Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Seiten

Veröffentlicht von Petra

Ich bin heute noch fassungslos.
Fassungslos über das, was da auf Deutschlands höchsten Berg passiert ist.
Natürlich stelle auch ich mir die Frage, wie so etwas passieren konnte.
Nein – nicht die Frage: Wer ist schuld? Sondern die Frage: Wäre es vermeidbar gewesen?
Ich war nicht dabei und ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen, aber einige Fragen brennt mir seitdem auf den Nägeln:
Wie hätte ich mich in dieser Situation verhalten? Wäre ich so vernünftig gewesen, aufzugeben? Hätte ich mich anders bekleidet?
Oder wäre ich auf Teufel komm raus bis ins Ziel gelaufen? Immer getreu dem Motto: Aufgeben gibt’s nicht!
Nein – ich war noch nie in einer solchen Extremsituation. Ich mußte mir diese Fragen noch nicht stellen. Aber: Ich habe auch noch nie aufgegeben. Ich bin immer ins Ziel gekommen, weil ich es wollte. Weil ich lange auf meine Ziele hintrainiert habe. Da kämpft man. Da kämpft jeder. Da haben auch die beiden toten Läufer gekämpft.
Es ist leicht zu sagen, man hätte doch.....den Wetterbericht  studieren müssen, die Laufkleidung anders wählen müssen, die Veranstaltung absagen müssen, nicht bis auf den Gipfel laufen sollen, rechtzeitig die Läufer stoppen sollen und, und, und...
Das hilft den toten Läufern auch nicht mehr. Für sie kommt die späte Erkenntnis zu spät. Aber die vielen anderen Läufer können die richtigen Schlußfolgerungen ziehen.
Der Sport darf nicht zum Tod führen. Man muß lernen, rechtzeitig die Reissleine zu ziehen, den Ehrgeiz ein wenig zurückschrauben. Auch mal sagen: Nein ich hör auf, wie es die Vorjahressiegerin  Ellen Clemens (ihr Interview findet ihr hier) getan hat. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.
Aber auch der Veranstalter sollte über das Reglement  der zukünftigen Läufe auf die Zugspitze nachdenken. Vielleicht wäre das mit der Festlegung einer Mindestausrüstung nicht passiert?
Ich habe lange nachgedacht – über mich und wie ich gehandelt hätte. Ich glaube, ich hätte in dieser Situation das erste Mal in meinem Leben aufgegeben – und ich hätte mich nicht als Verlierer gefühlt. Aber ich hätte vermutlich einige Kilometer bis zu dieser Erkenntnis gebraucht.
Vielleicht wären gerade diese paar Kilometer die Entscheidenden gewesen?

Kommentiere diesen Post

Petra 07/18/2008 09:07

Ja, lieber Bergschnaufer und alle anderen Leser:
Da könnt ihr euch darauf verlassen! Ich werde vernünftig sein!
LG
Petra

Beate 07/18/2008 06:44

Hi Petra, der Artikel kommt mir doch aus dem Forum so bekannt vor. Man kann wirklich nur hoffen, dass die Läufer daraus lernen. Wenn es schon passieren musste, bin ich froh, dass es vor Deinen Alpenlauf passierte, denn ich bin sicher, Du wirst Dich richtig einschätzen - jetzt auf jeden Fall.
Liebe Grüße

Petra 07/16/2008 21:22

Hallo Etzelmania,
ja- ich würde und werde rechtzeitig aufhören, wenn ich merken sollte, daß der Alpenmarathon oder die vielleicht da gerade herrschenden Bedingungen meine Kräfte übersteigen sollten. Aber ich laufe dort nicht allein, sondern in einer Gruppe. Das macht das alles einfacher. Außerdem wird Rainer am Halbmarathonpunkt stehen und alle Wechselsachen bei Bedarf dabeihaben.
Außerdem werde ich den Wetterbericht genau studieren. Ich scheu mich auch nicht, gleich mit langen Hosen loszulaufen, wenn es die Temperatur erfordert!
Du brauchst Dir um mich keine Sorgen zu machen, ich werde vernünftig sein!
LG
Petra

etzelmania 07/16/2008 10:11

Im letzten Jahr war ich selbst auf der Zugspitze, allerdings als Wanderer. Ich habe viele Leute getroffen, die sich bei der Wahl der Ausrüstung gröblichst vergriffen haben. das betrachte ich als STRÄFLICHEN Leichtsinn. Wer so unbedarft an einen knapp 3000m hohen Berg herangeht, hat dort eigentlich nichts zu suchen. Das ist doch kein Frankfurt Marathon, wo an jeder Ecke 3 Sanis stehen! Dort gibt es kaum eine Möglichkeit, schnell jemandem zu helfen. Das muss (und wird auch) jedem klar gewesen sein, bevor er an den Start ging. Ehrlich gesagt, hält sich deshalb mein Mitleid auch in Grenzen. Sehr bedauerlich finde ich eher, dass durch solche Negativ-Publicity alle Couch-Potatoes in ihrer "Sport-ist-Mord"-Einstellung noch mehr gestärkt werden.
Ich halte es für völlig verkehrt, jetzt die Schuld beim Veranstalter zu suchen. Ein Fallschirmspringer kann ja auch schlecht den Piloten dafür verantwortlich machen, wenn sich sein selbstgepackter Fallschirm nicht öffnet.
Den Lauf absagen? Finde ich auch falsch. 'Ne Vorstartkontrolle mit Festlegungen für eine Mindestausrüstung fände ich ok, da sollten auf jeden Fall ein Handy, 'ne GPS-Ausrüstung (am besten mit Möglichkeit zur automatischen Alarmauslösung) und 'ne warme Jacke dazu gehören. Eine lange Hose würde ich zur Pflichtbekleidung machen.
Noch was zum Thema Ehrgeiz: Ich finde es gut, liebe Petra, dass Du Dir dazu Gedanken machst. Bei Deinem geplanten Alpenmarathon könnte das sehr schnell für Dich ganz aktuell werden und ich hoffe, dass Du dann mit klarem Kopf rechtzeitig die richtige Entscheidung triffst, wenn das Ganze Dein Leistungsvermögen übersteigen sollte.
Wie heißt es so schön: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Aber: Ein Berg ist nur dann eine Gefahr, wenn man ihn unterschätzt und sich selbst überschätzt.

Wünsche allen Mitlesern, dass Euch das NIEMALS passieren wird, sondern dass Euch der gesunde Menschenverstand immer zur richtigen Entscheidung führt.

etzelmania

Marianne 07/16/2008 09:10

Habe noch gar nicht davon gehört und musste erstmal nachlesen. Mir fehlen die Worte. Ist das mangelnder Respekt vor dem Bergen? In hochalpinen Gebieten kann die Sicherheit doch nicht so außer Acht gelassen werden.
Es ist vor allem schlimm für die Angehörigen der beiden Toten.