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Veröffentlicht von Petra

"Gurken der Klasse Extra dürfen maximal eine Krümmung von zehn Millimetern auf zehn Zentimetern aufweisen" - das war bisher europäisches Gesetz, nachzulesen in der  Verordnung (EWG) Nr. 1677/88 der Kommission vom 15. Juni 1988 zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Gurke.

Nein-das ist kein schlechter Witz, sondern Bürokratie pur. Immerhin wurde seit Inkrafttreten dieses Gesetzes so kräftig gewitzelt, daß die Eurokraten es nach "nur" 20 Jahren geschafft haben, diese Verordnung wieder abzuschaffen - allerdings gegen den Widerstand von 16 Mitgliedsstaaten. Diese hätten die Regelwut bezüglich der europäischen Gurke gern im Namen der europäischen Völker beibehalten.

Nun schützt uns keiner mehr vor krummen Gurken. Der mündige Verbraucher darf nun selbst entscheiden, ob  er eine günstige krumme Gurke  oder eine teure kerzengerade Gurke kauft.

Diese und viele andere Obstsorten müßten nun eigentlich noch preiswerter werden.
Wenn die EU Kommission weiterhin so mutig sinnlose Gesetze abschafft, brauchen wir

1. weniger Kontrolleure
2. weniger Beamte in Brüssel, da keine neuen Sinnlosgesetze mehr verabschiedet werden und somit
3. weniger Geld, um dies alles zu bezahlen.

Wenn also keiner mehr regeln muß, wie krumm die Gurke sein darf, könnten eigentlich die eingesparten Steuergelder dem braven Steuerbürger zurückgegeben werden.
Vielleicht leistet er sich ja dann die teurere gerade Gurke und zwingt mit den Gesetzen der Marktwirtschaft die krumme Gurke ins Aus.

Das glaube ich allerdings nicht.  Frisch muß sie sein, gut aussehen und schmecken muß sie. Alles andere ist dem Verbraucher eigentlich ziemlich schnurzpiepegal.

Hier noch eine Kostprobe aus der obigen Verordnung:

"Die Grössensortierung erfolgt nach dem Stückgewicht;

i) Das Mindestgewicht für Gurken aus dem Freilandanbau beträgt 180 g;

das Mindestgewicht für Gurken aus geschütztem Anbau beträgt 250 g.

ii) Unter einem Schutzdach angebaute Gurken der Güteklasse Extra und I müssen u.a.

- mindestens 30 cm lang sein, wenn sie 500 g und mehr wiegen,

- mindestens 25 cm lang sein, wenn sie 250 bis 500 g wiegen."


Aha. Und was machen wir mit einer 24cm langen Gurke, die 550g wiegt?


Wer noch nicht genug hat, kann sich ja mal den kompletten Text  der Verordnung antun. Wer dann noch nicht genug hat, kann sich gern auch die restlichen Verordnungen ansehen. Mir  war das zu anstrengend. So einen Müll brauche ich nicht.

Ich gehe ins Geschäft, schaue mir das Obst an und wenn es mir gefällt und es schön frisch ist, kaufe ich es. Wenn nicht, bleibt es liegen - mit oder ohne Verordnung.

Interessiert hat mich allerdings doch, wie die bisherige Marktordnung für Äpfel aussah. Gerüchteweise hatte ich gehört, daß nun auch wieder kleinere Äpfel verkauft werden dürfen. Allerdings bin ich da lediglich auf eine Seite gestossen, die von mir erstmal 248 Dollar wollte, bevor ich den Gesetzestext lesen darf.

Nein, das war mir doch zu teuer. Vielleicht kaufe ich mir für das Geld ein kleines Apfelbäumchen, warte eine paar Jahre und ernte meine eigenen Äpfel. Die darf ich dann so essen, wie sie gewachsen sind.

Es sei denn, die EU verabschiedet bis dahin neue Gesetze, die der Natur vorschreibt, wie groß sie die Äpfel werden läßt....

In diesem Sinne:

 Zeigt den Eurokraten, wie lecker man einen Gurkensalat aus krummen Gurken machen kann und laßt es euch gut schmecken!

Herzliche unbürokratische Grüße

eure Petra



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Petra 11/14/2008 13:14

Hallo liebe Marianne,wahrscheinlich hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen: Die hatten damals, als sie diese Verordnung verabschiedet haben, gerade eine "Saure-Gurken-Zeit"!

Marianne 11/14/2008 13:08

Da wiehert ja der Amtsschimmel oder hatten die Bürokraten eine "Saure-Gurken-Zeit"? Als wenn es nicht genug Probleme gibt, muss man da zusätzlich noch welche schaffen? Aber wahrscheinlich mussten für ein paar Beamte noch zusätzliche Arbeitsgebiete geschaffen werden, damit sie ihren Status rechtfertigen können. Demnächst dürfen Bananen nur noch mit einer entsprechenden Krümmung verkauft werden. Aber die kommen wahrscheinlich weniger aus Europa. Obwohl z. B. im Ami-Land die Bürokratie noch schlimmer sein soll als in Deutschland.Liebe GrüßeMarianne

Petra 11/14/2008 13:06

Vielleicht sollten sich die Anwälte mal mit diesen alltagsuntauglichen Gesetzen beschäftigen - da gibts doch bestimmt viele Möglichkeiten zu klagen... Mit den Gurken, das geht ja nun  nicht mehr...Hätten wir mal früher drauf kommen sollen.... Nein, liebe Anwälte - macht das nicht. Kümmert euch um die wirklichen Probleme der Menschen!

Beate 11/14/2008 12:55

Na ich will doch schwer hoffen, dass die Anwälte überleben. Zumindest so lange, bis ich in Rente gehe. (Versuch Nr. 179 einen Smiley hier reinzubringen - wieder nix) Liebe Grüße

Petra 11/14/2008 12:11

Mach den Bürokraten mal einen diesbezüglichen Vorschlag! Für solche Sinnlostätigkeiten haben die doch bestimmt viel übrig! Aber du hast recht, das ist wirklich Irrsin, was da in Brüssel so abläuft. Dabei sind die Gurken nur ein ganz, ganz kleiner Teil. Da gibts bestimmt noch viel mehr und viel schlimmeren Irrsin. Ich glaube, wir regeln uns nochmal zu Tode - Überleben tun nur die Anwälte, weil es ohne sie nicht mehr geht.Theoretisch hätte ich ja jeden Händler anzeigen können, der eine Gurke der Güteklasse 1 verkauft und die vielleicht 5mm zu kurz ist under vielleicht 1mm zu stark gekrümmt ist. Ist immerhin eine Ordnungswidrigkeit gewesen.Gott sei dank ist dies Verordnung jetzt abgeschafft.Liebe GrüßePetra