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Veröffentlicht von Petra

Am Start in Eisenach

Am Start in Eisenach

Mein 12. Rennsteiglauf. Eigentlich unspektakulär. Ich bin kein Frischling mehr, aber vom Traditionsläufer weit entfernt. Trotzdem. Jeder Rennsteiglauf war und ist einzigartig. Keiner verläuft wie der Andere.

Heute stehe ich zum 5. Mal an der Startlinie in Eisenach. Ehrlich - ich mußte erstmal nachschauen, ob es nun der 4. oder 5. war... Mein statistisches Gedächtnis ist nicht das Beste...

05:30Uhr

Wir sind angekommen in Eisenach. Rainer hat mich mit dem Auto gebracht - so konnte ich 1 Stunde länger schlafen. Trotzdem war ich noch ziemlich müde und das Lächeln hat noch nicht so richtig geklappt....

Mein 12. Rennsteiglauf

Ich stand eine gefühlte Ewigkeit in der Schlange am Dixi, die Zeit wurde knapp... Geradeso kurz vorm Start schaffte ich es, minen Beutel abzugeben, mich mit Christel und Conny zu treffen, noch ein paar Lauffreunde zu begrüßen und schon fiel auch schon der Startschuß. Eigentlich war ich ja noch mit Birgit verabredet, die ich aber nicht entdecken konnte... Aber kurz nach dem Sart hatte sie mich gefunden. Wir hatten nur noch kurz Zeit, uns alles Gute zu wünschen und schon war sie meinen Blicken entschwunden...

Gemächlich trabte ich Seite an Seite mit Christel los. Erst einmal wollten wir unsere Täglich Läufer Mindestdistanzmeile laufen. An sich ist das ja selbstverständlich und kein Problem - wenn nicht da gleich nach 500 Metern dieser Hammer von Berg wäre...

Während vele schon gingen, liefen wir tapfer den Berg hinauf. Erst als wir auf einen schmalen Pfad kamen und sich die bunte Läuferschar staute, mußten auch wir gehen. Aber unsere erste Meile hatten wir längst...

Mittlerweile hatte sich das Läuferfeld eingefädelt. Ich lief immer noch mit Christelchen, unser Tempo passte gut... Unterwegs entwickelten sich nette Gespräche mit dem ein oder anderen Läufer. Silke überholte uns und Steffen sang mir - wie fast immer - unterwegs ein Ständchen. Es machte einfach Spaß, in dieser lockeren Atmosphäre zu laufen. Alle waren gut drauf. Das Wetter passte auch - es war nahezu optimal. Ich lief von Anfang an in kurzem Shirt und habe bis zum Schluss meine Jacke nicht gebraucht.

Es ging bergauf. Gefühlt nur bergauf. Christel entwickelte die Theorie, dass die Berge zusätzlich noch aufgeschüttet wurden, damit wir uns noch mehr quälen müssen. Was natürlich Unsinn ist :)

Die erste Verpflegung, der erste Schleim, die freundlichen Leute an den Verpflegungsstellen. Das bringt Power und zusätzliche Motivation.

Es geht wieder bergauf - oder immer noch? Wir erklimmen den Inselsberg. Schon von weitem sehe ich das Kilometerschild 25. Ein kurzes Selfie und schon geht's weiter. Vorbei an der Gaststätte - und wen sehe ich da? Stefan genoss gerade ein alkoholfreies Bier und erkannte mit sicherem Blick den Zustand meiner Unterhopfung. Ein kleiner Schluck - oder auch zwei - und ich fühlte mich wie Gott in Frankreich.

Nun kam die erste richtig heftige bergab - Passage. War das in den letzten Jahren auch so steil?

Boah, ging das in die Oberschenkel! Unten angekommen, wurden wir wieder mal verwöhnt. Der Schleim war der Oberhammer. Und die Musik auch. Christelchen tanzte wie ein aufgezogenes Männchen nach den poppigen Klängen. It`s a really good Feeling....

Noch 10km bis zur Ebertswiese, dort ist die Hälfte geschafft. Das Stück bis dahin ist wunderschön und: Es geht sogar ab und zumal bergab. Wir haben unseren Rhythmus gefunden. Bergab laufen und bergan - immer bis zu einem bestimmten Punkt, danach gingen wir.

