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Veröffentlicht von Petra

Alles hat ein Ende UND einen neuen Anfang

Meine Täglich Lauf Serie hat ein Ende gefunden. Nach 8 Jahren und 11 Tagen. Eine lange Zeit, eine schöne Zeit. Und eine so lange Zeit, dass es sich lohnt und mir sehr wichtig ist, zurückzublicken. Um nicht mehr so sehr traurig zu sein, dass sie vorbei ist.

September 2008

Ich lese einen Artikel von Marcus, dem Täglich Läufer. 7 ½ Jahre Täglichlaufen. Eine hommage nicht nur aufs Laufen schlechthin, sondern darauf, es täglich zu tun.

Dieser Artikel hat mich damals tief beeindruckt und ich habe ihn immer und immer wieder gelesen, versucht, ihn zu verinnerlichen.

Ich konnte Marcus in Vielem einfach nur zustimmen, ohne wirklich zu begreifen, was ´Täglich Laufen wirklich bedeutet.

Damals dachte ich mir: Wenn du das Laufen so liebst, dann versuche es doch einfach mal täglich. So schwer kann es doch nicht sein. Du musst eben einfach nur jeden Tag Laufen. Man beachte die Wortwahl: „musst“…

Heute weiß ich, dass mein Start ins Täglich Laufen noch nichts mit dem Täglich Laufen an sich zu tun hatte.

In mir gab es solche Gedanken: Wie schaffe ich es, am Tag nach einem Marathon zu laufen? Wie kann ich ausreichend regenerieren? Kann Täglich Laufen zu Übertraining führen?

Heute weiß ich, das Täglich Laufen nichts mit Training zu tun hat, sich diese beiden Formen des Laufens im Grunde genommen diametral ausschließen.

​Meine Gedanken - veröffentlicht auf meinem Blog wenige Tage nach dem Start meiner Serie - lassen mich heute nur noch lächeln... Damit hatte ich noch nicht im Ansatz verstanden, was Täglich Laufen bedeutet.... Heute kann ich über diesen Artikel schmunzeln. Andererseits zeigt er mir die enorme Veränderung und Entwicklung in meinem Denken in den letzten 8 Jahren.

Die Reaktion meiner Familie und Bekannte war größtenteils skeptisch. Oft wurde ich gefragt: Warum machst du das? Musst du wirklich jeden Tag Laufen? Kann das gesund sein?

Später wurde mir die Frage anders gestellt: Warst du heute schon laufen?

Die ersten Jahre…

…vergingen wie im Flug. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Das Tägliche Laufen scheint die Zeit noch schneller fließen zu lassen. Die Zeit rennt geradezu.

So langsam merke ich, was Täglich Laufen bedeutet. Ich laufe – egal ob es regnet oder schneit, ob Sommer ob Winter. Ich beginne, die Natur mit anderen Augen zu sehen. Mein Blick schärft sich für die kleinen Veränderungen, die ich bei meinen täglichen Läufen wahrnehme. Ich finde es so schön, in der Natur zu laufen und täglich etwas Neues zu entdecken.

Die Kombination von Marathon und Ultramarathons scheint mir gut zu gelingen. Aber noch sind meine täglichen Läufe in den Rhythmus der Marathons eingebettet und damit auch so ein bisschen in den Trainingsrhythmus.

​Wie jedes Jahr habe ich auch nach 3 Jahren ein kleines Resümee gezogen, das meinen beginnenden Wandel hin zur Täglich Läuferin ein bisschen deutlich macht. Vieles war Anders geworden, sah ich mit anderen Augen...

2012 - 4 Jahre täglich Laufen

Wenn ich den Zeitraum 2011/2012 betrachte, waren diese Jahre die wohl Entscheidenden auf meinem Weg zur Täglich Läuferin,

Mein damaliger Artikel endet mit den Worten:

"Heute weiß ich, daß mich nichts und niemand abhalten wird, meinen täglichen Lauf zu absolvieren. An dem Tag, an dem meine Serie reißen wird, bin ich wirklich krank.

Ich hoffe, daß dieser Tag noch lange auf sich warten läßt. Ich wünsche mir selbst Gesundheit. Ohne diese ist alles nichts.

Solange ich gesund bin, werde ich das Privileg genießen, jeden Tag meinem Körper das geben zu können ,was er von Natur aus braucht: Bewegung.

Nach 4 Jahren kann ich sagen: Ich denke wie eine Täglich Läuferin. Ich bin bei mir selbst angekommen​"

Die Folgejahre

Eine berufliche Veränderung steht an und fordert mich zeitlich stärker als bisher. Die damit verbundene Reisetätigkeit fordert mich und verlangt ein besseres und effektives Zeitmanagement. Aber es bringt auch neue Reize:

Ich laufe an den unterschiedlichsten Orten und unter den unterschiedlichsten Bedingungen. Ganz besonders gern erinnere ich mich an mein Sight Running in Kopenhagen, an meine Laufrunden in Brüssel, in Amsterdam oder aber an meine teilweise verrückten Lauferlebnisse im Dschungel oder am Strand von Klein Curacao.

Immer weniger verstehe ich die Menschen, die mir sagen, sie würden es aus zeitlichen Gründen niemals schaffen, täglich zu laufen. Ich weiß, dass es geht. Wenn man nur will. Wenn man das Laufen nicht als MUSS betrachtet. Wenn man das Laufen genießt. Laufen geht überall. Vorausgesetzt, die Laufschuhe sind immer im Gepäck.

