Thursday, 9. october 2008 4 09 /10 /Okt. /2008 20:01
- Community: Wellness und Gesundheit
veröffentlicht in: Was mich sonst noch bewegt
"Ob der Philipp heute still
Wohl bei Tische sitzen will?"

Wer kennt sie nicht, die Verse vom Zappelphilipp? Genau einem solchen Zappelphillipp durfte ich heute auf der Heimfahrt im Zug gegenübersitzen. Interessiert beobachtete ich das Szenario: Unser Phillipp (er heißt natürlich nicht wirklich so) saß unruhig auf seinem Sitz, das Handy in der Hand und spielte damit herum. Immer wieder stieß er seinen Vater mit den Beinen, was diesem natürlich mißfiel und er lautstark schimpfte. Gegenüber saß die Frau Mama und versuchte zu schlafen. Phillipp gelang es außerordentlich gut, dies zu verhindern. Papa versuchte, sich beim Lesen nicht stören zu lassen, das Buch schien sehr interessant.

Er gaukelt
Und schaukelt,
Er trappelt
Und zappelt
Auf dem Stuhle hin und her.
"Philipp, das missfällt mir sehr!"


Naja, in der Bahn bestand zwar nicht unbedingt die Gefahr, daß der Stuhl umkippt, aber das war nicht Phillipps Verdienst, sondern einfach der Tatsache geschuldet, daß die Bänke fest mit Wand und Boden verbunden waren.
Phillipp war mittlerweile zappelnderweise damit beschäftigt, Faxen ins Handy zu machen und diese dann auf Video zu filmen.
Zwischendurch Ermahnungen, Ermahnungen, Ermahnungen....und dann wieder Papas Blick ins Buch. Man merkte, daß der Junge nicht ausgelastet war.
Ob die Eltern schonmal draussen mit dem Kind getobt haben? Gerannt, gelaufen, gehüpft sind, bis er totmüde abends ins Bett fällt?
Ich höre die Eltern schon schreien: Wie soll das gehen? Im Zug muß er schon mal stillsitzen!
Ja, das ist wahr. Im Zug kann man nicht die  ganze Zeit rum turnen.
Aber draussen, in der Freizeit, da muß sich unsere Jugend bewegen. Nicht nur beim Sportunterricht, sondern in der Freizeit. Es muß ja nicht das altmodische "Räuber und Gendarm sein", es gibt bestimmt andere Spiele, die heute "in" sind.
Aber meist fallen den jungen Leuten heute nur Computerspiele ein. Bewegung an der frischen Luft wird zur Randerscheinung.

Irgend etwas läuft schief in unseren Familien, in den Schulen, in der Gesellschaft.
Bereits mit 6 Jahren werden die Kinder an den Stuhl "festgenagelt". Stillsitzen wird zu Norm, Sportunterricht fällt mehr aus, als das er stattfindet und das Kind verlernt, sich zu bewegen, wird immer dicker und bewegt sich noch weniger.

Der Kreislauf beginnt. Ein verheerender Kreislauf von Übergewicht , Diabetes, Blutdruck, Schlaganfällen, Herz-Kreislauferkrankungen, der schließlich zu einer geringeren Lebenserwartung führt. Die Gesundheitsmaschinerie freut sich, weil sie mit ihren Pillen viel Geld verdient.

Es ist beängstigend, diese Entwicklung. Es wäre so einfach, sie aufzuhalten.
Und: es würde nichts kosten. Man muß eigentlich nur das tun, was die Natur für die Menschen vorgesehen hat. Man muß sich bewegen - und zwar täglich. Dabei ist es egal, ob man läuft, walkt, radelt oder was auch immer. Hauptsache man tut es. Das sehen dann auch die Kinder, die ihren Eltern gern nacheifern. Mama und Papa sind doch das große Vorbild.

Nach dem Tischtuch greift er, schreit.
Doch was hilft's? Zu gleicher Zeit
Fallen Teller, Flasch und Brot.
Vater ist in großer Not,
Und die Mutter blicket stumm
Auf dem ganzen Tisch herum.


Unser Phillipp auf dem Platz gegenüber hat inzwischen die Cola umgekippt, die sich gleichmäßig auf dem Boden und dem Sitz verteilte und alles zum Kleben und die Mama zum Schimpfen brachte.
Papa mußte seine Buchlektüre kurzzeitig unterbrechen, um die Colaspritzer notdürftig abzuwischen, seinen Unmut zu äußern und Phillip rigoros mit Stubenarrest zu bestrafen.
Na prima, denke ich, da wird Phillipp sich ja freuen. Da braucht er sich wenigstens nicht bewegen und kann den ganzen restlichen Tag weiter mit dem Handy oder am Computer spielen - und wird voraussichtlich weiter nerven.

Nein - nicht jedes Kind ist solch ein Zappelphillipp. Aber es gibt beängstigend viele.
Und die Gesellschaft hilft. Wozu gibt es Kinderpsychologen? Die verschreiben dann die eine oder andere Pille - und schon ist wieder alles gut.

Wirklich? Was tun wir unseren Kindern an?

von Petra
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