dank für deine Glückwünsche! Ja, ich kanns auch kaum fassen, was in der Zeit vom Teammarathon bis zum Rennsteiglauf leistungsmäßig mit mir passiert ist. Das hätte ich nie für möglich gehalten.Aber mein Namensgedächtnis ist auch nicht soooo toll... Ich kenne aber die meisten von den vielen Trainingsläufen bzw. den Erlebnisläufen bzw. über die Foren und meinen Blog. Da ist es dann nicht mehr so schwer, sich die Namen zu merken. So ca nach dem 3. gemeinsamen Lauf merke ich mir die Namen dann ganz bestimmt...Liebe GrüßePetra

laufmauselke 05/21/2009 13:35

Hallo liebe Petra, eine tolle Entwicklung hast Du da genommen. Und Dein Bericht ist auch wieder sehr schön. Ich staune, wie viele Leute Du hier namentlich erwähnen kannst. Das würde mir nicht gelingen. Da fehlt mir einfach das gute Namensgedächtnis.An dieser Stelle nun auch nochmal meinen herzlichen Glückwunsch.Liebe Grüße vonLaufmaus Elke

Petra 05/20/2009 23:02

Hallo mein Trinchen,danke, danke für Deinen lieben Kommentar! Ich bin auch sowas von stolz auf Dich - Du hast eine Wahnsinnsleistung  vollbracht!Liebe Ika,Du wirst Deine Ziele erreichen - Du bist eine Kämpferin! Ich drücke Dir alle Daumen und wünsche Dir viel Erfolg!Hallo Sven,gehe deinen Weg - Du wirst es schaffen. Irgendwann läufst Du DEINEN Marathon! Vielen Dank für Deine Glückwünsche!Liebe Grüße euch allenPetra