Gegen 11:30Uhr kamen wir an der Ebertswiese an. Wir nahmen uns nicht viel Zeit zum Essen. Irgendwie habe ich immer wieder gerechnet, ob wir die Cut Off Zeit am Grenzadler schaffen. Aber da schien keine Gefahr zu sein.

Kilometer für Kilometer geht es voran. Aber das Kilometerschild 50 will und will nicht kommen...

Längst schon haben wir beschlossen, das Ding gemeinsam durchzuziehen. Es macht riesig Spaß mit Christel zu laufen. Wir quatschen wie die Weltmeister, jammern zusammen, wenn der nächste Berg mal wieder zu hoch ist und laufen lächelnd wieder herunter...

Aaahh - endlich, das Kilometerschild 50! Das hat ja eine gefühlte Ewigkeit gedauert!

Von hier aus sind es nur noch knapp 5km bis zum Grenzadler. Es ging leicht bergab. Die Sonne schien und es war nicht zu heiß. Diese paar Kilometer bis zum Grenzadler vergingen wie im Flug. Ich wollte schon auf die Wiese einbiegen - aber da ging es gar nicht mehr lang... Irgendwie sah alles ein wenig anders aus. Am Ende des Parkplatzes war die Verpflegungsstelle aufgebaut. Dort habe ich das wohl beste Nutellabrot meines Lebens gegessen.

Es war 14:30Uhr, eine halbe Stunde vor der Cut Off Zeit. Also keine Bange, wir würden es schaffen.

Wieder ein Berg, der es in sich hat. Meter für Meter kämpfen wir uns hoch. Christelchen kann sich wieder mal nicht daran erinnern, dass der Berg im letzten Jahr auch so hoch war. Ich aber auch nicht. Aber irgendwann ist es geschafft.

Die Läuferschar hat sich immens gelichtet. Manchmal sehen wir keinen vor und keinen hinter uns, aber irgendwie sehen wir manche Läufer immer wieder.

An der Schmücke stärken wir uns nochmal für die letzten 8 Kilometer. Die Beine werden schwerer. Trotzdem freue ich mich auf die letzten Kilometer, jetzt können wir es laufen lassen. Mein erstes und letztes Gel zeigt Wirkung. Meine Beine fühlen sich wieder frisch an und wir fliegen dem Ziel entgegen.

Das Kilometerschild 70 ist wie immer verschwunden, obwohl ich einem anderen Läufer kurz vorher versichert habe, dass es gleich kommen muss. Es kam aber nicht. Egal - es geht auch ohne. Wir überqueren die Straße. Laufen, Laufen, Laufen. Überholen noch ein paar Läufer. Noch ein Hügel. Die letzten Höhenmeterchen.

Wir sind in Schmiedefeld. Eine Frau steht auf ihrem Balkon und feuert alle vorbeikommenden Läufer über ihr Megafon an. Überall werden wir freundlich und mit Beifall begrüßt.

Wir hören das Ziel und nun können wir es auch sehen. Ich habe einen Kloß im Hals, mir steigen die Tränen in den Augen.

Wir haben es geschafft! Gemeinsam laufen wir Hand in Hand über die Ziellinie - herzlich begrüßt vom Zielsprecher und den Verantwortlichen vom Rennsteiglaufverein, dem ich seit Jahren angehöre. Wir sind überglücklich und fallen uns in die Arme.

Wir haben es geschafft!

Rainer ist da und begrüßt uns mit einem Ziel Foto auf dem wir der Welt unser Glück zeigen.

Im schönsten Ziel der Welt!
Im schönsten Ziel der Welt!

Im schönsten Ziel der Welt!

An dieser Stelle möchte ich all meinen Lauffreunden ganz herzlich zum Bezwingen des Rennsteiges beglückwünschen! Jeder der dabei war, hat eine großartige Leistung vollbracht - egal auf welcher Strecke!

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Chris 07/12/2016 16:36

Ein bisschen positiv sympathisch bescheuert bist du ja:) Das gefällt mir!
Nein Quatsch, als Trainer kann ich das auch nur empfehlen.
Derzeit bereite ich mich selber auf das 250km Atacama Crossing Rennen vor und mache dabei nur HIT Training.


Chris

Jörg 05/27/2016 09:36

Wieder mal schön gemacht.
Es wird fast zur Routine und ist doch immer etwas besonders. Schade, dass wir uns nicht gesehen haben.
Aber beim nächsten Mal

Jörg