Am 18.09.2013 - meinem 5 jährigen Jubiläum habe ich die folgenden Sätze geschrieben:

"So schließt sich der Kreis des heutigen Tages. Nach einem harten Büro Tag laufe ich entlang des Nieuwe Meers, genieße die allerletzten Sonnenstrahlen des Abends und laufe in die Dunkelheit hinein. Auf den letzten Metern weist mir das Licht eines herannahenden Flugzeuges den Weg, es wirft einen langen Schatten einer rennenden Läuferin auf den Weg - mein Schatten. Ich sehe mich selbst laufen, nur einen kurzen Moment. Dann ist es wieder dunkel. Ich schließe einige Sekunden die Augen und laufe blind, die Gedanken in mich gekehrt. Ich kann es noch nicht realisieren, dass ich es wirklich geschafft habe, 5 Jahre täglich zu laufen"

Ich bekomme gerade Gänsehaut. Zum ersten Mal habe ich meine Jubiläumsartikel wieder selbst gelesen...

Es scheint immer weiter zu gehen…. Jahr für Jahr, jeden Tag laufen. 6 Jahre, 7 Jahre, 8 Jahre…

Meine täglichen Läufe werden mir immer wichtiger. Sie sind es, die das Laufen ausmachen. Nicht das Kräftemessen mit anderen, nicht das Rennen nach Bestzeiten. Ich laufe immer weniger Marathons und Ultras, nur noch einige ausgewählte Naturläufe, die mir nach wie vor Freude machen. Aber ich trainiere nicht mehr dafür, ich laufe einfach mein Wohlfühltempo und genieße die Natur und den Austausch mit Freunden. Und ich genieße es auch, an meine Grenzen zu gehen, ohne diese zu überschreiten. Ich habe ein Körpergefühl entwickelt, die mir diese Grenzen aufzeigen.

Manchmal setze ich mich in die Bahn und fahre an diverse Ziele. Von dort aus laufe ich zurück. Ich finde es toll, laufend die Heimat näher kennenzulernen. Ich habe vieles gesehen, was Autofahrer nicht sehen. Und ich scheine die Lizenz zum „Verlaufen“ zu haben. Aber es macht unwahrscheinlich viel Spaß.

Manchmal laufe ich zusammen mit Freunden – diese Läufe genieße ich aus vollem Herzen.

Ganz besonders gern erinnere ich mich an meine Läufe mit Esther und HD in der Nacht an der Nidda, mit Rebecca und Iris auf den Feldberg, die vielen schönen Läufe mit Laufmauselke, Christel, Marianne, Angela, Elke, Jana Ramona, Erika, an die Läufe am Nord-Ostseekanal, an der Ruhr und quer durch den Harz und und und…

Ich kann nicht alle aufzählen. Aber jeder einzelne Lauf hat mein Leben bereichert. Jeder Lauf hat mir Kraft gegeben. Kraft für den Alltag, für den Job.

Oder ich denke an die wunderbare Begegnung mit Marcus in Berlin und die geführten Gespräche sowie den Austausch unserer Gedanken. Und an einen gemeinsamen Lauf, den wir leider noch nicht gemacht haben...

Das tägliche Laufen hat mich in Einklang mit mir selbst gebracht. Es gehört zu mir und ich möchte es nie mehr missen.

Am 18.09. 2016 habe ich mein 8 jähriges Jubiläum gefeiert. Zusammen mit Elke hatte ich einen wunderbaren Lauf, den Elke mit einigen schönen Fotos und dieser Collage dokumentiert hat:

Jubellauf mit Elke

Jubellauf mit Elke

Ein Resümee zu diesem Jubiläum gibt es diesmal nicht. Zu hoch hängt da bereits das Damoklesschwert über meine Täglich- Laufserie. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die eine Serie endlich machen. Es gibt die Tage, an denen die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung macht. An dem nichts mehr geht, nichts mehr läuft.

Vor diesem Tag habe ich mich immer gefürchtet. Ich hatte Angst, weil ich nicht wusste, wie ich damit umgehen würde.

Am 29.09. 2016 – nach 8 Jahren und 11 Tagen war dieser Tag gekommen. Der Tag, an dem nichts mehr lief.

Aber so sehr mich dieser Fakt getroffen hat, so sehr weiß ich auch, dass er eigentlich nichts ändert. Ich fühle mich nach wie vor als Täglich Läuferin und verspüre in mir den Wunsch, bald wieder loszulaufen – sobald es meine Gesundheit wieder zulässt..

Jetzt, wo die Serie unterbrochen ist, stellt sich für mich nicht mehr die Frage, wie es weitergeht. Für mich ist es klar: Ich werde wieder laufen und ich werde es täglich tun. Etwas Anderes kann ich mir nicht vorstellen.

Deshalb sehe ich das Ende meiner Serie als neuen Anfang. Ich freue mich darauf, möglichst bald wieder loslaufen zu können. Täglich.

Alles hat ein Ende UND einen neuen Anfang
Alles hat ein Ende UND einen neuen Anfang
Alles hat ein Ende UND einen neuen Anfang
Alles hat ein Ende UND einen neuen Anfang
Alles hat ein Ende UND einen neuen Anfang
Alles hat ein Ende UND einen neuen Anfang
Alles hat ein Ende UND einen neuen Anfang
Alles hat ein Ende UND einen neuen Anfang
Alles hat ein Ende UND einen neuen Anfang

Edit 09.10.2016

Marcus hat mich gerade zu Tränen gerührt und meine 8jährige Serie gewürdigt. Ich bin dankbar für diese Zeilen und tief ergriffen.

Vielen Dank, lieber Marcus!

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