Nun hat es doch noch geklappt mit unserer 4x25km Staffel zum Thüringer Ultra!
Nach Kerstin und Christian ist am Freitagabend noch Astrid als 4.Staffelmitglied zu uns gestossen, so daß wir gestern das Unternehmen Staffel zum Thüringen Ultra in Angriff
nehmen konnten.
Aber der Reihe nach....
Der Abend vorher
Irgendwie kam ich mir anfangs ein wenig verloren vor... Ein Riesenmeer von Caravans, Zelten, Autos, eine Unmenge mehr als schlanker Superausdauerläufer, die allesamt angereist waren, um die 100km
lange Strecke des Thüringen Ultra in Angriff zu nehmen. Nein - nicht alle. Es gab da auch ein paar Läufer wie ich z.B., die sich mit dem sogenannten "Weicheiprogramm", also einer "Staffel "
zufrieden gaben. :)
Viele fleissige Helfer des "Lauffeuers Fröttstädt" kümmerten sich um die Belange der Läufer. Nicht nur die Ausgabe der Startunterlagen verlief reibungslos, einfach alles war super organisiert. Es
gab genügend Platz für die vielen Camper, die Caravans und Autos. Für die Läufer ohne eigenes Zelt war ein großes Zelt aufgebaut - damit war auch meine Übernachtung gesichert.
Zuerst traf ich mich mit meiner ersten Staffelpartnerin Kerstin. Bald darauf trafen wir auch Christian. Eigentlich fehlte nur noch unser 4.Partner. Wir begannen zu planen und zu überlegen, wie wir
die 100km unter uns aufteilen wollten. Kerstin hatte sich schon fast bereit erklärt, die erste und zweite Etappe zu laufen, als wir plötzlich die Idee hatten, dochmal den Veranstalter um ein
Durchsage zu bitten, welche dann auch prompt gemacht wurde. Innerhalb von Sekunden war Astrid bei uns - nun war auch unsere 4er Staffel komplett und unserem Start stand nichts mehr im Wege. Bei dem
obligatorischem Läuferbier planten wir unsere Staffel, teilten unsere Etappen auf und organisierten die An- und Abfahrt. Voller Vorfreude auf den nächsten Tag gingen wir relativ früh schlafen - die
Nacht würde ohnehin sehr, sehr kurz werden.
Der Lauf
Bereits gegen 2.30Uhr begann ein emsiges Treiben auf dem ganzen Gelände. Die 100km Ultraläufer bereiteten sich auf ihren Start vor. Obwohl die Staffeln erst eine Stunde später- also 5.00Uhr-
starteten, stand ich ebenfalls auf. Ich wollte den Start der Ultras miterleben, sehen, wie sie ins Dunkel der Nacht "verschwanden". An Schlaf war ohnehin nicht mehr zu denken.
Die Veranstalter vom "Lauffeuer" Fröttstädt hatten sich beim Start was ganz besonderes einfallen lassen. Da es um diese Zeit noch dunkel war, wurden die ersten ca 500m mit brennenden Fackeln
beleuchtet, die den Läufern den Weg "wiesen".
Nur eine Stunde später wurden die Staffeln - nun bereits im Hellen - auf den Weg geschickt. Für uns ging Nordlicht Kerstin an den Start. Ich fuhr zu Ruhlaer Skihütte, an der sich die
Wechselstelle zur 2. Etappe befand.
Die Wahl der Kleidung fiel mir sichtlich schwer. Die Nach war eisig kalt und auch jetzt war noch nicht viel von Wärme zu spüren. Trozdem entschloss ich mich in kurzem Shirt zu laufen und war später
sehr froh über diese Entscheidung. Obwohl mein "Coach" Rainer leider nicht dabei war, gab es keine Langeweile an der Wechselstelle. Ob es der nette Betreuer war, der uns bereits beim
Trainingslauf auf den Fahner Höhen die Getränke reichte, oder die Läuferin, die ebenfalls auf ihre Partnerin wartete - man kam schnell ins Gespräch und freute sich gemeinsam auf den Wechsel und die
eigene Etappe.
