In meinem heutigen Artikel über gesunde Ernährung geht es um die richtige Lebensmittelkombination und die Frage, die Holger in seinen Kommentaren aufgeworfen hat:
Wie kann ich mich gesund ernähren, ohne daß ich mich kasteien muß oder ohne daß meine sozialen Kontakte darunter leiden?
Holger schrieb: Ich war zuanfangs auch begeistert von dieser Ernährung und habe über Wochen versucht, mich vegan zu ernähren. Man stößt dort aber sehr schnell an seine Grenzen. Man stößt
weitestgehend auf Ablehnung durch die Umwelt. Es gibt kaum vegane Restaurants, soziale Kontakte leiden darunter usw. Es liest sich alles sehr schön in den Büchern mit den bunten Garniervorschlägen
vom frischen Obst. Aber mach es einfach mal über Monate und prüfe, wie du dich damit fühlst. Es ist auch sehr schwierig sich abwechslungsreich und ausgewogen zu ernähren.
Bevor ich nun auf Holgers Fragen eingehe, möchte ich einige Bemerkungen zur richtigen Lebensmittelkombination machen. Bestimmt hat jeder von euch schonmal etwas von
Trennkost gehört, sie vielleicht auch probiert, mehr oder weniger lange durchgestanden, vielleicht auch Erfolge gehabt.
Ich konnte mir nicht vorstellen, daß die richtige Kombination von Lebensmitteln wirklich erfolgreich sein kann - weil ich auch nie versucht hatte, zu hinterfragen warum dies so ist. Außerdem
erschien es mir viel zu kompliziert, mit einem Buch unterm Arm mein Essen zu kochen.
Ein wenig überzeugte mich die Theorie, daß beim gleichzeitigen Genuß von Stärke und Eiweis die Wirkung der basischen und sauren Verdauungssäfte sich gegenseitig behindern, da Säuren und Basen sich
ja gegenseitig neutralisieren. Richtig ist, daß schlecht kombinierte Lebensmittel lange im Magen verweilen und dem Körper wenig Energie zuführen. Wer kennt sie nicht, die Müdigkeit nach einem
richtig fetten Weihnachtsessen? Nachdem man sich eigentlich nur noch schlecht fühlt?
Trotzdem konnte ich mich nicht so richtig dazu durchringen, mich mit der "Wissenschaft" der richtigen Lebensmittelkombination zu beschäftigen. Das dies eine halbe Wissenschaft ist, liegt wohl auf
der Hand.
So versuchte ich mir wieder mal vorzustellen, wie unseren Vorfahren, die ja keine Ernährungsberater hatten, früher aßen. Sie aßen Früchte und Obst, die sie im Wald sammelten. Und ab und zu mal
einen Braten. Wenn der Sippenführer einen Säbelzahntiger erlegt hatte, wurde der gefressen - allerdings ohne Sosse und auch ohne Kartoffeln. Die gabs damals nämlich noch nicht. Unsere Vorfahren
aßen immer nur ein Nahrungsmittel und niemals alles auf einmal.
Wir muten heute unserem Magen sehr viel zu. Den Weg aus meiner ganz persönlichen Sackgasse fand ich sowohl bei Allan Carr (Endlich Wunschgewicht) als auch bei Marilynn Diamond (Fitonics fürs
Leben). Beide gehen davon aus, daß der Mensch aus 2/3 Wasser besteht. Wenn der Mensch nun seine Ernährung zu 2/3 aus Lebensmitteln mit einem hohen Wassergehalt bestreitet und diese mit immer nur
einem konzentrierten Nahrungsmittel kombiniert, kann der Körper auch mit dem restlichen einem Drittel umgehen, bei dem man eigentlich essen kann, was man will. Dies erschien mir sehr interessant
und ich probierte es aus.
Ich fing an, meinen Tag mit einer Riesenschüssel Obst zu eröffnen. Mittags folgte eine große Portion Salat, die ich wahlweise mit einem Vollkornbrötchen oder mit ein wenig Käse aß. Oder ich
kombinierte ihn mir mit Kidneybohnen. Mein Dressing machte ich mir selbst aus kaltgepressten Olivenöl und Zitronensaft. Frische Kräuter und Sprossen durften nicht fehlen. Damit hatte ich eigentlich
bereits 2/3 meiner täglichen Nahrung mit frischen Lebensmittel mit einem hohen Wassergehalt abgedeckt. Bei meiner dritten Mahlzeit konnte ich nun essen was ich wollte.
Das war wichtig für die Psyche. Ich DARF ALLES essen. 1/3 pro Tag. Ich ertappte mich selbst dabei, wie ich dieses Drittel immer seltener in Anspruch nahm. Frische Nahrungsmittel spielten eine immer
stärkere Rolle. Und ich nahm ab - weit über 20kg. Jawohl, in dieser Zeit war ich ziemlich radikal und habe auch gemerkt, daß man da mit seiner Umwelt den einen oder anderen Konflikt ausfechten
muß.
Da ich aber meine sozialen Kontakte nicht gefährden wollte, habe ich mich an dieses Drittel, bei dem alles erlaubt ist, erinnert.
Wenn ich also heute bei Freunden eingeladen bin, esse ich, was auf den Tisch kommt. Wenn ich die Möglichkeit habe, kombiniere ich mir das Essen selbst. Wenn nicht, esse ich wie die anderen. Wenn
das die Ausnahme ist, kommt mein Körper damit zurecht, er wird nicht krank.
Wenn ich heute in ein Restaurant gehe, frage ich die Kellnerin, ob ich statt der Pommes eine doppelt so große Portion Salat bekommen kann. Ich kann euch versichern - das hat bisher ohne Ausnahme
funktioniert. Ich esse dann auch mal ein Steak dazu - aber das ist sehr selten. Auch Käse und Eier sind für mich Lebensmittel geworden, die ich sehr selten esse - meist auch nur, wenn es
nichts anderes gibt. Die 2/3 Regel läßt mir aber diese Möglichkeit.
Lieber Holger, ich glaube jetzt bin ich mitten dabei, Deine Fragen zu beantworten. Ich glaube auch, daß es oftmals schwer praktikabel ist, sich vegetarisch oder gar vegan zu ernähren. Mir
gelingt dies auch nicht immer. Aber ich sehe es als nicht so schlimm an, wenn man ab und zumal und ausnahmsweise auch Fleisch und Käse ißt. Und wenn du dieses "ab und zu mal" genau dann machst,
wenn du z.B. eingeladen bist oder in ein Restaurant gehst, hast Du keine Probleme. Wenn du dann die übrigen Mahlzeiten so gestaltest, wie Du es möchtest (vegan oder vegetarisch), hast Du
wahrscheinlich überhaupt keine Probleme - weder mit der Gesundheit, dem Wohlbefinden noch mit Deinen sozialen Kontakten.
Ich habe es mit der 2/3 Methode geschafft, mein reduziertes Gewicht zu halten und ich fühle mich super wohl dabei. Es gibt aber immer mehr Tage, an denen ich diese Regel nicht ausschöpfe, nicht
ausschöpfen will. Aber wenn ich es will - z.B. zu Weihnachten - dann kann ich das auch ohne schlechtes Gewissen tun. Dann esse ich auchmal ein Stück Kuchen und ich sehe es nicht als Sünde, sondern
ich genieße es.
Der angenehmste "Nebeneffekt" der Nahrungsumstellung und der Gewichtsreduktiion war aber für mich, daß ich auf einmal einen solchen Bewegungsdrang verspürte, daß ich zur Läuferin wurde.
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