Pünktlich wie vereinbart kam Kerstin an der Ruhlaer Skihütte an und übergab mir den Chip. Vor mir lag eine
Strecke von
fast 27km bis auf den Sportplatz von Floh-Seligental. Da bis gestern noch nicht klar war, welche Etappe ich laufe, hatte ich auch keine Gelgegenheit mehr, mich ausgiebig mit der Strecke und dem
Streckenprofil zu beschäftigen. Also hieß es: einfach loslaufen und hoffen, daß die Wege gut markiert sind!
Gleich nach meinem Start ging es zügig bergan. Es lief bei mir überhaupt nicht rund und ich hatte das Gefühl, daß es heute nichts wird. Aber diese Gefühl habe ich auf den ersten km eigentlich
immer... Deshalb gab ich die Hoffnung nicht auf und bereits nach 2-3km lief es dann auch wesentlich besser. Ich hatte meinen Rhythmus und mein Tempogefühl für den heutigen Tag gefunden. Mein IPod
machte ich bereits nach wenigen km aus. Es war schöne Musik - aber was ist das schon gegen die Schönheit der Natur, des Thüringer Waldes? Ich genoss die mittlerweile schon
wärmende Sonne und die erwachende Natur in vollen Zügen, lauschte den Vögeln und fühlte mich sooo frei.
Kurz vor Brotterode "Am Gehege" kam ich zur ersten Verpflegungsstelle. Hier erlebte ich etwas, was ich so noch nie erlebt habe: Die freundlichen Vereinsmitglieder vom Lauffeuer Fröttstädt
standen am Verpflegungspunkt und haben mir Beifall geklatscht. Ich war so beeindruckt und habe mich tierisch gefreut. Nachdem ich getrunken und ein Stück Riegel gegessen hatte, lief ich
voller Enthusiasmus weiter. Es ging Richtung Inselsberg. Ein Teil der Strecke kam mir bekannt vor vom Inselsberghalbmarathon im letzten Jahr. Allerdings ging es nicht ganz bis auf den Gipfel,
sondern wir bogen ab zur Grenzwiese und von dort aus weiter zum Gänsberg. Auch an diese beiden Verpfleungsstellen wurde ich mit viel Beifall begrüßt. Das tat gut und gab neue Kraft.
Mittlerweile überholte ich auch den einen oder anderen 100km Läufer. Ich hatte für jedem von ihnen ein aufmunterndes Wort und sie haben sich auch sehr darüber gefreut.
Mittlerweile war ich auf dem Weg zur Verpflegunsstelle Burgwacht Hohleborn, der über 5km auf und ab durch den Wald ging. Die Anstiege begannen schon ein wenig weh zu tun...
Am Wegesrand standen immer wieder Bilder von den einheimischen Tierarten und deren Lebensraum. Schade, daß ich keine Zeit hatte, mir diese näher anzusehen. Als Entschädigung dafür hoppelte mir aber
ein kleines Häschen in natura über den Weg.
Hier an diesem Stück traf ich auf Ines, die in einer 50km Staffel lief. Wir liefen einige km gemeinsam. Es war schön, sich ein wenig unterwegs zu unterhalten. Ganz besonders schön war es, an der
Stelle nicht allein zu sein, an der zum ersten mal eine Markierung fehlte. Wir waren uns beide ziemlich unsicher, wo es lang ging und liefen dann einfach gerade aus. Aber auch an der nächsten
Kreuzung war nichts zu sehen...
In mir stieg schon leichte Panik auf... Aber dank eines Waldarbeiters, der uns den Weg zum nächsten gelben Pfeil beschrieb, waren wir bald wieder auf der richtigen Strecke. Was waren wir froh, als
wir wieder die Markierungen sahen!
Von nun an ging es fast nur noch bergab. Für mich begann hier der schönste Teil der gesamten Strecke. Sie führte über eine - allerdings asphaltierte - ehemalige Bahnstrecke entlang. Es ging
durch ein sehr enges, malerisches Tal mit einer kleinen Brücke. Spätestens hier habe ich mich geärgert, daß ich mein Handy nicht dabei hatte. Dieses Stück Weg und die dortigen Ausblicke waren so
schön, daß ich sie gern für mich im Bild in Erinnerung behalten hätte. Aber ich weiß, daß ich dieses Stück igendwann einmal mit meinem Mann bewandern werde.
Mittlerweile ist Ines davon gezogen. Da ich diesen Lauf für mich als Trainingslauf betrachtet habe, wollte ich in meinem Tempo weiterlaufen und nicht mehr beschleunigen. Es ging weiter an
einer ehemaligen Bahnstrecke, über eine kleine Brücke übers Tal, durch einen Eisenbahntunnel und zum Schluß auf eine sich ewig hinziehende lange Gerade, die einfach nicht enden wollte...
Ein junger Feuerwehrmann, der die Strecke absicherte, erklärte mir, daß es nur noch 200m seien. Ich lief und lief und lief und nach gefühlten 1000m stand dann das Schild: noch 150m!
Ich lief auf den Sportplatz und hörte schon von weitem die Begrüßung von unserer dritten Läuferin Astrid und von Startläuferin Kerstin. Ich übergab Astrid den Chip, wünschte ihr viel Erfolg und
freute mich riesig, es wieder einmal geschafft zu haben. Es waren für mich persönlich 26,9km Training auf dem Weg zum Alpenmarathon, vor dem ich immer noch gehörigen Respekt habe.
Ich fuhr mit Kerstin zurück zum Ziel nach Fröttstädt. Dort genossen wir gemeinsam mit Ines die Sonne und betrieben "Regeneration"
Inzwischen hörten wir auch vom planmäßigen Wechsel von Astrid auf Schlußläufer Christian und freuten uns auf den gemeinsamen Zieleinlauf, zu dem es aber leider nicht mehr kam... Christian hatte
unterwegs heftige Muskelprobleme und konnte nicht bis zum Ende durchlaufen...
Klar, waren wir ein wenig traurig. Aber auch das gehört zum Sport dazu und kann immer wieder passieren.
Wir haben diesen Lauf trotzdem genossen und freuen uns, daß auch bei Christian keine ernsthafte Verletzung vorliegt.
Auch im Ziel gab es eine super Verpflegung - selbstgekochte Suppe mit Auswahl, selbstgebackener Kuchen und natürlich die für mich obligatorische Thüringer Bratwurst.
Gegen abend war für mich die Zeit gekommen, aufzubrechen und nach Hause zu fahren - voller Emotionen und Eindrücke, die es in den nächsten Tagen zu verarbeiten gilt. Ich war zwar allein
gekommen, aber ich war nicht wirklich allein. Ich war Mitglied einer Läuferfamilie, die sich an diesem Wochenende getroffen hat und gemeinsam diesen Lauf zu einem Topereignis werden lies.
Mein ganz herzlicher Dank gilt den Organisatoren des Thüringer Ultras. Sie haben mit viel Engagement und Herzblut einen Lauf auf die Beine gestellt, den man erlebt haben muß und den man so
schnell nicht vergißt. Auch ich weiß: ich werde im nächsten Jahr wieder kommen!
Aber jetzt freu ich mich ersteinmal auf den Inselsberghalbmarathon, der auch vom Lauffeuer Fröttstädt gemeinsam mit dem Laufladen Erfurt/Jena organisiert und genauso schön werden
wird.
Besondere Grüße an dieser Stelle an meine StaffelkameradInnen Kerstin, Astrid und Christian sowie an meine zeitweilige Laufbegleiterin Ines. Es war mir eine große Freude, euch kennengelernt zu
haben und gemeinsam mit euch gelaufen zu sein!
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